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The Affair

Bild: Amazon Prime Video

Unterschätzte Serien: 5 Gründe, warum "The Affair" in deine Watchlist gehört

Elisabeth Kochan
Elisabeth Kochan

Irgendwelche Süchte haben wir alle. Aber nur eine davon ist wirklich gesellschaftlich akzeptabel: die Seriensucht.

Ob du nun selbst zahlender Kunde bei Netflix, Amazon Prime und Co. bist, oder dich lediglich bei jemandem durchschnorrst – die Seriensucht lässt sich heutzutage sehr leicht befriedigen.

Aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem du nicht mehr weiter weißt. Dein Stoff ist verbraucht – du hattest dich so gefreut, eine Serie mit +5 Staffeln gefunden zu haben, aber jetzt hast du auch die durchgeguckt. Was nun? Die aktuellen Trend-Serien, über die jeder, wirklich jeder redet – "Game of Thrones" lässt grüßen –, kennst du schon in- und auswendig. Ein schwarzes Loch tut sich vor dir auf. Doch die Rettung naht!

An dieser Stelle liefern wir dir Inspiration: Richtig gute Serien, die leider viel zu wenige Leute kennen. Diesmal...

"The Affair" mit Ruth Wilson und Dominic West

Stoff: 4 Staffeln mit je 10-12 Episoden à 50-60 Minuten; eine 5. und letzte Staffel folgt

Für Fans von: "Mad Men", "The Good Wife", "Desperate Housewives", "Big Little Lies"

Hier kannst du es sehen: Amazon Prime; Staffel 1-3 kostenpflichtig auf iTunes

Kurz und knapp: Worum geht's?

Der erfolglose Autor und unglückliche Familienvater Noah (Dominic West) besucht für den Sommer mit seiner Frau und seinen vier Kindern seine Schwiegereltern im Strand-Örtchen Montauk, New York. Dort lernt er die ebenfalls verheiratete Alison (Ruth Wilson) kennen, die seit dem Tod ihres kleinen Sohnes nicht mehr weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll.

Der Anfang vom Ende:

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Bild: Giphy

Noah und Alison beginnen eine Affäre, die nicht nur ihre eigene, sondern auch die Welt ihrer Familien völlig auf den Kopf stellt und schließlich sogar jemanden das Leben kostet.

So sieht der Trailer dazu aus:

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Video: YouTube/Prime Video DE

Wer jetzt aber denkt: "Laaangweilig, schon wieder so eine öde Romanze..."

... liegt definitiv falsch. Denn von dem Moment an, als Noah und Alison einander begegnen, geht es für die beiden eben nicht direkt ab auf Wolke Sieben, sondern radikal bergab. Und wieso genau das die Serie so sehenswert macht, erklären wir dir jetzt – in fünf Argumenten.

Wir sehen die Welt durch mehrere Augenpaare.

Das wirklich Besondere an "The Affair": Wir erleben die der Serie ihren Titel gebende Affäre nicht nur aus Noahs oder Alisons Perspektive, sondern aus beiden – und mit jeder Staffel kommen mehr Perspektiven hinzu. 

Jede Episode ist in zwei Teile aufgegliedert; ein Teil lässt uns an Alisons Alltag teilhaben, der andere an Noahs. Besonders interessant wird es aber, wenn beide Charaktere aufeinandertreffen – denn dann erleben wir dieselbe Szene zweimal, jedoch in unterschiedlicher, weil subjektiver, Fassung. 

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Bild: Giphy

So kommt es beispielsweise, dass Alison in Noahs Erinnerung (denn das Ganze ist ein Rückblick – dazu gleich mehr) deutlich forscher und aufreizender an ihn herangeht als in ihrer Variante der Geschichte, in der Alison nämlich stattdessen Noah als denjenigen betrachtet, der die Affäre initiiert hat.

Immer langsam mit den jungen Pferden, Noah.

