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Fragen der Liebe

Dating: Raucher oder Fleischesser – ist es okay, jemanden deshalb zu canceln?

Young woman eating burger in restaurant
Manch einem vergeht die Lust auf einen Kuss, sobald das Date in den Burger beißt. Bild: iStockphoto / Astarot
Fragen der Liebe

Ob Raucher oder Fleischesser: Ist es okay, ein Date nur deshalb auszusortieren?

05.03.2023, 08:42
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Wer datet, hat vielleicht selbst schon einmal die Erfahrung gemacht: Es gibt einfach Dealbreaker, bei denen jede Lust auf das Gegenüber sofort verpufft. Da hat man sich eben noch verknallt über den Tisch zugeprostet und plötzlich fällt ein rassistischer Witz oder der süße Labrador am Nachbartisch wird als "dreckige Töle" bezeichnet. Schlagartig segelt die Idee von einer gemeinsamen Zukunft, selbst die von einer gemeinsamen Nacht, davon ...

In manchen Fällen ist das Ende der Zuneigung eindeutig. Doch es gibt auch Eigenarten, die für viele vollkommen akzeptabel scheinen, andere aber doch irgendwie irritieren: Ein Figuren-Sammelwahn, eine Sportmuffeligkeit, eine Partyzigarette – was für den einen gar kein Problem darstellt, kann für den anderen ein großer Abturner sein.

Doch wie schnell sollten wir damit sein, andere Menschen beim Dating auszusortieren, weil uns eine Angewohnheit stört? Wie viel Gegensatz zieht sich noch an und ab wann wird es nur noch unangenehm? Wir fragten bei Ulrike Scheuermann nach.

Ulrike Scheuermann
Ulrike Scheuermann weiß bei den Fragen der Liebe immer einen Rat.Bild: privat / Christian Hesselmann

Sie ist Diplom-Psychologin, Emotionscoach und Buchautorin. In ihrer esencia Akademie bietet sie psychologische Seminare und Ausbildungen an. Nach ihrem Medizin- und Psychologiestudium hat sie vor 25 Jahren den Berliner Krisendienst mit aufgebaut und dort zehn Jahre gearbeitet.

"Nicht geteilte Vorlieben können Asympathie auslösen und dann sollte man sich zu nichts zwingen."
Ulrike Scheuermann

Was hat für dich Priorität: Das Date oder deine Ideale?

In Sachen Dealbreaker rät sie zu Einzelfallentscheidungen. "Es kommt darauf an, wie wichtig einem die Sache in Relation zur Beziehung ist", sagt Ulrike Scheuermann. Dahinter stecken zwei Fragen, die man sich beantworten sollte: Wie gerne bist du mit diesem Menschen zusammen? Und wie wichtig ist dir das Thema, dass dich stört? Die Psychologin:

"Denkst du ständig an gequälte Tiere, wenn du jemanden Fleischessen siehst? Wird dir übel, wenn jemand nach Zigarettenrauch riecht?"

Es nütze nichts, dranzubleiben, wenn der Störfaktor einen so richtig abturnt. Denn wenn der oder die Partner:in jedes Wochenende volltrunken nach dem Clubbing ins Bett fällt und das Gegenüber nichts mehr hasst als Lärm und Alkohol, ist Krach vorprogrammiert. Zumindest, wenn sich kein Kompromiss finden lässt. "Nicht geteilte Vorlieben können Asympathie auslösen und dann sollte man sich zu nichts zwingen oder sich dafür verurteilen", sagt Scheuermann.

Perfekte Partner:innen gibt es nicht

Mit einer Einschränkung: Wenn jedes infrage kommende Date wegen eines vermeintlichen Fehlers aussortiert wird, man immer auf der Suche nach dem Haar in der Suppe ist, lügt man sich vielleicht in die eigene Tasche und sucht nur eine Ausflucht. "Ich weiß nun mal, was ich will", wird dann als Schutzschild vor Nähe verwendet.

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Raucher:innen sind für viele ein No-Go.Bild: pexels / lil artsy

Die Psychologin führt dazu aus: "Ist jede Akzeptanz für die Eigenheiten anderer so verbaut, dass alle Personen in der näheren Auswahl wieder verworfen werden, könnte es eine Strategie sein, um mögliche Partner:innen auf Abstand zu halten." Dann steckt dahinter ein größeres Problem, das es sich lohnt, näher zu betrachten.

Keiner sollte seine Zeit mit einem Menschen verbringen, der ihm zuwider ist. Ein bisschen Toleranz und Offenheit, aka liebendes Auge, gehört allerdings zu jeder Beziehung und darf beiderseits erwartet werden. Schließlich wissen wir alle: Keine:r ist perfekt – und Menschen glücklicherweise lernfähig.

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Frankfurts Bahnhofsviertel, einst bekannt für sein Rotlichtmilieu, hat sich zu einem Brennpunkt des Drogenmissbrauchs entwickelt. Rund 5.000 Drogensüchtige bevölkern das Viertel, unterstützt von etwa 300 Dealern. Einheimische und Gäste berichten von erschreckenden Zuständen: Etwa von zahlreichen Frauen, die sich zur Prostitution gezwungen sehen, um ihre Sucht zu finanzieren. Oder über die zunehmende Kleinkriminalität.

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