Berlin, ukrainische Flüchtlinge kommen am Berliner Hauptbahnhof an. Die Ukrainer selbst möchten nicht als Flüchtlinge angesehen werden, sondern als Reisende. Eine junge Mutter hält ihr verängstigt sch ...
Eine ukrainische Mutter kommt mit ihrem Kind am Berliner Hauptbahnhof an.Bild: SULUPRESS.DE / Vladimir Menck/SULUPRESS.DE
Ukraine-Krise

Das Erbe des Krieges: Wie Traumata über Generationen hinweg wirken

10.04.2022, 12:2311.04.2022, 13:31

Über vier Millionen Ukrainer und Ukrainerinnen sind derzeit auf der Flucht aus ihrem Land: Vor allem Familien und besonders Frauen und Kinder wollen sich vor dem russischen Angriffskrieg in Sicherheit bringen. Die anderen circa 40 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen der Ukraine befinden sich mitten im Kriegsgebiet, wo sie sich vor Truppen und Bomben verstecken – oder gegen sie kämpfen.

Was diese Menschen, ob auf der Flucht oder weiterhin in der Ukraine, an Gräueltaten und Schrecken durch die russischen Aggressoren erleben, wird wahrscheinlich nicht nur ihr Leben negativ beeinflussen, sondern auch das ihrer Kinder und Kindeskinder.

Transgenerationale Weitergabe nennt man dieses Phänomen in der Forschung.

Transgenerationale Weitergabe
Damit wird die Übertragung von Erfahrungen der Angehörigen einer Generation auf die Mitglieder einer nachfolgenden Generation bezeichnet. In der Regel handelt es sich dabei um unbeabsichtigte, unbewusste oder auch ungewollte Verhaltensweisen und seelische Traumata, die an die Kinder und Enkel weitergegeben wird.
wikipedia

Falls ein Mensch also ein Trauma erlebt, kann es sein, dass er seine posttraumatischen Belastungsstörungen durch die transgenerationale Weitergabe indirekt und ungewollt an seine Kinder weitergibt. Die Kinder erleiden dann seelische oder psychische Schäden, ohne je selbst eine ähnliche traumatische Erfahrung gemacht zu haben. Besonders häufig und erstmals wurden diese Phänomene bei Überlebenden des Holocaust und ihren Nachkommen bemerkt.

Die Folgen eines Traumas können vererbt werden

Diese Erkenntnis wurde 2017 auch in einer Publikation des Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages (WD) unter dem Titel "Transgenerationale Traumatisierung" bestätigt: Eine Übertragung von Traumata auf die nachfolgenden Generationen "mit entsprechenden krankhaften Folgeerscheinungen für die Betroffenen" sei "inzwischen als klinischer Befund anerkannt".

Doch nicht nur Holocaust-Überlebende sind davon betroffen.

Der Autor Natan Kellermann schrieb schon in seinem Buch "Geerbtes Trauma" aus dem Jahr 2011, dass diese Prozesse ebenso und "in steigendem Maße auch bei Nachkommen anderer traumatisierter Bevölkerungsgruppen – bei Kriegsversehrten, überlebenden Genozidopfern, Opfern von Terror und Folter, Sklaverei und nuklearen Ereignissen, durch Menschen verursachte Gewalt und Naturkatastrophen – in vielen Teilen der Welt" vorkommen.

Nur hätten diese verschiedenen Gruppen bisher noch keinen proportionalen Eingang in Forschungsstudien gefunden – oder es existierten nur Einzelstudien zu ihnen.

Nicht jedes schlimme Erlebnis verursacht ein Trauma

Doch nicht jeder wird durch ein Trauma sein Leben lang geprägt oder entwickelt eine posttraumatische Belastungsstörung, sagt die Psychologin Manuela Ziskoven im Gespräch mit watson.

Sie ist Soziologin und Traumatherapeutin und arbeitete zehn Jahre in Israel, wo sie die Folgen der Transgenerationalen Traumatisierung durch den Holocaust erlebte.

