Kein Zugriff auf Insta – für Hunderte Millionen Menschen war das am Montag ungewohnte Tatsache. Aber es gibt auch solche, die mit TikTok zufrieden sind und nichts vermisst haben.
Kein Zugriff auf Insta – für Hunderte Millionen Menschen war das am Montag ungewohnte Tatsache. Aber es gibt auch solche, die mit TikTok zufrieden sind und nichts vermisst haben.
Bild: SVEN SIMON / picture alliance
Analyse

"Diese ganzen sozialen Medien sind nicht gut für die seelische Gesundheit": So erlebten junge Menschen in Berlin den Facebook-Totalausfall

05.10.2021, 15:1505.10.2021, 20:11
clara list

Als Montag gegen 18 Uhr plötzlich keine WhatsApp-Nachrichten mehr durchgestellt wurden, der Instgramfeed eine Aktualisierung verweigerte und Facebook vergeblich nach einem Kontakt zum Server suchte, wurde weltweit für Menschen ein Teil ihres gewohnten Alltags ohne Vorwarnung unterbrochen. Schnell gingen die ersten Störungsmeldungen auf entsprechenden Seiten ein. Kurze Zeit später war klar: Facebook erlebte einen Totalausfall.

Hunderte Millionen Menschen weltweit waren auf einmal offline, zumindest in den drei großen Diensten des Konzerns. Watson hat vier junge Menschen aus Berlin gefragt, wie sie den Abend erlebt haben.

Funktionierende Technik als Selbstverständlichkeit

Die permanente Erreichbarkeit durch soziale Medien ist für viele, vor allem junge Menschen selbstverständlich. Dass die Dienste einfach plötzlich down waren, war für die 31-jährige Zeynep eine Überraschung. „Ich dachte zuerst, dass mein Handy kaputt sei, oder mein WLAN-Router eine Störung habe", sagt sie.

Wie groß das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer in den Facebook-Konzern ist, wurde durch die Störung, die in ihrem Ausmaß und ihrer Dauer sehr auffällig war, deutlich. Zwar verbringen die wenigsten Menschen den ganzen Tag am Handy, dennoch könnten sie 24/7 online sein – normalerweise. Der gestrige Totalausfall der populärsten Dienste änderte das. Das merkte auch Zeynep. "Instagram ist nicht meine Hauptbeschäftigung, mir ist gestern Abend kein Entertainmentfaktor weggebrochen", berichtet die junge Therapeutin und fügt hinzu, dass sie es dennoch kurz komisch fand, dass nichts funktioniert habe.

Instagram als dauerhafte Nebenbeschäftigung

Patricia saß in einer Univorlesung, als gestern Abend keine ihrer Textnachrichten mehr zugestellt wurden. Da sie ihre Mutter nicht erreichen konnte, griff sie in der Pause zum Hörer und rief sie kurzerhand an. "So hatten wir schnell alles Wichtige besprochen", sagt die 24-jährige, die das Ausmaß der massiven Störung durchaus als Beeinträchtigung empfand. "Ich hänge oft auf Instagram rum, wenn ich in der Uni sitze. Der Dozent gestern hat die Vorlesung sehr langweilig gestaltet, da habe ich Instagram schon vermisst", gesteht sie.

Wie beiläufig Reels, Posts und Stories geschaut werden, wird erst deutlich, wenn sie nicht mehr zur Verfügung stehen. Plötzlich ist die eintönige Vorlesung der einzige Unterhaltungsfaktor und genießt die volle Aufmerksamkeit der Studierenden. Kein Push-Nachricht über einen neuen Beitrag der besten Freundin wird zur Ablenkung, keine hochgeladenen Selfies aus dem Vorlesungssaal feiern die zurückgekehrte Präsenzlehre. Niemand kann mehr zeigen, wie lecker sein Abendessen aussah oder wie schön der Sonnenuntergang im Urlaub den Himmel färbte. Die Selbstdarstellung des eigenen Lebens macht eine kurze Pause, plötzlich zählt nur das Hier und Jetzt. Wie früher, vor dem Internet – wenn auch nur für ein paar Stunden.

Alternativen vorhanden – aber nicht für jede Situation

Spätestens seit der umstrittenen Datenschutz-Bestimmung bei der Nutzung von WhatsApp weichen auch jungen Menschen auf andere Messengeralternativen aus. Der 17-jährige Bradley nutze vergangenen Abend iMessage, um mit seinen Leuten zu kommunizieren. Dennoch störten ihn die technischen Probleme bei WhatsApp. "Wir haben einen Klassenchat und konnten uns nicht wegen der anstehenden Klausuren austauschen, das wäre wichtig gewesen", erzählt und fügt hinzu, dass er nur aus diesem Grund gerne WhatsApp benutzt hätte. Über iMessage konnte er ebenfalls gut und einfach chatten. Pragmatismus fungiert als Rettungsboot für gestrandete junge Menschen, die ein dringendes Mitteilungsbedürfnis haben oder sich Entertainment wünschen. Seinen Abend verbrachte der Schüler mit Netflix und scrollte nebenbei durch tiktok. Instagram nutze er generell sehr selten, "Tiktok reicht mir komplett", sagt er und fügt hinzu, dass der Totalausfall eine sehr geringe Beeinträchtigung für ihn darstellte, es gäbe doch genug Alternativen.

Von Ausfall unberührt

Auch der 26-jährige Tom kommuniziert mit seinen Kontakten über andere Messengerdienste. Er habe erst am Morgen danach im Radio erfahren, dass WhatsApp, Facebook und Instagram stundenlang lahmgelegt waren. Sein Abend sei dennoch ein Abend wie jeder andere auch gwesen. "Diese ganzen sozialen Medien sind nicht gut für die seelische Gesundheit", sagt er und erklärt, dass er sich überall abgemeldet habe. Dann ergänzt er, dass er wunderbar ohne die Nutzung des Facebook-Konzerns klar komme. Nicht nur am gestrigen Abend, sondern an jedem weiteren Tag im Jahr.

Das steckt hinter dem gruseligen Whatsapp-Account "Momo"

Stell dir vor, du holst dein Smartphone aus der Tasche, öffnest Whatsapp, und hast einen neuen Kontakt in deinem Chatverlauf – ohne, dass du ihn selbst hinzugefügt hast. Und stell dir vor, dieser Kontakt hat nicht nur ein gruseliges Profilbild, sondern schickt dir auch noch kryptische Nachrichten und Horror-Fotos zu. Angeblich soll genau das seit langem weltweit geschehen.

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