Wenn das Bett auf einmal doch sehr leer erscheint.
Wenn das Bett auf einmal doch sehr leer erscheint.Bild: iStockphoto / YakobchukOlena
Dating-Kolumne

Nach den Feiertagen kickt die Einsamkeit – warum das Single-Dasein auf einmal nur noch belastend ist

"He said, she said" – die Dating-Kolumne von watson
01.02.2022, 10:4620.05.2022, 10:18

She said:

Das ganze Jahr über bin ich eigentlich gerne Single. Denn ich vermisse nichts, was nicht da ist. Selbst der Dezember mit all seinem Weihnachtstrubel und dem ganzen "Fest der Liebe"-Geschwafel wirft mich nicht aus der Bahn. Ganz im Gegenteil: Ich liebe die Feiertage, freue mich auf die Familie, die Geschenke, die Weihachts-Dinner mit meinen Freunden und habe auch überhaupt keine Zeit darüber nachzudenken, ob mir überhaupt ein Mann an meiner Seite fehlt.

Selbst wenn an Heiligabend die ganze Familie versammelt ist und mich meine Tanten und Omas mit ihren Fragen nerven, ob ich denn mittlerweile einen "netten jungen Mann" kennengelernt habe, bleibe ich gelassen. Machen wir uns nichts vor: Es wird kein "netter junger Mann" in mein Leben treten – das hört sich angesichts meines Alters ja auch schon irgendwie verboten und strafbar an. Es wird wohl eher ein netter Mittdreißiger – irgendwann.

"Während man sich im Dezember noch auf einen Glühwein freut und die Kälte Teil der Feiertagsstimmung ist, sind Minusgrade im Januar einfach nur noch widerlich."

Ich verstehe, dass die Feiertage für Menschen, die gerne einen Partner hätten, anstrengend und belastend sein können. Für mich ist der Dezember aber der reinste Spaziergang. Ich suche Geschenke aus, backe und fahre am Ende des Jahres nach Hause. In den fünf Tagen treffe ich alle alten Freunde wieder, betrinke mich ordentlich und tausche Dorf-Gossip aus. Und schließlich fahre ich, glücklich darüber, dass ich dort nicht mehr lebe, wieder zurück in meine Altbauwohnung in der Großstadt und freue mich auf Silvester. Keine Spur von Single-Blues bis dahin. Doch dann sind die Feiertage vorbei.

null / Emmy Lupin
Über die Autoren
Jeder von uns stand schon mal im Laufe seines Dating-Lebens vor der Frage: What the fuck?! Manchmal hilft einfach nur ein Perspektivwechsel – und den bekommen unsere Autorin und unser Autor von dem jeweils anderen serviert. Mal urkomisch, mal erbarmungslos ehrlich. Die Beiden sind Mitte und Ende 20, leben in Berlin und sind – zumindest meistens – gerne Single.

Schluss mit dem Trubel der letzten Wochen, vorbei die Familien-Besuche und auch auf Alkohol hat man nach drei Wochen Dauerbesäufnis keinen Bock mehr. Und das Schlimmste: Alle Menschen, mit denen man sich die letzten Wochen umgeben hat, kommen in exakt die gleiche Stimmung.

Während man sich im Dezember noch auf einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt freut und die Kälte noch Teil der Feiertagsstimmung ist, sind Minusgrade im Januar einfach nur noch widerlich. Das Wetter ist mies, der Urlaub ist vorbei und auch die Arbeit nervt.

Pärchen vergraben sich Zuhause und Singles sind mindestens genauso mies drauf

Meine Freundinnen vergraben sich mit ihren Männern Zuhause und schauen all die Netflix-Serien, zu denen sie im Dezember nicht gekommen sind. Plötzlich ist es gar nicht mehr so lustig, Single zu sein – und der After-Feiertags-Blues kickt dann richtig.

Und all die Singles in meinem Freundeskreis? Die sind mindestens genauso mies gelaunt wie ich. Wenn man sich dann Abends verabredet, ist das ein Drama in drei Akten – mühevoll fertigmachen, Alkohol trinken und jammern und anschließend betrunken in ein Uber steigen und ins Bett fallen.

"Was für ein schöner Gedanke es doch ist, seine schlechte Laune mit jemandem zu teilen."

Es ist tatsächlich die einzige Zeit des Jahres, in der mich mein Single-Leben wirklich nervt – ja sogar fast belastet. Denn ich stelle mir vor, wie meine Pärchen-Freunde gemeinsam auf der Couch liegen, sich nicht auf eine Serie einigen können, dann anfangen zu streiten und schließlich schmollend und schweigend den Fernseher anstarren, bis es Zeit wird, ins Bett zu gehen. Und selbst darauf bin ich neidisch. Was für ein schöner Gedanke es doch ist, seine schlechte Laune mit jemandem zu teilen.

He said:

Wenig Sonne, grauer Himmel, kurze Tage und Minusgrade – der Januar lädt wirklich dazu ein, mein komplettes Single-Leben komplett zu überdenken.

Das führte sogar so weit, dass ich mich an einem verkaterten Sonntag wieder dazu entschieden habe, mich auf einer Dating-App anzumelden. Seit April hatte ich dem Quatsch auf diesen Plattformen eigentlich abgeschworen. Irgendwas muss am Spruch "Neues Jahr, neues Glück" ja dran sein.

Nun also liege ich auf meiner Couch, swipe nach rechts und swipe nach links, verteile ein paar Likes auf Instagram und schaue durch meine Chatverläufe, bei wem ich mich mal wieder melden könnte.

Aber irgendwie merke ich schnell, dass es auch nicht das Wahre ist. Alte Kontakte wieder aufzuwärmen ist auch nur unnötiger Zeitvertreib bis es wieder Frühling wird, ich am Wochenende draußen unterwegs sein kann und immer irgendwie, irgendwen kennenlerne oder treffe. Daher habe ich die Nummer mit den Dating-Apps jetzt auch endgültig zu den Akten gelegt.

Gute Laune statt jammern

Anders als bei meiner Co-Autorin wirkt sich das jedoch weder auf meine Stimmung, noch auf die meiner Single-Freunde aus. Gejammert wird nicht, denn davon tritt auch keine Frau plötzlich in mein Leben. Stattdessen planen wir die kommenden Monate mit Urlaub, Ausflügen und Konzerten. Da kann gar keine miese Laune aufkommen. Es ist gerade nicht angenehm, aber der Sommer wird spitze!

Meine befreundeten Pärchen hatte ich irgendwie schon vor der Weihnachtszeit "verloren". Adventskaffee hier, Weihnachtsessen bei den Eltern, 1. Feiertag bei den Schwiegereltern, 2. Feiertag in großer Runde mit der eigenen Familie und was weiß ich welche Konstellationen es noch gibt.

Die Freude, sie dann nach einem Monat mal wiederzusehen, ist natürlich groß. Und natürlich freue ich mich, wenn sie von ihren chaotischen oder witzigen Weihnachtserlebnisse erzählen. Aber irgendwo bin ich auch ganz glücklich, dass ich diesen Marathon an Terminen einfach nicht hatte.

Stattdessen hatte ich viele Verabredungen mit meinem Netflix-Account und war ganz froh, nicht darüber diskutieren zu müssen, was jetzt geguckt wird.

Und so lang ist es ja auch nicht mehr hin, bis die warmen Monate beginnen.

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