"Die Forschung geht davon aus, dass 35 bis 40 Prozent überhaupt als Folge des traumatischen Erlebnis eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Und das hängt ab von der Dauer des Traumas und von den Vorerfahrungen, die jemand hat mit Trauma."
Unter den Geflüchteten aus der Ukraine sind viele kleine Kinder.
Unter den Geflüchteten aus der Ukraine sind viele kleine Kinder.Bild: SVEN SIMON / Frank Hoermann / SVEN SIMON

Entscheidende Faktoren sind beispielsweise die "Widerstandskraft von jemanden – also inwieweit die Person Ressourcen hat, sich davon nicht ganz am Boden zerstören zu lassen", so die Psychologin. Wenn die Eltern das traumatische Erlebnis verarbeitet haben, würden sie es in der Regel nicht weitergeben. Die transgenerationale Weitergabe träfe nur auf unverarbeitete traumatische Erfahrungen zu.

In Deutschland sind die Folgen des traumatischen Erbes bereits gut erforscht

Wie ernst solche seelischen Folgen der transgenerationalen Weitergabe einer Kriegsgeneration sein können, weiß man heute in Deutschland schon sehr gut: 2010 kam hierzulande der Begriff "Kriegsenkel" auf, er bezeichnet die indirekt vom Ersten und Zweiten Weltkrieg betroffenen Nachkommen.

Kriegsenkel
Der Begriff beschreibt Personen, meist geboren zwischen 1955 und 1975, die durch und während der NS-, Kriegs- und frühen Nachkriegszeit von ihren Eltern erlittene, unverarbeitete psychische Traumata als Kinder indirekt traumatisiert wurden.

Der Journalist Matthias Lohre kennt die Verhaltensweisen traumatisierter Eltern und deren Folgen gut. In dem Buch "Das Erbe der Kriegsenkel" erzählt er von seinen Erfahrungen als Kriegsenkel und der Suche nach einer Lösung von seinen Eltern.

Er erzählt im Gespräch mit watson, dass als Folge der Kriegserfahrungen des Zweiten Weltkriegs viele Menschen dieser Generation ihre Nöte und Emotionen als kleine Kinder verdrängen und unterdrücken mussten, weil niemand da war, der sich ihrer angenommen hätte.

Indirekte Traumata äußern sich ganz unterschiedlich und individuell

Die Auswirkungen dieser vererbten Traumata können unterschiedlich sein: die Verdrängung von Gefühlen, also eine emotionale Abkapselung, mangelndes Selbstwertgefühl, diffuse Angst, Leistungsdruck oder extremen Schuldgefühle gegenüber den Eltern.

Lohre bekam als Kind das Verhalten seiner Eltern mit, die durch die Erlebnisse des Kriegs selbst belastet waren: Sein Vater, der als Kind selbst geschlagen wurde, war "entweder wütend oder geistig abwesend, weil er sich selbst gar nicht spürte".

Aber auch eine gegenteilige Reaktion, eine Überkompensation ist möglich, wie im Fall von Lohres Mutter: "Unsere Mutter versuchte, den eigenen Liebesmangel, den sie als Kind erlitt, durch eigene Kinder wiedergutzumachen." Der Autor ist das jüngste von fünf Kindern.

So forderte die Mutter durch ihr Leid ständig die liebevolle Aufmerksamkeit ihrer Kinder ein. Lohre spricht von einer "Instrumentalisierung von Kindern" und erklärt, als Folge habe er sein Leben lang versucht, der Mutter keine Last zu sein:

"Das Leid meiner Mutter wirkte immer so groß, dass ich mir sagte, ich kann sie nicht mit meinen Nöten belasten. Diese Kombination aus einem emotional unzugänglichen Vater und einer depressiven Mutter hat letztlich dazu geführt, dass ich mit meinen Emotionen und Ängsten alleine blieb und versuchte, damit klar zu kommen."

Einen emotionalen Zufluchtsort vor der Strenge und Distanz des Vaters konnte aber auch die Mutter nicht bieten: "Das ist eine Verkehrung der natürlich Rollen. Eine Mutter, die sich als schutzbedürftig und klein darstellt, zwingt ihre Kinder in die Rolle von Erwachsenen." Dieses Verhalten nenne sich Parentifizierung.