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Bild: Giphy

Der Perspektivenwechsel lässt den Zuschauer manchmal ratlos zurück – aber auf eine gute Art. Wir bekommen zwei Versionen derselben Haupthandlung serviert und entscheiden selbst, wem wir Glauben schenken. Und dieser Glauben ist entscheidend, denn die Geschichte der Affäre zwischen Alison und Noah wird eingerahmt von einer Mordermittlung, zu der Alison und Noah Jahre später aussagen müssen, weswegen sie auf die Anfänge ihrer Beziehung zurückblicken. Die waren alles andere als romantisch – und das ist eine weitere Stärke von "The Affair":

Hier wird nichts verherrlicht.

Wer selbst aus zerrütteten Familienverhältnissen kommt, wird beim Konzept der Serie vielleicht erst einmal die Nase rümpfen: Eine Affäre, die nicht nur eine, sondern gleich zwei Ehen und Familien bedroht – und das soll unterhaltsam sein?

Ja. Denn "The Affair" konzentriert sich eben nicht nur auf die unter einem schlechten Stern stehende Liebe zwischen Noah und Alison und auf die Leidenschaft ihrer Beziehung (wir reden hier von sehr vielen Sexszenen, nur mal so nebenbei), sondern auch auf die anderen Parteien in diesem Chaos – allen voran Helen (Maura Tierney), Noahs Frau, und Cole (Joshua Jackson), Alisons Mann, die – und so viel wollen wir ruhig verraten – ab der zweiten Staffel selbst zu Hauptcharakteren werden und uns aus ihren Perspektiven die Handlung miterleben lassen.

Gestatten: Helen.

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Bild: Giphy

Helen wirkt erst wie eine echte Powerfrau, die ihrem teils ziemlich wehleidigen Mann auch mal ordentlich Kontra gibt. Als dann jedoch allmählich klar wird, dass Noah auch außerehelich unterwegs ist, ist sie auf einmal gar nicht mehr so taff.

Und den hier haben wir auch noch: Cole.

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Bild: Giphy

Wer jetzt überlegt, hmm, den kenne ich doch, hatte in den Nullerjahren offensichtlich guten Seriengeschmack: Yes, das ist Pacey aus "Dawson's Creek". Hier schlüpft Joshua Jackson allerdings in eine düsterere Rolle: Cole hat nämlich nicht nur, wie seine Frau, mit dem Tod seines Kindes zu kämpfen, sondern plötzlich auch noch mit Alisons Seitensprung.

Und während der Zuschauer Alison und Noah einerseits ja irgendwie alles Glück der Welt wünscht – schließlich ermöglichen sie es einander, ihren unglücklichen Leben zu entkommen (was in Noahs Fall nicht ganz nachvollziehbar ist), leidet man eben doch stark mit Cole und Helen mit. Und weil Noahs und Alisons Affäre so viele Kollateralschäden hinterlässt, sorgt die Serie nicht dafür, dass man selbst Lust auf ein kleines romantisches Abenteuer bekommt – sondern wirkt eher als abschreckendes Beispiel.

Und ihr ahnt es schon:

SO. VIELE. GEFÜHLE.

"The Affair" ist nicht einfach bloß ein Liebes- und Familiendrama, sondern auch ein Krimi – und später sogar ein Psychothriller (ohne Witz). Man spürt die Schmetterlinge im Bauch, während Alison und Noah allmählich begreifen, dass es zwischen ihnen gefährlich intim wird; man weint mit, wenn Alison und Cole nach und nach verraten, wie ihr Kind sterben konnte; man beginnt, an der wahren Liebe zu zweifeln, als beide Ehen zu bröckeln beginnen; und letztlich will man auch wissen, wie es dazu kommen konnte, dass Alison und Noah im friedlichen Montauk in einen Mord verwickelt werden konnten.

Was für ein Chaos. Taschentücher sind Pflicht.

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Bild: Giphy

Die Serie ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle – nicht nur für Noah und Alison, die für ihre zerstörerisch leidenschaftliche Beziehung über Leichen gehen, sondern vor allen Dingen für uns, die Zuschauer. So etwas schafft kaum eine Serie, ohne ins Unrealistische, Seifenoper-ige abzudriften. Jede Emotion, die die Charaktere durchleben, machen wir mit – was sicher vor allem den grandiosen Schauspielern anzurechnen ist.

