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Zalando frustriert Händler mit drastischer Entscheidung – auch Kunden betroffen

ARCHIV - 03.03.2021, Berlin: Das Logo vom Onlinehändler Zalando am Headquarter vom Zalando Campus am Mercedes-Platz. Nach einem schwachen ersten Halbjahr blickt der Modehändler Zalando optimistischer  ...
Zalandos neue Gebührenordnung sorgt bei Händler:innen für großen Unmut.Bild: dpa-Zentralbild / Jens Kalaene
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Zalando: Online-Moderiese frustriert durch Neuerung

16.03.2023, 11:56
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In der Pandemie wurde der Online-Modehändler Zalando zum Retter in der Not für zahlreiche stationäre Einzelhändler:innen. Während ihre Läden in den Lockdowns immer wieder schließen mussten, konnten sie immerhin einen Teil ihres Geschäfts über die Versandplattform betreiben – anfangs sogar ohne Gebühren.

Doch mit einer neuen Betriebsstrategie hat sich Zalando jetzt das gute Verhältnis nicht nur mit dem Einzelhandel, sondern auch mit vielen Markenhersteller:innen verspielt. In einer E-Mail an alle seine Händler:innen kündigte Europas größtes Modeportal nämlich eine drastische Änderung seiner Gebührenordnung an. Und die könnte einige Verkäufer:innen aus dem Geschäft kicken.

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Lange Zeit kooperatives Verhältnis zwischen Zalando und den Händlern

Im Jahr 2018 konnte sich Zalando geschickt die Unterstützung lokaler Einzelhändler:innen sichern, die den Aufstieg des Modeimperiums kritisch sahen. Mit dem Konzept "Connected Retail" wurde es auch ihnen ermöglicht, ihre Kleidung, Schuhe oder Accessoires online über die Plattform zu verkaufen.

Insgesamt 7300 Händler:innen nahmen nach Angaben von Zalando vor allem in der Pandemie das verlockende Angebot an. An dem positiven Geschäftsverhältnis änderte sich auch nichts, als Zalando begann, schrittweise wieder Gebühren auf den Verkauf zu erheben.

Schließlich war es eine Win-win-Situation für beide Seiten: Zalando konnte sein Sortiment erweitern und die Händler:innen ihren Kundenstamm. Als sogenannte Omnichannel-Anbieter:innen bekamen sie die Möglichkeit, ihre Ware auf mehreren Kanälen nahtlos zu betreiben, mehr davon einzukaufen und neue Mitarbeitende einzustellen.

Am Rosenmontag verschickt Zalando die Hiobsbotschaft

Bei der Vorlage der aktuellen Bilanzzahlen hatte Co-Chef Robert Gentz die neue Strategie des Konzerns schon erahnen lassen: "Was wir wirklich wollen, ist, unseren Kunden eine relevante und kuratierte Auswahl zu bieten." Zalando will seine Händler:innen also aussortieren – und verschickte daher am Rosenmontag die Hiobsbotschaft in Form einer neuen Gebührenordnung, die dem "Handelsblatt" vorliegt.

Darin ist von bis zu 25-prozentigen Provisionen an den Konzern die Rede, teilweise mit Steigerungen um das doppelte der bisherigen Gebühren. Das berichtet ein betroffener Händler dem "Handelsblatt" und beklagt: "Dann wird es allerdings unwirtschaftlich."

Das "neue, einheitliche Gebührenmodell" soll demnach ab dem 1. Juli für alle Partner:innen eingeführt werden. Die erste Stufe von Provisionssteigerungen beginnt allerdings schon am 1. April. Viel Zeit bleibt den Betroffenen also nicht. Wie in der Modebranche üblich, sind die Waren für die nächsten Monate längst bestellt. Außerdem haben viele ihr Geschäft inzwischen wirtschaftlich und personell auf den Verkauf über Zalando ausgerichtet und sind auf die Gewinne daraus angewiesen.

Wut und Unverständnis bei Zalandos Partnern

"Man will uns loswerden", klagt ein anonymer Anbieter dem "Handelsblatt". Manche sollen sogar um ihre Existenz bangen. Denn einen eigenen Online-Marktplatz haben die wenigsten und meist auch nicht einmal die Mittel dazu.

Andere treibt es zur Konkurrenz bei Amazon und Otto. Denn: "Die neue Gebührenordnung kündigt die friedliche Stimmung auf", sagt ein anderer Händler dem "Handelsblatt" gegenüber. Manche wollen jetzt rechtliche Schritte erwägen, heißt es weiter in dem Bericht.

Zalando Paket wird in Empfang genommen,Online-Versandhaendler fuer Schuhe und Mode. *** Zalando package will be received online mail-order shoe and fashion retailer
Zalando hat als größtes Modeportal Europas viel Macht über die Händler:innen.Bild: www.imago-images.de / imago images

Auch bei den rund 1600 Markenpartner:innen, das sind meist Bekleidungs- oder Schuhhersteller, mache sich Unmut breit. Ihnen sei schon mitgeteilt worden, dass die Mengen, die Zalando künftig abnehme, sinken würden.

Nach Informationen des "Handelsblatt" berichtet ein ebenfalls anonymer Zalando-Lieferant deshalb von zahlreichen Stornierungen der Händler:innen, die nach der neuen Gebührenordnung die Waren nicht mehr kaufen wollen: "Diese Kurzfristigkeit ärgert uns sehr." Manche sollen die Zusammenarbeit sogar ganz aufkündigen wollen.

Zalando-Entscheidung: Was sie für Kunden bedeuten könnte

Die drastische Provisionserhöhung von Zalando bedeutet nicht nur Ärger für die Händler, auch Kunden könnten darunter leiden. Wenn viele Marken und Händler dem Mode-Riesen den Rücken kehren und ihre Waren dort nicht mehr anbieten, wird auch das Angebot deutlich kleiner.

Wie sich das dann am Ende tatsächlich aufs Sortiment auswirkt, bleibt noch abzuwarten.

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