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Nicht jeder Test auf das Coronavirus ist aussagekräftig. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / Eugeneonline

Ist die Pandemie fast vorbei, ohne dass wir es gemerkt haben? Das sagt Virologe Drosten

Einige Menschen in Deutschland hoffen, dass sie bereits Corona hatten. Da war doch dieser Husten vor ein paar Wochen, und der Hals tat auch so weh – vielleicht ist man ja bereits immun! Wenn es flächendeckend Antikörpertests gäbe, wüsste man Bescheid, oder?

Nein, leider nicht, erklärt Christian Drosten anfang der Woche im NDR-Podcast "Coronavirus-Update". Denn: Nicht jeder, bei dem der Test positiv ausschlägt, hatte tatsächlich Covid-19.

Der Antikörper-Test zeigt teils falsche Ergebnisse

Laut dem Virologen könne man die Antikörpertests zwar als Indikator für eine Covid-19-Erkrankung sehen, mehr aber nicht. "Die Antikörpertests geben falsche positive Signale, wenn jemand gerade eine Infektion mit einem der normalen Erkältungs-Coronaviren hinter sich hat."

Bis zu 15 Prozent aller Erkältungen würden durch altbekannte Coronaviren hervorgerufen, so Drosten. Dabei werden IgM-Antikörper (Immunglobulin-M) gebildet, die den Covid-19-Antikörpern ähneln – so sehr, dass es eine Kreuzreaktion geben kann.

"Das heißt, es kann passieren, dass wir jemanden testen und der Test ist positiv. Aber in Wirklichkeit hatte der gar nicht das neue Coronavirus, sondern ein altbekanntes Erkältungsvirus von vor ungefähr einem Monat. Und wir sehen nur sein IgM gegen dieses Erkältungsvirus."

Christian Drosten

Der Patient hält sich also für immun, ist es aber gar nicht. Besonders oft entstehen diese Kreuzreaktion etwa vier Wochen nach einer durchgestandenen Erkältung, wenn die Antikörper noch besonders aktiv sind. Ein fatales Timing.

Drosten sagt dazu im Podcast: "Vor einem Monat waren wir noch mitten in der Influenza-Saison und viele Personen haben jetzt noch solche Antikörper gegen Erkältungs-Coronaviren."

Es gibt noch zu wenige Corona-Erkrankte

Er versteht das Bedürfnis nach flächendeckenden Tests, sieht momentan aber nicht viel Nutzen darin. Zum einen wegen dem eben genannten Problem, dass die Ergebnisse verzerrt werden könnten. Zum anderen aber auch, weil zu wenige Menschen echte Sars-CoV-2-Infektionen hatten, um den Aufwand von flächendeckenden Tests zu rechtfertigen.

"Wir müssen uns klarmachen: Wir sind hier nicht mitten in einer Epidemie, sondern erst am Anfang."

Christian Drosten

"Es ist schon so, dass im Moment gesagt wird: Wenn wir jetzt Antikörpertests in großer Breite machen, vielleicht stellt sich dann heraus, dass alles halb so schlimm ist. Dass die Hälfte der Bevölkerung schon durchimmunisiert ist", so der Berliner Virologe über die derzeitige Stimmung. "Vielleicht sei die Epidemie schon halb vorbei, ohne dass wir es überhaupt gemerkt haben. Doch das ist leider nicht so!"

Die Antikörpertests, die im In- und Ausland gemacht wurden, zeigen laut Drosten keine überraschend große Zahl von positiven Ergebnissen, die diese Hoffnung stützen könnten. Im Gegenteil: "Die Bevölkerung in Deutschland ist insgesamt nicht stark durchseucht." Noch nicht.

(jd)

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