"Die Elterngeneration krempelte die Ärmel auf, um die äußeren Trümmer zu beseitigen. Die seelischen Trümmer zu beseitigen – das ist Aufgabe der Enkel."
Kriegsenkel-Kongress in Göttingen 2013

Unbewusste Verhaltensmuster aus der Kindheit als Erwachsener

Die Folgen solcher Erfahrungen setzten sich selbst als Erwachsener fort. "Diese Muster sind stark in unserem Hirn eingebrannt durch die Erfahrungen unserer Kindheit. Und die Verhaltensweisen, die wir als Kinder gelernt haben, verbinden wir oft gar nicht mehr mit unseren Eltern." Umso länger unverarbeitete Erlebnisse weitervererbt werden, umso diffuser werden laut Wissenschaft auch die Zusammenhänge.

Lohre selbst konnte diese vererbten Gefühle und Verhaltensmuster erst nach dem Tod seiner Eltern auflösen und sich mit Hilfe einer Psychotherapie von Schuldgefühlen befreien. Er erklärt im Gespräch mit watson, dass man für die Verarbeitung der vererbten Traumata nicht unbedingt die Eltern oder das Gespräch mit ihnen brauche.

"Letztlich ist eine Versöhnung mit sich selbst wichtiger als eine Versöhnung mit den realen Eltern heute."
Journalist Matthias Lohre über seine Erfahrungen als Kriegsenkel

Stattdessen müsse man für die Auflösung des transgenerationalen Erbes an das innere Kind heran, an die inneren Vater- und Mutterbilder. Er sagt: "Letztlich ist eine Versöhnung mit sich selbst wichtiger als eine Versöhnung mit den realen Eltern heute."

Oft, wie in seinem Fall, erleichtere der Tod der Eltern sogar die Aufarbeitung, weil das Zulassen von Wut und Trauer über deren einstiges Verhalten ihnen nicht mehr weh tun könne. "Es war leichter, mir einzugestehen, was mir in meiner Kindheit gefehlt hatte."

Kriegstraumata in der Ukraine

Die transgenerationale Weitergabe wird in Deutschland oft für die Kriegsenkel des Zweiten Weltkriegs verwendet, doch beschränkt sich dieses Phänomen nicht auf ein Land. Es ist ein psychischer Prozess und wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass extrem traumatische Erfahrungen sozusagen indirekt "vererbt" werden können.

"Ich glaube, dass viele junge Ukrainer sich im Auftrag sehen, zu sagen: Einen Massen-, gar einen Völkermord wie damals, das lassen wir uns nie wieder gefallen."
Die ukrainische Stadt Butscha wurde zerstört, die Einwohner und Einwohnerinnen massakriert.
Die ukrainische Stadt Butscha wurde zerstört, die Einwohner und Einwohnerinnen massakriert.Bild: The Presidential Office of Ukrai / The Presidential Office of Ukraine

Dies könnte vor allem für die Kinder und Jugendlichen in der Ukraine, die gerade traumatische Dinge sehen und traumatisierte Eltern erleben, ein Problem werden, wie die Psychologin Manuela Ziskoven sagt:

"Auf der Flucht bekommen sie unmittelbar mit, wie die Eltern sich benehmen. Vielleicht ist der Vater noch als Soldat in der Ukraine, die Mutter macht sich Sorgen. Dadurch entsteht natürlich eine große Spannung. Die Kinder haben zum Teil miterlebt, wie Familienangehörige gefoltert oder erschossen wurden und sind akut traumatisiert. Und hier beginnt die transgenerationale Weitergabe."

Wenn diese Kinder also nicht genügend Unterstützung bekämen, um ein Traum zu verhindern oder dessen aufzuarbeiten, würden sie es an ihre Kinder und Enkel weitergeben.

Ukraine: Eine lange Geschichte des Leids

Die Ukraine hat aufgrund früherer Kriege bereits jetzt eine Generation, die durch traumatische Erlebnisse ihrer Eltern beeinflusst wurden. Lohre glaubt, dass viele Ukrainer und Russen den Auftrag fühlen würden, gewissermaßen für ihre Eltern und Großeltern in den Krieg zu ziehen.

