Durch das 9-Euro-Ticket sind unter anderem Semestertickets vorübergehend überflüssig geworden.
Durch das 9-Euro-Ticket sind unter anderem Semestertickets vorübergehend überflüssig geworden. Bild: dpa / Lennart Preiss
Analyse

9-Euro-Ticket: Studierende können sich auf Geld freuen – doch bei Rückerstattung drohen Hindernisse

10.06.2022, 12:3211.06.2022, 09:24

Für viele junge Menschen war die Einführung des 9-Euro-Tickets ein Grund zu Freude. Wohl nie zuvor war es für sie so günstig, Bus und Bahn zu nutzen. Allerdings haben die, die studieren oder eine Ausbildung machen, häufig sowieso schon ein vergünstigtes ÖPNV-Ticket in der Tasche. Schließlich geht an den Hochschulen mit dem Semesterbeitrag für gewöhnlich ein Semesterticket einher. Und auch Auszubildende erhalten von den Verkehrsbetrieben häufig Rabatte.

Weil das 9-Euro-Ticket aber noch günstiger ist, sind Studi- und Azubi-Tickets – zumindest für die Monate Juni, Juli und August – für die meisten überflüssig geworden. Verständlich, dass viele jetzt ihr Geld zurückwollen. Denn das ist, trotz Vergünstigung, oft eine ganze Menge: An der Universität Hannover zum Beispiel zahlen die Studierenden 225 Euro für das Semesterticket.

9-Euro-Ticket: Wirrwarr bei Zuständigkeit

Doch gerade an den Hochschulen ist es mit den Rückerstattungen oft nicht so einfach. Denn je nach Standort verhandeln die Verkehrsbetriebe das Semesterticket entweder mit den Hochschulen oder den Studierendenausschüssen (AStAs) bzw. den Studentenwerken. "Das ist bunt gemischt und nicht einmal innerhalb eines Bundeslandes einheitlich", sagt Matthias Anbuhl, Geschäftsführer des Deutschen Studentenwerks, gegenüber watson.

An der Uni Hannover müssen aktuell 225 Euro für das Semesterticket gezahlt werden.
An der Uni Hannover müssen aktuell 225 Euro für das Semesterticket gezahlt werden.Bildagentur-online / Bildagentur-online/Schoening

Ihm zufolge ist es diese Situation, die den Rückerstattungsprozess so erschwert. "Je nach Konstellation ist die Rückerstattung des Differenzbetrags leider nicht per Knopfdruck zu haben, sondern erfordert aufwändige bürokratische Prozesse", sagt Anbuhl.

Hochschulen und Verkehrsbetriebe wollen Geld erstatten

Die gute Nachricht ist aber: Aller Voraussicht nach sollen alle Studierenden das zu viel gezahlte Geld erstattet bekommen. Das sei "Konsens im deutschen Hochschulsystem", so Studierendenvertreter Anbuhl. Zudem werden die Semestertickets vieler Hochschulen während des Aktionszeitraums in deutschlandweite Tagestickets verwandelt, sodass die Studierenden keine zusätzlichen 9-Euro-Tickets mehr kaufen müssen.

Die Verkehrsbetriebe haben diesbezüglich und in Sachen Rückzahlungen längst grünes Licht gegeben. Die Studierenden bekommen die Differenz zwischen 9-Euro-Ticket und Semesterticket erstattet, bestätigt Lars Wagner, Sprecher des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VdV), gegenüber watson.

Das gelte im Übrigen für alle, die ein Abonnement beziehen, so der Sprecher. Das heißt: auch für Auszubildende. Weil die ihre vergünstigten Tickets meist direkt bei den Verkehrsgesellschaften kaufen, können sie sich in Rückerstattungsfragen direkt an diese wenden. Nur für Studierende, die ihre Semestertickets über den "Umweg" Hochschule bzw. Studierendenvertretung beziehen, ist die Sache komplizierter.

"Das 'ob' ist im Großen und Ganzen geklärt, das 'wie' ist aber noch nicht klar", bringt es Jan Hoffmann, der sich beim AStA in Hannover mit dem Thema befasst, auf den Punkt. So ist vielerorts zum Beispiel noch nicht klar, wann die Studierenden ihr Geld zurückbekommen.

Erstattungen zum Wintersemester wahrscheinlich

In Hannover wollen es Uni und AStA so handhaben, dass das Geld, was die Studierenden für das aktuelle Semesterticket zu viel gezahlt haben, beim kommenden Semesterbeitrag verrechnet wird. Diejenigen, die dann nicht mehr studieren, sollen das Geld erstattet bekommen. Aktuell befände man sich darüber in der Abstimmung, schreibt eine Sprecherin der Universität.

So wie in Hannover werden es wohl die meisten Hochschulen machen. Auch an der Uni Augsburg, wo das Semesterticket nur 65 Euro kostet und die Rückerstattung dementsprechend gering ausfällt, wird man so verfahren, bestätigt eine Sprecherin watson.

Rückzahlungen stellen AStA vor "enorme Herausforderung"

Doch, weil es eben keine einheitlichen Vorgaben gibt, ist nicht gewährleistet, dass es an allen Hochschulen so gehandhabt wird. Wer also wissen möchte, ob und wann die Rückerstattung des Semestertickets kommt, muss sich diesbezüglich bei der eigenen Hochschule bzw. der zuständigen Studierendenvertretung schlaumachen.

"Im schlimmsten Fall müssten wir sonst fast 30.000 Anträge auf Rückerstattung einzeln prüfen."
Jan Hoffmann vom AStA in Hannover zu watson

Jan Hoffmann, der AStA-Vertreter in Hannover, blickt zwiegespalten auf das 9-Euro-Ticket. An sich sei es eine gute Sache, doch es zeige "einmal wieder, wie wenig Studierende im Blick der Bundespolitik sind." Die Umsetzung der Rückerstattungen stelle eine "enorme Herausforderung dar, für die die Studierendenschaft personell nicht ausgelegt ist". Es gebe zudem technische Schwierigkeiten, so Hoffmann. "Im schlimmsten Fall müssten wir sonst fast 30.000 Anträge auf Rückerstattung einzeln prüfen."

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