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Robert Habeck denkt über die Frage von Illner nach. Bild: screenshot ZDF

Illner stellt Grünen-Chef provokante Frage – der ist sprachlos

maik mosheim

Der zweite Corona-Lockdown ist da – auch wenn es diesmal "nur" ein "Lockdown-light" ist. Massive Kontaktbeschränkungen, Schließung der Gastronomien und Freizeiteinrichtungen sind nur ein paar der Maßnahmen, die in dem Paket der Regierung stecken.

Bei "Maybrit Illner" im ZDF diskutiert eine interessante Runde über die Maßnahmen. Mit dabei ist Tobias Hans, Saarlands Ministerpräsident von der CDU. Er hätte sich bei anderer Ausgangslage "weichere Maßnahmen" gewünscht, findet aber, dass die Beschlüsse der Situation durchaus angemessen sind.

Außerdem an diesem Abend zu Gast:

Grünen-Chef Robert Habeck sieht das ähnlich. Aber er ist auch immer noch Oppositioneller und in dieser Rolle ständiger Kritiker der Regierungspolitik. "Einigkeit gibt es offenbar nur in der größten Not", fasst Moderatorin Illner das Problem zusammen. Denn jetzt rufe mit einem Mal alles nach dem Bund.

Illner konfrontiert Habeck – der ist überrumpelt

Habeck analysiert, dass die differenzierten Maßnahmen, die es vor einigen Wochen gab, gescheitert seien und dass man viele Fehler gemacht habe. Illner reicht das nicht und sie hakt nach.

"Aber hat nicht auch die Opposition Ferien vom Virus gemacht?"

Maybrit Illner

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Grünen-Chef Habeck ist von Illners Frage sichtlich überrascht. Bild: screenshot ZDF

Da ist Habeck erstmal einen Augenblick still, wirkt überfordert, muss nachdenken und gesteht dann ein, dass die Opposition zwar immer wieder gemahnt und Vorschläge zur Verbesserung eingebracht hätte, aber dass man sich nicht hätte "träumen lassen", Ende Oktober vor einem zweiten Lockdown zu stehen.

Von weiterer Kritik hält ihn der Moment jedoch wenig überraschend nicht ab. So spricht er beispielsweise den Wandel in der Argumentation seitens der Regierung an, der sich von "wir schauen, wo die Infektionsherde sind" hin zu "wir reduzieren die Kontakte im Allgemeinen" entwickelt habe. Das sei ihm in der Argumentation nicht transparent genug.

Andreas Gassen und sein Papier gegen das Regierungspaket

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, hat sich in den vergangenen Tagen als Gegner des nun beschlossenen Lockdowns herausgestellt. Gemeinsam mit den zwei bekannten Virologen Jonas Schmidt-Chanasit und Hendrik Streeck hat er ein Positionspapier herausgegeben, das Maßnahmen abseits eines Lockdowns fordert.

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Andreas Gassen ist einer der Hauptakteure des Positionspapiers. Bild: screenshot ZDF

In der Sendung gibt Gassen zu verstehen, dass er die Maßnahmen der Regierung nicht für zielführend hält. "Ich würde es mir wünschen, aber ich glaube nicht", sagte er auf die Frage, ob er denkt, dass die Regelungen greifen könnten.

Unerwarteten Widerstand bekommt Gassen dann von Ute Teichert, der Vorsitzenden des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Sie appelliert dafür, die Kontaktverfolgung nicht abzuwandeln, im Gegensatz zu dem, was in dem Papier gefordert wird. Gassen muss unwillkürlich schmunzeln, als er das hört, Virologin Melanie Brinkmann nickt jedoch zustimmend. Und liefert tatkräftige Unterstützung im Meinungskampf gegen den Arzt.

Brinkmann vs. Gassen

Der muss im Anschluss zur ausführlichen Erklärung seiner Vorstellung der "neuen" Kontaktnachverfolgung und des neuen Ampelsystems ausholen. Zusammengefasst: Er möchte Zahlen anders interpretieren und anders aufbereiten. Dass aber auch die neue Ampel großflächig auf rot springen könnte, wird dabei fast vergessen – bis Saarlands Ministerpräsident Hans doch noch darauf hinweist. Welche Zahlen man sich auch ansehe und wie man sie auch aufbereite: Am Ende führe alles zu dem Ergebnis, dass das Virus ohne weitreichende Maßnahmen kaum mehr in den Griff bekommen sei.

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Melanie Brinkmann hat einen großen Kritikpunkt an dem Positionspapier. Bild: screenshot ZDF

Gassen bekommt weiterhin ordentlich Gegenwind an diesem Abend. Virologin Brinkmann konfrontiert den Arzt mit ihren persönlichen Kritikpunkten an seinem Positionspapier. Der Entscheidende:

"Was mir in Ihrem Papier fehlt, ist die Idee, wie wir das exponentielle Wachstum unterbrechen können."

Melanie Brinkmann

Als Gassen darauf antworten will, unterbricht Robert Habeck ihn und fragt um Erlaubnis, seine Sicht auf diese Thematik darstellen zu dürfen. Dann erklärt er lang und breit, dass wir das Virus immer noch richtig verstanden hätten.

Brinkmann macht nach der Sendung direkt weiter

Wirklich konkret wird er aber nicht und das ist wohl das größte Problem an diesem Abend. Denn ob die Maßnahmen wirken, oder eben nicht, kann noch niemand genau sagen. Und erst wenn es da eine Tendenz gibt, lässt sich die Wirksamkeit einschätzen.

Melanie Brinkmann hat indes nach ihrem, durchaus konstruktiven, Angriff auf Gassen noch nicht genug. Im Abspann der Sendung ist zwar nicht mehr zu hören, aber zu sehen, wie sie sofort wieder anfängt, Gassen zu löchern, der sich ebenfalls vorbeugt und angeregt mitdiskutiert.

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Virologin Brinkmann nach Ende der Sendung im Zwiegespräch mit Arzt Gassen. Bild: screenshot ZDF

Und das ist schön zu sehen. Denn nur ein fundierter Austausch von Meinungen hilft in dieser Zeit, auch fundierte Entscheidungen treffen und konstruktive Diskussionen führen zu können.

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