Als Beispiel nennt er den "Holodomor" genannten Völkermord von 1932/33. Er sagt: "Das hat natürlich Folgen, auch für die ganze ukrainische Selbstwahrnehmung. Viele Ukrainer definieren sich auch anhand ihrer Opfererfahrung."

Holodmor und Ukraine im zweiten Weltkrieg
Der ukrainische Begriff "Holodomor", auf Deutsch "Tod durch Hunger", bezeichnet den Teil der Hungersnot in den 1930er Jahren in der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. In dieser Unionsrepublik fielen dem Hunger schätzungsweise drei bis sieben Millionen Menschen zum Opfer.

Auch im zweiten Weltkrieg war die Ukraine Kriegsopfer. Das Land wurde im Rahmen des Hitler-Stalin-Paktes von Deutschland überfallen und war Schauplatz zahlreicher Massenmorde an Juden, Polen und sowjetischen Kriegsgefangenen wie beim Massaker von Babyn Jar. In diesem Tal töten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD 1941 innerhalb von 48 Stunden mehr als 33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder.
wikipedia

Der jetzige Einmarsch der Russen in der Ukraine triggere alte und vererbte Traumata, so der Buchautor. "Ich glaube, dass viele junge Ukrainer einen Auftrag früherer Generationen verspüren, der ungefähr so lautet: 'Das, was damals mit uns geschah, erst durch die Russen und dann durch die Deutschen, diese komplette Ohnmachtserfahrung, einen Massen-, gar einen Völkermord, das lassen wir nie wieder zu.'"

Ist Putins Handeln das eines traumatisierten Kindes?

Auch Putins Handeln könnte seiner Meinung nach von vererbten Traumata angetrieben sein:

"Es ist wohl kein Zufall, dass ein Nachkriegskind aus dem von Deutschen zerbombten und ausgehungerten Leningrad eine Weltsicht entwickelt hat, wie er es tut: Putin fühlt sich ständig von feindlichen Mächten bedroht und wird durch sein extrem aggressives Verhalten vom Trauma-Opfer zum Täter."
"Wer seine Traumata nicht aufarbeitet und sich als Kind ohnmächtig fühlt, der wird immer wieder nach Allmachtsfantasien suchen, um um seine Gefühle in Schach zu halten."
Buchautor Matthias Lohre
DIESES FOTO WIRD VON DER RUSSISCHEN STAATSAGENTUR TASS ZUR VERFÜGUNG GESTELLT. [MOSCOW, RUSSIA - MARCH 30, 2022: Russia's President Vladimir Putin meets with Republic of Ingushetia Head Makhmud-Ali Ka ...
Autor Lohre hält Putins Entwicklung nicht für einen Zufall.Bild: Russian President Press Office / Mikhail Klimentyev

Der Buchautor vermutet, dass diese Kindheitsgeschichten und eine schwere Kindheit Putin stark geprägt haben könnten: "Diese traumatischen Erfahrungen pflanzen sich natürlich fort, erst recht, wenn sie vorher geleugnet werden", sagt er bei watson. "Wer sich als Kind ohnmächtig und bedroht fühlt und diese Erfahrungen als Erwachsener nicht reflektiert, der wird immer neue Allmachtsfantasien entwickeln, um beängstigende Gefühle in Schach zu halten."

Berlin, ukrainische Flüchtlinge kommen am Berliner Hauptbahnhof an. Die Ukrainer selbst möchten nicht als Flüchtlinge angesehen werden, sondern als Reisende. Ankommende, die gerade aus dem Zug gestieg ...
Ukrainische Flüchtlinge kommen am Berliner Hauptbahnhof an.Bild: SULUPRESS.DE / Vladimir Menck/SULUPRESS.DE

Traumatische Kriegserfahrungen könnten sogar eine ganze Nation prägen: "Nach Jahrhunderten der Despotie – unter Zaren, den Bolschewiki, den Deutschen und heute Putin – haben sie den Glauben verinnerlicht, sie dürften niemals schwach sein. Wer so denkt, für den ist Angriff natürlich immer die beste Verteidigung. So schlagen alte Traumata neue psychische Wunden. Ein Teufelskreis."

