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Diese Todesdrohung soll die Türkisch-Islamische Gemeinde Röthenbach erhalten haben. Bild: Twitter/@Tarek_Bae

Einen Tag nach Hanau-Trauerfeier: Bayerische Moschee erhält Todesdrohung

Wenige Tage ist es her, das Kemal Kocak auf der Trauerfeier für die zehn Ermordeten im hessischen Hanau von seiner Angst erzählte.

Die Angst, die er in seiner eigenen Wohnung spürt und die er, wer könnte es ihm verdenken, nicht mehr haben will.

Die Worte Kocaks sind kaum verhallt, da setzt Journalist Tarek Baé einen Tweet ab, der zeigt: Kocak hat allen Grund, Angst zu haben.

Hier die Vorderseite des Briefes

Journalist Baé berichtet in dem Tweet von einer Todesdrohung, die offenbar am Donnerstag in der Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde Röthenbach bei Nürnberg einging.

Polizei ermittelt in ähnlichen Fällen

Dort hat laut einem Bericht des Portals "nordbayern.de" inzwischen die Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen. Das Kommissariat für Staatsschutz der Kriminalpolizei Schwabach arbeite an der Überprüfung des Briefes, der nun unter anderem auf DNA-Spuren untersucht werden soll. Auch die dem Brief beigelegte Patrone soll untersucht werden.

"Das war echte Munition. Das deutet also stark darauf hin, dass das nicht nur ein schlechter Scherz war. Echte Munition kann nicht jeder besitzen, das ist auch wichtig für die Ermittlung", zitiert das Portal einen Polizeisprecher. Offenbar ist der Vorfall kein Einzelfall – seit Dezember 2019 ermittelte der Staatsschutz Schwabach in ähnlichen Fällen, heißt es in dem Bericht.

Die nun betroffene Gemeinde bekennt sich auf ihrer Website zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und schreibt dort: "Sie legt Wert auf Freundschaftlichkeit, Achtung, Nachsicht, Toleranz und Solidarität der Menschen untereinander und gegenüber anderen Glaubensangehörigen. Diese Eigenschaften stimmen auch mit den Grundsätzen des Islam überein."

In dem blauen Umschlag, auf den der oder die Absender die Adresse in bedrohlich wirkenden Großbuchstaben geschrieben haben, befand sich eine dem Anschein nach weiße Karte.

Auf diese hatte jemand, in der selben bedrohlich wirkenden Schrift, geschrieben: "Ihr werdet niemals sicher sein!"

Solche Drohungen gehörten "mittlerweile zum Alltag deutscher Moscheen", berichtet Baé in dem Tweet weiter.

Fast 200 Menschen retweeteten Baés Nachricht bereits, User und Userinnen kommentierten betroffen. "Ich schäme mich so sehr für Deutschland", gab einer etwa bekannt. Karoline Preisler, FPD-Politikerin aus Mecklenburg-Vorpommern antwortete: "Liebe muslimische Geschwister, ich bin bestürzt über diese Anfeindung."

(pcl)

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