Leben
Christian Drosten, director of the institute for virology of Berlin's Charite hospital speaks during an interview with the Associated Press on his researches on the coronavirus in Berlin, Germany, Tuesday, Jan. 21, 2020. (AP Photo/Michael Sohn) |

Virologe Christian Drosten hält eine gezielte Infektion junger Leute für ethisch nicht vertretbar. Bild: AP/Michael Sohn

Coronavirus: Virologe erklärt, ob gezielt junge Menschen infiziert werden sollten

Das Coronavirus bringt viele Fragen mit sich, etwa nach einem Impfstoff, Medikament oder der ausgehenden Gefahr. Auch die Immunität spielt eine wichtige Rolle. Dabei besonders interessant: Sind Menschen immun, die vom Virus bereits genesen sind?

Denn an sich ist es so: Infizieren wir uns mit einem Erreger und schafft es unser Körper, diesen zu bekämpfen, sind wir anschließend immun gegen diesen. Das wird auch als immunologisches Gedächtnis bezeichnet. Impfungen funktionieren zum Beispiel nach diesem Prinzip.

Ob das auch nach einer Corona-Infektion passiert, ist also die Gretchenfrage. Leider ist der Forschungsstand dazu ernüchternd. Denn einen Nachweis für die Immunität gegen Sars-Cov2 gibt es bisher nicht – außer bei einer Studie an Rhesusaffen, die bei einer zweiten Infektion keinerlei Krankheitssymptome vorwiesen.

Positiv ist zumindest, dass es auch keinen Hinweis für das Gegenteil gibt. Warum sollte das Immunsystem also beim Coronavirus anders reagieren als sonst?

Gezielt junge Leute infizieren, um einen Immunschutz aufzubauen

Diese Frage stellten sich auch einige Mediziner – und hakten daraufhin beim Virologen Christian Drosten nach, ob es nicht sinnvoll wäre, junge Menschen kontrolliert zu infizieren. Wären sie doch danach immun. Theoretisch. Der Vorteil wäre laut der Mediziner, dass man so auch Fachkräfte vor langen Ausfällen schützen und zudem die Schutzmaßnahmen selbst reduzieren könnte. Ebenfalls theoretisch.

Drosten selbst steht diesen Theorien kritisch gegenüber. "Es ist so, dass junge Personen selbst nicht frei von einem Risiko sind", sagt er im NDR-Podcast "Coronavirus-Update". Entsprechend sei eine "kontrollierte Infektion" ethisch nicht vertretbar.

"Denken wir darüber nach, was für enorme Sicherheitsstudien nötig sind, wenn wir einen Impfstoff zulassen wollen."

Christian Drosten (Virologe) ndr

Entsprechend könne man nicht im Gegenzug einfach einzelne Bevölkerungsgruppen infizieren. "Besonders nicht, ohne sie zu fragen", ergänzt er. Dass es dazu kommt, ist allerdings unwahrscheinlich. Hier stehen so einige Gesetze im Weg. Natürlich gibt es noch weitere Argumente, die gegen das Vorgehen sprechen, wie Drosten zeigt:

"Wir müssen erstmal dafür sorgen, dass sich diese Infektion langsamer verbreitet. Wenn wir uns aber erstmal in einem bestimmten Bevölkerungsteil wünschen, dass es sich schneller verbreitet, würden wir diesen Effekt zunichtemachen."

Christian Drosten (Virologe) ndr

Menschen müssen geschützt werden

Und dann wäre das Resultat das Risiko einer weiterhin unkontrollierbaren Ausbreitung – und ein unter der Arbeitslast röchelndes Gesundheitssystem. Drosten sagt, es sei wichtiger, ältere Personen und jüngere Risikopatienten zu schützen, als junge Leute durchzuinfizieren.

Gleichzeitig müsse man mit der Wissenschaft überlegen, dass andere Maßnahmen mit der Zeit heruntergefahren werden, um das wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Leben wieder anzukurbeln.

(tkr)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Hochfunktionale Depression: Wenn niemand merkt, wie krank du wirklich bist

Liliana Kröger (Name von der Redaktion geändert), 34, leidet an einer sogenannten atypischen Depression: Obwohl sie erfolgreich im Beruf ist und ihren Alltag gut bewältigt, ist sie depressiv. Ihre Form der Depression wird manchmal auch "hochfunktionale Depression" genannt. Lilianas Leiden wurde jahrelang nicht diagnostiziert – unter anderem auch, weil sie sich nicht zum Arzt traute, da sie sich nicht "krank genug" fühlte. So empfindet ein Mensch, der nach außen hin seinen Alltag meistert – und tr

Heute morgen wache ich auf und es ist schon hell, aber die Sonne scheint nicht. Zumindest fühlt es sich so an.

Ich drücke den Snooze-Button auf meinem Wecker, nur noch zehn Minuten. Ich fühlte mich wie gerädert, frage mich, wie ich aus dem Bett kommen soll. Die letzte Nacht habe ich wieder schlecht geschlafen, im Traum ist die Welt untergegangen. Das träume ich häufig, wenn es mir nicht gut geht.

Ich quäle mich aus dem Bett, ziehe mich an, lese die Nachricht einer Freundin, die mich heute Abend …

Artikel lesen
Link zum Artikel