Arbeiter in Schutzkleidung desinfizieren ein Haus wegen der Corona-Krise.
Arbeiter in Schutzkleidung desinfizieren ein Haus wegen der Corona-Krise.Bild: www.imago-images.de / Hindustan Times via www.imago-images.de

Neurologen: Coronavirus kann "höchstwahrscheinlich" auch das Gehirn angreifen

15.04.2020, 16:03

Es ist eines der weniger bekannten Symptome einer Covid-19-Erkrankung: Einige Patienten verlieren ihren Geruchs- und Geschmackssinn. Zuerst berichtet hatte davon der Virologe Christian Streeck, der derzeit eine breit angelegte Studie im Landkreis Heinsberg durchführt.

Dabei fielen ihm nach einiger Zeit immer mehr Infizierte auf, die nichts mehr riechen oder schmecken konnten. Sie hatten jedoch keine verstopfte Nase, wie wir das von Erkältungen her kennen.

Inzwischen gibt es auch eine Vermutung, was dahinter steckt. Neurologen gehen davon aus, dass der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn bei einigen Infizierten darauf hindeutet, dass das Coronavirus auch das Gehirn angreift.

Auch andere Coronaviren greifen Gehirn an

"Das ist sehr wahrscheinlich", erklärt Uwe Meier, Vorsitzender des Berufsverband Deutscher Neurologen gegenüber watson. In China seien eine Reihe von neurologischen Komplikationen im Rahmen der Infektionen beschrieben worden. Auch in Europa mehrten sich entsprechende Berichte. "Man weiß auch von anderen Coronaviren, dass diese das Gehirn angreifen können."

Peter Berlit, Generalsekretär Deutsche Gesellschaft für Neurologie, sieht das genauso. "Das ist höchstwahrscheinlich", sagt er gegenüber watson.

Die beiden Experten können auch erklären, wie es konkret zum Verlust des Geruchssinns kommt: "Weil der Riechnerv betroffen ist, der wiederum direkt mit dem Riechhirn verbunden ist", antwortet Berlit.

Neurologe Meier führt aus, Geschmacks- und Geruchsempfindungen erfolgten über Nerven der Zunge und im Nasenbereich. "Von dort werden sie ins Gehirn weitergeleitet, wo sie als sinnliche Erfahrung wahrgenommen, interpretiert und dem Bewusstsein zugeführt werden."

Was der Unterschied zu Erkältungen ist

Der Unterschied zu Erkältungskrankheiten sei, dass die Unfähigkeit zu schmecken und zu riechen bei Covid-19-Patienten auftrete, die keinerlei Verschleimungen hätten. "Zudem berichten Patienten von Geruchshalluzinationen, also Geruchswahrnehmungen, die nicht auf eine reale Geruchsquelle zurückgeführt werden können und welche nur im Riechhirn entstehen können", so Meier. Dies alles deute auf einen Befall des Nervensystems und des Gehirns hin.

Berlit verweist außerdem darauf, dass eine Beeinträchtigung der Atemwege zwar vorübergehend auch den Geruchssinn beeinträchtigen könne, nicht aber den Geschmacksinn. "Und nach einer Virusgrippe verbleibt oft dauerhaft eine Riechstörung." Das ist bei Erkältungen bekanntlich nicht der Fall.

Omikron-Variante: Epidemiologe warnt vor "Ruhe vor dem Sturm – warum ein neuer Lockdown derzeit dennoch nicht wahrscheinlich ist

Die wöchentlichen Infektionszahlen in Deutschland bewegen sich im sechsstelligen Bereich, die Sieben-Tage-Inzidenz ist mittlerweile auf fast 900 angestiegen und laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wird der Peak der Omikron-Welle erst für Mitte Februar erwartet. Dennoch hofft nicht nur der Gesundheitsminister offenbar, dass die bereits getroffenen Maßnahmen für Omikron ausreichen. Obwohl er noch kürzlich nicht nur auf Twitter davor warnte, die aktuellste Corona-Variante als "harmlos" einzustufen.

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