Her mit den Filmpreisen!

Drei Golden Globes sprechen eine deutliche Sprache: Diese Serie kann was. Ruth Wilson (Alison) und Maura Tierney (Helen) sahnten jeweils einen Golden Globe für ihre Darstellung ab. Vermutlich hast du alle schon gesehen – wetten?

Hier die vier Hauptdarsteller:

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Joshua Jackson, Maura Tierney, Ruth Wilson und Dominic West. Bild: Michael Loccisano/Getty Images

Dominic West (Noah) war sechs Jahre lang in der Serie "The Wire" zu sehen und (Fun Fact!) hatte schon 1999 eine klitzekleine Gastrolle in "Star Wars Episode I – Eine dunkle Bedrohung" als Palastwache. Maura Tierney (Helen) spielte zehn Jahre lang in "Emergency Room" mit und hatte in "The Good Wife" eine Nebenrolle über mehrere Episoden hinweg. Und Ruth Wilson (Alison) kennst du eventuell aus der Serie "Luther" oder aus dem Johnny-Depp-Film "The Lone Ranger".

Du siehst also: Diese Leute wissen, was sie vor der Kamera tun. Und glaub' uns einfach, wenn wir dir sagen, dass sie ihren Job in "The Affair" wirklich erstklassig machen.

Die unvermeidliche Serienkurve lässt hier noch auf sich warten.

Wie vielen Serien haben wir schon nachgetrauert – selbst während sie noch liefen? Denn Fakt ist leider, dass gefühlt 90% aller Serien längst nach ihrem Höhepunkt noch künstlich am Leben erhalten werden (man sollte keiner Serie trauen, die mehr als fünf, sechs Staffeln hat). Irgendwann ist eine Geschichte einfach auserzählt. Diesen Zeitpunkt hat "The Affair" aber glücklicherweise noch nicht überschritten, und das nach vier Staffeln.

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Bild: Giphy

So viel können wir verraten: Die erste und zweite Staffel befassen sich mit dem Mordfall, dessen Vorgeschichte die Rückblicke einrahmt. Aber danach ist noch nicht Schluss, und Staffel 3 setzt einige Jahre später wieder ein – und fährt so düster fort, dass man meint, eine ganz andere Serie zu schauen.

Noah ist zu diesem Zeitpunkt ein erfolgreicher Autor geworden – zu einem großen Teil dank Alison –, doch der Ruhm steigt ihm äußerst unsympathisch zu Kopf, und wer jetzt noch von sich behaupten kann, diesen Hauptcharakter leiden zu können, hat scheinbar nur mit einem Auge zugesehen. Alison hat währenddessen immer mehr mit den Dämonen ihrer Vergangenheit zu kämpfen und findet sich erneut in einer unglücklichen Beziehung wieder. Helen und Cole, die Überreste einst funktionierender Ehen, haben auch Jahre nach der Affäre ihrer Partner mit den Nachwirkungen zu kämpfen – und flüchten sich nicht nur in andere Arme, sondern auch in Drogen und Alkohol.

Die dritte und vierte Staffel kommen aus emotionaler Sicht vielleicht nicht an die ersten beiden heran, bringen aber so viel (Psycho-)Thrill mit, dass man dennoch nicht ausschalten will. Und während dieser Staffeln schafft es "The Affair" weiterhin, sein Zwei-Perspektiven-Format so einzusetzen, dass durch die Sprünge zwischen den Charakteren Wissenslücken entstehen, die das Ganze umso spannender machen. Staffel 4 erreicht dann nochmal einen besonders tragischen Höhepunkt – und dadurch, dass die kommende fünfte Staffel die letzte sein soll, wissen wir, dass zumindest diese Serie nicht auf Teufel komm raus auf +10 Staffeln gestreckt werden soll.

Wir freuen uns jetzt schon auf Staffel 5 – und wie sieht's bei euch aus, werdet ihr euch die Serie mal ansehen?

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