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Um andere Menschen nicht mit dem Coronavirus anzustecken, solltest du in die Ellbogenbeuge, nicht in Hand husten. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / nensuria

Coronavirus und Husten: Kannst du dich über Viren in der Luft anstecken?

Wer jetzt beim Spazierengehen, im Supermarkt oder Apotheke noch so gekonnt in die Ellenbogenbeuge hustet, kann sich sicher sein, dennoch böse Blicke zu ernten. Das sich weiter ausbreitende Coronavirus hat uns vorsichtiger gegenüber unseren Mitmenschen gemacht. Schließlich wissen wir: Das Virus, welches im schlimmsten Fall eine lebensbedrohliche Lungenentzündung auslöst, kann über Husten übertragen werden.

Dass du es vermeiden solltest, direkt von jemand anderem angehustet zu werden, ist klar. Denn dann könntest du in Kontakt mit Tröpfchen kommen, die Viren enthalten. Wenn diese Tröpfchen an deine Schleimhäute gelangen, du dir also in den Mund oder die Augen fasst, kannst du dich anstecken. Das ist der klassische Weg, sich auch mit weiteren Atemwegserkrankungen zu infizieren, wie mit Erkältung oder Grippe.

Bisher gibt es nur eine Studie, die misst, wie lange sich das Coronavirus in der Luft hält

Wie ist es nun allerdings mit einer Infektion über die Luft? Kannst du dich mit dem Coronavirus anstecken, wenn jemand neben dir hustet, vielleicht sogar in einem geschlossenen Raum, und du diese Luft einatmest? Kann das Virus in der Luft "hängenbleiben"?

Ob man sich über den Luftweg anstecken kann, wurde noch nicht hinreichend erforscht. Bislang gibt es nur eine US-amerikanische Studie des Gesundheitsinstituts NIH. Die Forscher wiesen in einem Versuch nach, dass ein mit einem Zerstäuber versprühtes Virus sich bis zu drei Stunden in der Luft hält.

Die Ergebnisse der Corona-Studie lassen sich nicht ganz auf den Alltag übertragen

Allerdings geben die Forscher zu bedenken: Tröpfchen, die normalerweise beim Husten oder Niesen abgesetzt werden, sind schwerer und fallen schneller zu Boden, als die feinen Sprüh-Tröpfchen, die die Wissenschaftler erzeugten.

Hinzu kommt, dass es sich bei dem Versuch um eine Laborstudie handelt, sie wurde also nicht unter realen Bedingungen durchgeführt. Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Luftzirkulation könnten im normalen Alltag also dazu beitragen, dass das Virus schneller zu Boden fällt oder zeitnah zerfällt.

Auch Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité meint, die Ergebnisse der US-Studie seien mit Vorsicht zu genießen. Was die Fähigkeit des Virus, sich in der Luft zu halten, betrifft, sagt der Experte in seinem NDR-Podcast "Coronavirus-Update":

"Jemand hustet das Virus aus oder hat eine feuchte Aussprache – dann bleibt das Virus eine kleine Zeit vor und um diese Personen in der Luft und fällt dann aber auch relativ schnell zu Boden."

Ist der mit Viren besetzte Tropfen allerdings klein genug, um sich in der Luft zu halten, trocknet er relativ schnell aus, erklärt Drosten weiter. Und wenn das Virus nicht mehr von Flüssigkeit umgeben ist, trocknet es ebenfalls aus und stirbt.

In der Podcast-Folge vom Montag sagt Drosten außerdem, dass vor allem draußen eine Ansteckung über ausgeatmete Luft erschwert wird: "Wenn man draußen ist, verdünnt sich das, was man ausatmet und es verdünnt sich natürlich auch das Virus."

Über die Luft allein wirst du dich wahrscheinlich nicht anstecken

Wahrscheinlich wirst du dich also nicht mit Covid-19 anstecken, wenn du dieselbe Luft atmest, wie jemand, der positiv getestet wurde. Dazu hat Virologe Hendrik Streeck von der Uniklinik Bonn in Haushalten von Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, Luftproben entnommen. Bisher wurden zwölf Proben auf das Virus getestet, wie Streeck vergangenen Mittwoch bei "Stern TV" sagte. Demnach waren alle Proben negativ, sie enthielten keine Viren.

Da die mit Viren besetzten Tröpfchen infizierter Menschen allerdings mit dem Husten bis zu zwei Meter weit fliegen könnten, heißt es dennoch: Abstand halten, Kontakte meiden – und gründlich Hände waschen. Vor allem, bevor du dir ins Gesicht fasst oder etwas isst.

Zum Überblick: Die wichtigsten Telefonnummern zum Coronavirus

In den meisten Fällen verläuft eine Infektion mit dem Coronavirus milde. Solltest du Bedenken haben: Unter der 030 346 465 100 erreichst du das Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums.

Weitere wichtige Nummern:
116 117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst
115: Einheitliche Behördennummer
0800 011 77 22: Unabhängige Patientenberatung Deutschland

(ak)

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    Alle Leser-Kommentare
  • franz u 24.03.2020 16:41
    Highlight Highlight Das Coronavirus hat uns fest im Griff.Es ist ein Neues Virus das wir-unser Körper -nicht kennt .Desshalb kann es sich so schnell und ungehindert über die ganze Erde ausberiten-Pandemi-Bis wir eine wirksame Abwehr gefunden haben dauert es noch lange.Grippe-Influenza-Hat auch Millionen Todesopfer gefordert.Viren veändern sich laufend so wird es auch bei Corona sein.Eine schnelle Lösung gibt es nicht.Aber manche Epi-Pandemien verschwinden von selber.Wird uns Corone diesen Gefallen tun??

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