Saif und seine Familie verlassen seit zwei Monaten kaum mehr die Wohnung.
Saif und seine Familie verlassen seit zwei Monaten kaum mehr die Wohnung.Bild: iStock / Getty Images Plus / Canberk Sezer
Der Zeuge

Afghanische Ortskraft steckt noch immer in Kabul fest: "Wir leben Zuhause wie im Gefängnis"

20.10.2021, 19:3220.10.2021, 19:45

Während sich die Nachrichtenwelt in der Bundesrepublik um Corona und die Bildung einer neuen Bundesregierung dreht, fühlen sich viele Menschen in Afghanistan von Deutschland und vom Westen gänzlich vergessen.

So auch Saif (Name geändert), der immer noch in Kabul festsitzt – und das, obwohl er 15 Jahre lang für Deutschland arbeitete. Watson ist seit Monaten mit dem Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Kontakt, der seit der Machtübernahme der Taliban hofft, evakuiert zu werden. Das geschah jedoch bis heute nicht und für Saif wird die Situation immer gefährlicher.

Monatelanges Ausharren in Todesangst

"Meine Frau, meine Kinder und ich sind immer noch in Kabul", berichtet er im Gespräch mit watson. "Wir leben in Panik und Angespanntheit. Glauben Sie mir, wir sind in einer sehr schlechten Verfassung und haben Angst um unsere Sicherheit."

Nachdem die westlichen Truppen Ende August fluchtartig abzogen und die Taliban seither wieder an der Macht sind, fürchten sich viele Ortskräfte westlicher Organisationen, wie Saif, vor brutalen Vergeltungsaktionen durch die Islamisten und gehen schon seit Wochen nicht mehr vor die Tür.

"Ich habe Angst, wenn es Nacht wird. Ich habe Angst, wenn es an der Tür klingelt."

"Mein Zuhause ist nichts weiter mehr als ein Gefängnis für uns", so der Afghane. "Ich erlaube meinen Kindern nicht mehr zur Schule zu gehen, weil das zu gefährlich wäre." Wahllos hätten Taliban vor einigen Wochen Jugendliche von der Straße entführt, um sie in den Norden des Landes zu bringen, wo sie gegen die Rebellen im Panjshir-Tal hätten kämpfen müssen, berichtete Saif. Er hat Angst, seinen Kindern könnte das Gleiche passieren.

Auch hätte es bereits Racheaktionen an Familien von anderen Ortskräften in der Nachbarschaft gegeben, sagt Saif. Er habe vom Wohnzimmer aus Schüsse gehört, Schreie und durchs Fenster gesehen, wie Angehörige von Ortskräften durch Taliban festgenommen wurden. "Ich habe Angst, wenn es Nacht wird. Ich habe Angst, wenn es an der Tür klingelt", so Saif.

Saif fragt: Warum wurden andere evakuiert, wir aber nicht?

Das einzige Mittel gegen seine Angst ist die Hoffnung darauf, dass die deutsche Regierung ihre Ortskräfte doch noch evakuieren wird, so wie sie es zugesagt hat. Saif hat einen bestehenden Vertrag mit dem GIZ und inzwischen sogar die Bestätigung für ein Visa durch das Innenministerium und das Auswärtige Amt. Wann und ob es für ihn aber zur Ausreise kommt, weiß er nicht. Ständig gebe es ein neues Problem.

Entwicklungsministerium zu den Ortskräften: Abwarten und Vertrauen

Als die Bundeswehr im August noch da war, wurde ihm geraten, daheim zu warten und nicht zum Flughafen zu fahren. Im September hieß es, es fehlten wichtige Dokumente. Saif sollte sich neue Geburts- und Heiratsurkunden beschaffen. Nun, im Oktober, sind alle Papiere beisammen, doch es gebe diplomatische Probleme mit Pakistan, die die Evakuierungen erschweren, wurde ihm mitgeteilt.

"Wir sehen, wie jede Woche Afghanen ausgeflogen werden, aber wir, die wir jahrelang Seite an Seite mit Deutschland gearbeitet haben, sind nie darunter", klagt er an. Gerade weil er sieht, wie Menschen durchaus das Land verlassen, fühlt er sich zunehmend hingehalten. "Wir haben mit all unserer Kraft und mit unserem Einsatz jahrelang für die deutsche Regierung und unsere internationalen Partner für Afghanistan gearbeitet, in guten wie in schlechten Zeiten."

Ministerien halten sich zu ihren Evakuierungs-Plänen bedeckt

Auf watson-Anfrage gibt ein Sprecher des Auswärtigen Amtes an, dass die Evakuierungen derzeit schlecht planbar seien: "Wir bemühen uns mit Hochdruck darum, weitere Ausreisemöglichkeiten für Deutsche, Ortskräfte und besonders Schutzbedürftige sowohl auf dem Land- als auch auf dem Luftweg zu schaffen", man stehe hierfür fortwährend im Austausch mit den Nachbarländern Afghanistans.

Seit Ende August seien so bereits 1.300 Personen aus dem Land ausgereist, jedoch sei die Situation weiter "volatil": "Einreisebedingungen können sich kurzfristig und ohne Vorankündigung ändern", so der Sprecher. "Insofern geben wir keine Prognosen zu Reisemöglichkeiten ab, sondern kontaktieren Betroffene direkt, sobald sich Reisemöglichkeiten ergeben."

Beim GIZ, Saifs Arbeitsgeber, verweist man in diesen Fragen auf das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMI), sie selbst hätten mit der Evakuierung ihrer Mitarbeiter nichts zu tun. Doch auch beim BMI klingt es so, als ob Menschen wie Saif momentan nichts tun könnten als: Abwarten und Vertrauen.

Die Sicherheit der lokalen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen habe "oberste Priorität", daher könne nichts über die Anzahl der verbliebenen Ortskräfte oder mögliche Ausreisepläne genannt werden, so ein BMI-Sprecher gegenüber watson. Man arbeite aber "kontinuierlich daran, die Ausreise von Ortskräften mit ihren Familienangehörigen aus Afghanistan über Drittstatten nach Deutschland zu ermöglichen. Hierbei prüfen wir sowohl Optionen für die Ausreise auf dem Landweg wie auch per Flugzeug", so der Sprecher weiter.

Das Vertrauen in Deutschland ist erschüttert

Das Vertrauen, an das die deutschen Regierungsstellen appellieren, ist zumindest bei Saif bereits schwer verletzt.

"Ich bin geschockt, enttäuscht und auch wütend. Was sonst soll man fühlen, wenn eine Institution, für die man jahrelang einsteht, einen in den schwierigen Tagen alleine lässt?"

Er könne nicht mehr warten. Nicht nur weil die Rache der Taliban jederzeit droht, sondern auch, weil sein Arbeitsvertrag in wenigen Wochen ausläuft und er dann nicht mehr weiß, wie er seine Familie ernähren soll. "Soll ich unter diesen Umständen in Afghanistan arbeiten?", fragt er ungläubig.

Für ihn gibt es nur die Option Ausreise. Und zwar schnell, denn jeder Tag unter den Taliban sei für seine Familie lebensgefährlich. "Sie haben sich nicht geändert", sagt er. "Wir können hier kaum mehr frei atmen." Er wünscht sich, dass bald, ganz bald, sein Handy klingelt und ihm endlich konkret gesagt wird, was er tun muss, um sein Heimatland verlassen zu können. "Ich möchte, dass meine Kinder wenigstens eine Chance haben", so der Familienvater.

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