"Harry Potter"-Autorin JK Rowling wird derzeit wegen ihrer transfeindlichen Aussagen kritisiert.
"Harry Potter"-Autorin JK Rowling wird derzeit wegen ihrer transfeindlichen Aussagen kritisiert.
Bild: imago images

JK Rowling: Ihre transfeindlichen Aussagen fliegen der Autorin nun um die Ohren

05.10.2020, 11:09

Wegen ihrer transfeindlichen Aussagen auf Twitter distanzierten sich bereits die "Harry Potter"-Darsteller Rupert Grint, Daniel Radcliffe und Emma Watson von der Autorin JK Rowling. Nachdem die Britin unter einem Decknamen ein Buch veröffentlicht hatte, in dem sich ein Mann als Frau verkleidet und daraufhin Menschen umbringt, nahm die Diskussion nochmal Fahrt auf. In den sozialen Netzwerken formierte sich Widerstand, Fans veröffentlichten Clips auf der Videoplattform Tiktok, in denen sie Rowlings Bücher verbrennen.

Stellt sich die Frage, was mit dem "Harry Potter"-Franchise passiert. Vor allem, da Warner Bros. derzeit an "Hogwarts Legacy" arbeitet. Das ist ein Rollenspiel in Rowlings Fantasy-Universum, das 2021 für PC und Playstation erscheinen soll. Warner Bros. äußerte sich auch bereits zur Diskussion.

In einem Q&A hieß es, dass Rowling nicht direkt an dem Spiel beteiligt sei, ihre Bücher hätten lediglich als Fundament für die Welt des Games gedient. Der Präsident der Spieleabteilung von Warner Bros., David Haddad, betonte zudem in einem weiteren, firmeninternen Q&A, dass die Autorin immer noch eine Privatperson sei und entsprechend ihre Meinung in den sozialen Netzwerken teilen könne. Er stellt klar:

"Ich möge ihr nicht zustimmen und bei vielen Themen anderer Meinung sein, aber ich stehe dazu, dass sie immer noch Meinungsfreiheit genießt."

Der Journalist Jason Schreier teilte das Statement auf Twitter.

Eine lange Geschichte

Um deinen Wissenstand nochmal aufzufrischen, rekonstruieren wir doch kurz Rowlings Aussagen. Es begann mit einem Post auf Twitter, in dem sie sich über einen Text lustig machte, der "Menschen, die menstruieren" behandelte. Sie fragte sarkastisch, wie die Menschen konkret genannt werden "Wumpen? Wimpund? Woomund?". Offensichtlich meinte sie "Woman", das englische Wort für Frauen.

Jetzt lassen sich jedoch nicht alle "menstruierenden Menschen" als Frauen bezeichnen. Entsprechend schließt die Autorin nicht-binäre Menschen aus. Transfrauen haben keine Regelblutung, Transmänner hingegen schon. "Menstruierende Menschen" lassen sich also nicht mit Frauen gleichsetzen. Es folgte Kritik, von Fans und Organisationen. So schrieb zum Beispiel die US-amerikanische Gay & Lesbian Alliance Against Defamation (GLAAD), zu deutsch: Schwulen- und Lesbenvereinigung gegen Diffamierung:

"Wenn ihr eure berechtigte Wut über die neuesten Anti-Trans-Kommentare von JK Rowling in etwas Positives umlenken wollt, unterstützt Organisationen, die sich für schwarze Trans-Menschen einsetzen."

Rowling verteidigte sich auf Twitter. Sie sagte, dass es ohne Geschlecht keine gleichgeschlechtliche Anziehung gäbe und die Lebensrealität von Frauen weltweit so gelöscht würde: "Ich kenne und liebe transsexuelle Menschen, aber die Auslöschung des Geschlechterbegriffs nimmt vielen die Fähigkeit, über ihr Leben sinnvoll zu diskutieren. Es ist kein Hass, die Wahrheit zu sagen." Der britische TV-Journalist Scott Bryan schrieb darauf, sie solle doch bitte mit queeren Leuten sprechen.

In einem Brief verteidigte sich JK Rowling und sprach sich für die Redefreiheit aus, veröffentlicht wurde dieser im "Harpers Magazine". Prominente Autoren, darunter Daniel Kehlmann (Die Vermessung der Welt), schrieben mit. Unter anderem heißt es darin:

"Der freie Austausch von Informationen und Ideen, der Lebensnerv einer liberalen Gesellschaft, wird jeden Tag weiter verengt."

Wir könnten das noch weiterführen, aber der Ton bleibt derselbe. Rowling fühlt sich unverstanden, hält an ihren Aussagen fest und am Ende folgt Kritik. Dieser begegnet sie mit einem Verweis auf die Meinungsfreiheit. Allerdings zeigte sie bisher nicht den Willen, sich mit der Meinung ihrer Kritiker auseinanderzusetzen.

Zurück zu Warner: Haddad betont, dass Warner Bros. mit Organisationen zusammenarbeitet, die sich für LGBTQ-Rechte einsetzen. Auch mit einem Repräsentanten von GLAAD sprach er – allerdings sollen das Harry Potter-Spiel wie auch Rowling dabei nicht erwähnt worden sein. Wie auch immer die Diskussion um Rowlings Aussagen verläuft, "Hogwarts Legacy" wird definitiv erscheinen, allerdings erst im nächsten Jahr. Wer weiß, vielleicht wird die Debatte dort ja Thema. Spannend wär's.

(tkr)

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