Unser Autor lernt Frauen häufig über Instagram statt über die klassischen Dating-Apps kennen (Symbolbild).
Unser Autor lernt Frauen häufig über Instagram statt über die klassischen Dating-Apps kennen (Symbolbild).Bild: iStockphoto / LightFieldStudios
Dating-Kolumne

Warum Instagram (k)eine neue Dating-Plattform ist

"He said, she said" – die Dating-Kolumne von watson
05.10.2021, 14:4820.05.2022, 10:24
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He said

Tinder, Bumble, OkCupid, Lovoo, OnlyOne, Once, Pickable – die Anzahl und Nutzer an Online-Dating-Apps ist spätestens seit Beginn der Corona-Krise vor eineinhalb Jahren in die Höhe geschossen. Natürlich hatte auch mich der Hype irgendwann gepackt und mir kann niemand erzählen, dass er nicht schon einmal ein Profil auf eine der Plattformen hatte oder zumindest kurzzeitig daran gedacht hat, sich dort anzumelden.

Einige meiner Single-Freunde sträuben sich dennoch bis heute, waren jedoch die ersten, die nach ein paar Bier selbstbewusst zu mir meinten: "Lass mich mal für dich Swipen. Ich find‘ die Richtige." Selbst meine vergebenen Freunde waren richtig aufgeregt, als sie eine der Dating-Apps auf meinem Smartphone sahen. Auch sie guckten mich irgendwann kurz an und fragten dann etwas verlegen. "Darf ich auch mal swipen?"

"Nicht nur andere Mütter haben hübsche Töchter, auch meine Freunde haben doch sicherlich hübsche Freundinnen."

Doch mit Dating-Apps ist es wie mit so vielen Freizeitaktivitäten – irgendwann wird’s einfach langweilig. Und wenn man wie ich nicht bereit ist, für Dating-Apps auch noch Geld auszugeben, dann ist der Spaß mit den Swipes auch irgendwann aufgebraucht. Um sich die Zeit aber sinnvoll und effektiv zu vertreiben, gibt es eine App, die gar nicht für das Dating gedacht war, aber immer mehr Leuten dient, andere Menschen kennenzulernen: Instagram.

bild: emmy lupin studio
Über die Autoren
Jeder von uns stand schon mal im Laufe seines Dating-Lebens vor der Frage: What the fuck?! Manchmal hilft einfach nur ein Perspektivwechsel – und den bekommen unsere Autorin und unser Autor von dem jeweils anderen serviert. Mal urkomisch, mal erbarmungslos ehrlich. Die Beiden sind Mitte und Ende 20, leben in Berlin und sind – zumindest meistens – gerne Single.

Einfach mal die Suchfunktion nutzen und schauen, was einem der Algorithmus so vorschlägt oder welche Personen es zu entdecken gibt. Instagram hat diese Funktion auch nicht umsonst. Dort werden einem dann Personen vorgeschlagen, die auch mit meinen Followern irgendwie befreundet sind. Nicht nur andere Mütter haben hübsche Töchter, auch meine Freunde haben doch sicherlich hübsche Freundinnen.

Sehen die Bilder auf dem Profil interessant aus, werden kurzerhand drei Likes verteilt. Sollte die auserwählte potenzielle Herzensdame dann auch Bilder von mir mit einem Herz markieren, gleicht das eigentlich schon einem Match bei einer Dating-App – also zumindest für mich. Frei nach dem Motto: Wenn sie mein Bild liked, muss auch Interesse auf mehr bestehen.

Um aber ganz auf Nummer sicher zu gehen, folgt nach dem Liken die nächste Stufe: die Person abonnieren. Schließlich soll meine anschließende Nachricht auch ankommen. Man will seinen zukünftigen Kindern ja nicht erzählen, dass man erst monatelang im Anfragen-Ordner seiner Mutter hing, bevor sie die Nachricht zwischen ihren Spamnachrichten an einem langweiligen Abend entdeckte. Einer meiner Freunde fasste es so zusammen: Liken + Folgen ⇾ Sie folgt dir ⇾ DM ⇾ Sex.

