Leben
Lidl-Filiale in Deutz gesehen von der Stra

Der Discounter Lidl versucht, seine Kunden per App an sich zu binden. Bild: www.imago-images.de / Christoph Hardt

Neuer Lidl-Vorstoß begeistert Kunden – doch Experten warnen davor

"Hast du gewusst, dass dein Gesicht dir deinen persönlichen Vitamin-Mix verrät? Probier's gleich aus mit dem Mein Omüse Scan", schreibt Lidl auf seiner Facebook-Seite. Mit angeblicher Künstlicher Intelligenz analysiert Lidl über das Smartphone die Gesichter der Nutzer und zeigt dann, welches Omüse, also welche Mischung aus Obst und Gemüse, zu ihnen passt.

Um dabei mitzumachen, müssen die Nutzer bei der Einverständniserklärung zwei Häkchen setzen und den Zugriff auf die Kamera erlauben. Die vermeintliche Künstliche Intelligenz vermisst dann das Gesicht, zählt die Wimpern und analysiert die Wangenknochen. Über dem Bild des Gesichts erscheint währenddessen eine Maske, die den Fortschritt des Prozesses veranschaulicht.

Papricujaree und Bohbroccanas

Dann wird das Ergebnis der Analyse angezeigt. Lidl nennt den Nutzern das Omüse, das jeweils individuell zum Gesicht passen soll. Es Mischungen wie Papricujaree (Paprika, Maracuja, Porree), Tomangoccoli (Tomate, Mango, Brokkoli) oder Bohbroccanas (Bohnen, Brokkoli, Ananas). Zusätzlich bekommen die Nutzer weitere Informationen zu den jeweiligen Produkten.

Tomangoccoli soll beispielsweise das Hirn auf Hochtouren bringen, wie Lidl schreibt. Die B-Vitamine der Tomate seien gut für die Konzentration, Mango schützt mit Folsäure, Vitamin C und E vor Alterungsprozessen und Brokkoli wirkt antioxidativ.

Auf Instagram hat die "Papspirne" zwar inzwischen knapp 18.000 Likes und einige lachende Smileys bekommen, aber es gibt auch kritische Kommentare. "Klar, ich lasse mein Gesicht bei Lidl scannen. Das ist dann etwas zu viel des Guten", schreibt eine Nutzerin beispielsweise auf Facebook.

Omüse möglicherweise nur als Vorwand

Laut der "Lebensmittel-Zeitung" ist das aber gar keine echte Künstliche Intelligenz. Lidl könnte demnach aber mit der Aktion verfolgen, wie viele Nutzer über die Instagram- und Facebook-Seite auf die Omüse-Plattform gelangen und anschließend anklicken, dass sie die Datenschutzhinweise gelesen haben und der Verarbeitung der Daten durch Lidl zustimmen.

Dies könnte Lidl wichtige Informationen liefern und dem Discounter zeigen, wie viele Menschen dazu bereit sind, solch ein Vorgehen zu akzeptieren. Denn: Erst vor einigen Monaten startete Lidl seine App zur digitalen Kundenbindung. Auch hier werden laut "Lebensmittel-Zeitung" Kundendaten gegen einen Mehrwert getauscht.

In erster Linie soll das lustige Omüse natürlich ein Scherz sein. Es könne laut Experten aber auch erste Hinweise dafür liefern, ob sich ein digitaler Ausbau in Deutschland für Lidl lohnen würde und wie die eher junge Zielgruppe zum Thema Datenschutz steht, schreibt das Portal weiter.

(pas)

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