Wie ein Trauma verhindert werden kann

Der Buchautor Matthias Lohre befürchtet, dass gerade in der Ukraine millionenfach neue Kriegstraumata entstehen: "Jeder und jede in der Ukraine kennt jetzt jemanden, der im Krieg ist, gestorben, verletzt, auf der Flucht oder vermisst. Das ist zutiefst schockierend für jedes Land und für jede Bevölkerung."

"Wenn sie dann noch sehen, dass es ihren Müttern den Umständen entsprechend gut geht, dann kann daraus sogar im besten Fall eine stärkende Erfahrung werden."
Buchautor Matthias Lore gegenüber watson

Doch er hofft, dass beispielsweise die Ukrainer und Ukrainerinnen auf der Flucht so gut betreut würden, dass kein Trauma entstehe. Denn nur, wenn diese traumatisierende Erfahrungen länger andauern und wenn ein Mensch sich dauerhaft hilflos fühle, werde daraus ein Trauma.

Initiativen gegen das Transgenerationale Trauma
Mehrere Projekte zielen inzwischen auf die Prävention, besonders von jungen Flüchtlingsmüttern. Das Bundesfamilienministerium rief dafür 2012 ein Projekt mit dem Namen ERSTE SCHRITTE ins Leben.

Ein weiteres Programm, das Einfluss auf die Weitergabe elterlicher Bindungsmuster nimmt, ist das Frühinterventionsprogramm STEEP oder das Pilotprojekt mit Namen STEP-BY-STEP für traumatisierte Geflüchtete in einer Erstaufnahmeunterkunft in Darmstadt.

So könnte die freundliche Aufnahme der Geflüchteten und das Einbetten in neue Strukturen, in Klassen mit ukrainischen Lehrern und Lehrerinnen helfen, ein Trauma zu verhindern. Vor allem den Kindern:

"Das heißt, sie fühlen sich nicht komplett isoliert, sie haben Menschen, mit denen sie sich über ihre Erfahrungen austauschen können und sie haben eine feste Bleibe. Und wenn sie dann noch sehen, dass es ihren Müttern den Umständen entsprechend gut geht, dann kann daraus sogar im besten Fall eine stärkende Erfahrung werden. Dann können Kinder lernen: Das Leben kann beschwerlich sein, aber ich habe die Kraft, es zu meistern."

Eine verstärkte Resilienz sei der positivste Fall, der durch eine traumatische Erfahrung eintreten könne, so Lohre.

Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs werden erst später sichtbar sein

Laut der Psychologin Manuela Ziskoven, die in einer Beratungsstelle für Geflüchtete arbeitet, ist mit ersten Betroffenen aber erst in einigen Monaten zu rechnen: Zum einen, da eine Posttraumatische Belastungsstörung erst nach einem halben Jahr überhaupt diagnostiziert werden dürfe, weil die akuten Probleme wie Flashbacks von alleine zurückgehen würden.

"Viele wissen gar nicht, dass sie ein Trauma haben."
Psychotherapeutin Manuela Ziskoven gegenüber watson

Zum anderen aus Unwissenheit: "Wir rechnen damit, dass Leute aus der Ukraine erst in einem Jahr frühestens bei uns aufschlagen. Viele wissen gar nicht, dass sie ein Trauma haben. Sie wissen nicht, dass ihre Symptome gegebenenfalls Trauma-Folgestörungen sind."

Und gerade den Menschen, die noch mitten im Krieg sind, würden die Folgen erst im Nachhinein spüren.

Ziskoven sagt:

"In der jetzigen Situation haben die Eltern aus der Ukraine überhaupt keine Zeit, irgendwas zu verarbeiten. Die stecken ja noch mitten drin und es geht nur ums Überleben."
Therapeutin und Soziologin Manuela Ziskoven gegenüber watson

Im Moment kann man Betroffenen laut der Traumatherapeutin am meisten helfen mit "einem Umfeld, das Sicherheit und Vertrauen in die Zukunft vermittelt". Dies "mindert die Traumafolgen ab und ist die beste Prävention gegen die Entstehung von Traumata."

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