Ein VW-Mitarbeiter verklagt den Tochterkonzern Audi wegen ihrers Genderleitfadens.
Ein VW-Mitarbeiter verklagt den Tochterkonzern Audi wegen ihrers Genderleitfadens.Bild: Geisler-Fotopress / Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

"Audianer_innen": Mitarbeiter klagt gegen Audi wegen Gender-Leitfaden

14.06.2022, 10:00
Carla Hermel
Carla Hermel
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Ein VW-Mitarbeiter klagt gegen den Tochterkonzern Audi. Weil er mit Audi zusammenarbeiten muss, wurde auch ihm der firmeneigene Leitfaden für gendersensible Sprache auferlegt. Demnach werden alle bei Audi beschäftigten Personen nicht mehr "Audianer", sondern "Audianer_innen" genannt. Der Kläger sieht darin eine Verletzung seine Persönlichkeitsrechte und zieht nun vor Gericht.

Der Prozess startet am 14. Juni in einer Zivilkammer des Ingolstädter Landgerichts und wird sich höchstwahrscheinlich über mehrere Monate strecken. Ein Gerichtssprecher erklärte laut der Deutschen Presseagentur, dass vorerst lediglich geplant sei, den Rechtsstreit mit einer gütlichen Einigung zu beenden. Scheitere dieser Versuch, würde im Anschluss die Hauptverhandlung starten. Zuerst hatte der Kläger Dr. Alexander B. eine Unterlassungserklärung abgegeben, welche Audi nicht unterzeichnen wollte.

Audi steht hinter dem Leitfaden

Die Audi AG hat sich bisher nicht konkret zu der Klage geäußert, wird aber höchstwahrscheinlich bei ihrem Gender-Leitfaden bleiben. Wolfgang Schmid, Sprecher bei Audi, beteuerte zuletzt die Wertschätzung und Rücksichtnahme durch das Gendern:

"Die Verwendung gendersensibler Sprache bedeutet eine Kommunikation, die alle Geschlechter und geschlechtlichen Identitäten wertschätzt und berücksichtigt."

In ihrem Leitfaden empfiehlt der Konzern genderneutrale Formulierungen wie "Führungskraft" anstatt "Chef" und den Unterstrich für die Verwendung des Plurals. So werden Beschäftigte von nun an "Audianer_innen" genannt, zuvor waren es "Audianer".

Kläger empfindet das Gendern als männerfeindlich

Darin sieht der VW-Mitarbeiter und CDU-Kommunalpolitiker Dr. Alexander B. ein Problem. Gegenüber "Bild" betitelte er die Richtlinie des Unternehmens als unausgewogen. Es würde "massiv in die freie Persönlichkeitsentfaltung eingegriffen" werden, außerdem gefährde es den "Schutz der geschlechtlichen Identität". Weil die männliche Form bei den von Audi vorgelegten Beispielen nicht vorkommt, wäre das Gendern zudem männerfeindlich. Bei den Worten handelt es sich um die Berufsbezeichnungen "Arzt" und "Anwalt", die in gegenderter Variante zu "Ärzt_innen" und "Anwält_innen" werden. Bei den meisten gegenderten Wörtern bleibt der männliche Wortstamm jedoch erhalten, beispielsweise bei "Mitarbeiter_innen", "Sänger_innen" oder sogar "Audianer_innen".

Reaktionen auf den "Gendergaga" der "Audianer"

Auf Twitter unterstützen viele Menschen die Klage. Unter dem Begriff "Gendergaga", der einst durch AfD-Politikerin Beatrix von Storch populär wurde, echauffieren sich zahlreiche User schon länger über das Gendern im Allgemeinen. Jetzt sammeln sich zahlreiche Postings zu dem Rechtsstreit. Eine Nutzerin fragte beispielsweise, wann es anfing, "dass Randgruppen als Mehrheit erklärt werden". Jemand anderes schreibt, dass die Vernunft in Deutschland wegen des Prozesses noch nicht ganz ausgestorben sei.

Andere amüsieren sich lediglich über den Streit und besonders die Bezeichnung "Audianer" oder stehen hinter Audi und dem Gendern. Die Klage sei komplett sinnbefreit und würde dem VW-Mitarbeiter noch viel Geld kosten. Viele schlagen vor, ihn einfach zu kündigen, damit er fortan nicht mehr mit "Audianer_innen" angesprochen wird.

(crl)

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