Über Instagram werden Gesprächsthemen auf dem Silbertablett serviert

Denn Instagram bietet einen so viel größeren Vorteil als alle anderen Dating-Apps. Schluss mit langweiligen Fragen, wie denn das Wochenende oder der Tag so war, weil das Profil auf der Dating-Plattform einfach nicht viele Infos hergibt. Nicht umsonst schreiben zahlreiche User bei Tinder und Bumble ihren Instagram-Namen in ihre Beschreibung.

"Gespeicherte Story-Highlights der letzten Urlaube, Partyabende oder Konzerte – auf den Profilen lassen sich so viele Anknüpfungspunkte finden."

Die Icebreaker-Themen für die erste Nachricht, um ein Gespräch humorvoll zu eröffnen, werden einem dort auf dem Profil-Silbertablett serviert. Gespeicherte Story-Highlights der letzten Urlaube, Partyabende oder Konzerte – auf den Profilen lassen sich so viele Anknüpfungspunkte finden. Doch gerade hier ist besondere Ausdauer gefragt. Boomerangs von anstoßenden Gläsern oder Fotos von Essen (die Königsdisziplin auf jedem Profil einer Frau) können ziemlich ermüdend sein. Aber was tut man nicht alles.

Aber inzwischen wissen auch unsere Eltern, was Tinder und Co. sind. Und so hört es sich doch direkt viel besser an, wenn man seinen Eltern nicht erklären muss, dass man seine neue Freundin genau dort kennengelernt hat, sondern einfach sagen kann: Instagram. Wie das zustande gekommen ist, wird niemand hinterfragen.

She said

Auch ich habe die volle Bandbreite der Dating-Apps schon ausprobiert – Instagram war da jedoch nicht dabei. Ganz im Gegenteil: Ich finde es extrem nervig, wenn mir ein Unbekannter auf meine Story mit Flammen antwortet. Denn Flammen – und das weiß mittlerweile jede Frau – gehören zum guten Ton eines jeden Fuckboys. Und von denen habe ich schon auf den ganzen anderen Plattformen die Schnauze voll. Da möchte ich die nicht auch noch in meine DMs sliden sehen.

Ich bin eher irritiert als geschmeichelt, wenn ein Fremder aus dem Nichts plötzlich meine Bilder liked – meist dann auch noch zu einer unsäglichen Uhrzeit. Da stellt sich mir eher die Frage, ob er arbeitslos ist oder ernste Schlafstörungen hat. Warum sonst sollte er nachts um zwei auf meinem Profil rumlungern?

"Flammen – und das weiß mittlerweile jede Frau – gehören zum guten Ton eines jeden Fuckboys."

Wenn ich mir die letzten Nachrichten von unbekannten Typen anschaue, dann kann ich dem überhaupt nicht zustimmen: "Na, du Süße?" ist da noch die absolut harmloseste Variante aller Nachrichten. Ich gebe zu, wenn ich mal eine nette Nachricht bekomme, dann antworte ich auch darauf. Allerdings werden auch die meist schnell ekelhaft.

In meinen Augen gibt es genau drei Typen von Männern auf Instagram:

  • Die, die auf jede Story mit Flammen und Herzen reagieren, jedoch nie ein Wort schreiben.
  • Die, die auf jede Story und jedes Bild mit einer Nachricht reagieren und niemals aufgeben, obwohl du ihnen noch nie geantwortet hast.
  • Die, die anfangs harmlos eine Frage stellen und dann aus dem Nichts widerlich werden.

Für mich kommt Instagram für potenzielle Dates also eher nicht infrage – und übrigens auch für die meisten Frauen, die ich kenne, nicht. Ich glaube, dass ich mich auch nicht eines Besseren belehren lassen möchte – und lerne lieber meine Männer auf die gute altmodische Art kennen: betrunken an der Bar.

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