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Bild: RTL 2

So eklig muss eine Hartz-IV-Empfängerin leben – weil der Vermieter sie im Stich lässt

Jeden Abend deckt Bianca ihren Sohn zu, gibt ihrer Tochter einen Gute-Nacht-Kuss, verlässt die beiden schließlich. Dann fährt die Alleinerziehende zurück in ihre Nürnberger Wohnung, die für die Kinder nicht mehr bewohnbar ist. Der Grund: Schimmel. Und zwar so viel, dass Bianca um die Gesundheit ihrer Kinder fürchtet.

Deswegen hat sie den gerade einmal 7-jährigen Jermaine und die 8-jährige Lakisha zu einer Freundin gegeben und besucht sie jeden Tag. Die 28-jährige Bianca, die zudem von Hartz IV lebt, schläft in der modrigen Wohnung. Eine andere Bleibe findet sie aktuell nicht.

Hartz-IV-Empfängerin sucht Bleibe

Bei ihrer Wohnungssuche wird die Hartz-IV-Empfängerin begleitet von einem Kamera-Team: denn Bianca ist Protagonistin in "Kein Zimmer, Küche, Bad". Die Sozialdoku auf RTL 2 will zeigen, wie dramatisch der Wohnungsmarkt in Deutschland mittlerweile ist. Selbst in solchen Notlagen wie der von Bianca und ihren Kindern findet sich kein bezahlbarer Wohnraum.

Seit neun Jahren lebt Bianca mit Jermaine und Lakisha in ihrer Wohnung. Als wiederholt Wasser in Biancas Spüle aufsteigt, meldete sie dies der Hausverwaltung, die allerdings nicht reagierte. Das Unglück nahm seinen Lauf, irgendwann wurde die Küche geflutet, unter den Möbeln und dem Bodenbelag bildete sich Schimmel. Auch im Kinderzimmer trat der Schimmel irgendwann hervor, bis Jermaine vor zwei Jahren an einer starken Bronchitis erkrankte.

Es gibt zahlreiche Arten von Schimmel, die gesundheitliche Schäden hervorrufen können. In der Sendung sagt der Kinderarzt Dr. Michael Kandler, dass die Schimmelsporen allergische Reaktionen und Lungenerkrankungen hervorrufen können. Nach einer Untersuchung kann der Mediziner bestätigen, dass Jermaine von seiner Bronchitis keine bleibenden Schäden davongetragen hat. Dennoch dürfen die Kinder nicht in Biancas Wohnung zurück, das Risiko ist zu groß.

Eine neue Bleibe findet die alleinerziehende Hartz-IV-Empfängerin nicht

Trotz der Gefahr, die vom Schimmelbefall ausgeht, zeigt sich der Vermieter nicht besonders hilfsbereit. Trocknungsgeräte, um den Wasserschaden in der Küche zu beheben, kann die Hausverwaltung zu diesem Zeitpunkt nicht schicken, weil der Fall laut deren Aussage zuvor von der Versicherung bearbeitet werden muss.

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Bianca und ihre Kinder kämpfen darum, wieder zusammen leben zu können – ohne den gefährlichen Schimmel. Bild: RTL 2

Wird Wohnung von Hartz-IV-Empfängerin saniert?

In der Sendung bietet die Hausverwaltung zumindest an, die Wohnung kernzusanieren. Allerdings müsste Bianca dafür mindestens drei Monate in eine andere Bleibe ziehen und ihre Möbel unterstellen. Bei der Wohnungssuche hat Bianca allerdings kein Glück: Entweder die Vermieter möchten keine Hartz-IV-Empfänger, oder aber die Wohnungen werden über das Wohnungsamt vermietet.

Die Warteliste für eine vom Amt vermittelte Sozialwohnung ist allerdings lang: Etwa 8300 Menschen buhlen um jährlich zwischen 900 und 1000 Wohnungen. Im Vergleich ist Biancas Situation nicht einmal ein Härtefall, wie ein Mitarbeiter des Wohnungsamts in der Sendung sagt: Priorisiert würden Menschen, die gar keine Wohnung mehr haben oder in zu kleinen Unterkünften leben, zum Beispiel zu viert in einem Zimmer.

Deswegen kämpft Bianca weiter mit ihrer Hausverwaltung. Und hat schließlich Erfolg: Der Schimmel in der Küche wird beseitigt, der Boden erneuert, Bianca kann sich wieder neu einrichten. Nach insgesamt fünf Wochen können ihre Kinder nach Hause zurückkehren, ein normales Familienleben ist endlich wieder möglich.

Die Hartz-IV-Wohnung ist wieder befallen

Bis der nächste Alptraum kommt: wieder Schimmel. Diesmal im Bad, unter dem Boden. Biancas Kampf mit der Hausverwaltung geht erneut los. Diesmal aber beauftragt sie einen Baubiologen, der den Schimmelgehalt in ihrer Wohnung misst: Das Bad ist eindeutig befallen.

Im Gegensatz zu den vorherigen Fällen hat Bianca das Ergebnis allerdings Schwarz auf Weiß. Vielleicht bringt ihr das einen Vorteil in der immerwährenden Diskussion mit dem Vermieter ein, damit ihre Wohnung endlich wieder schimmelfrei und lebenswert wird.

(ak)

Hartz 4 oder Arbeitslosengeld: Was nach dem Jobverlust kommt

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Seit fast 15 Jahren Hartz IV: "Die Arbeitgeber verlangen zu viel"

Jens (Name von der Redaktion geändert) ist 48 und hat vor fast 20 Jahren seinen Job bei einem Chemie-Werk verloren. Seit der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 ist er auf soziale Leistungen angewiesen. Bei watson spricht er über seine zahlreichen Bewerbungen und über die teils extrem hohen Anforderungen der Arbeitgeber – trotz Mindestlohn oder sogar noch weniger Gehalt.

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Meine Vollzeitstelle als Chemikant habe ich bereits 2001 verloren, als das Werk, in dem ich gearbeitet habe, geschlossen wurde. Seit 2005, als das System eingeführt wurde, beziehe ich Arbeitslosengeld II, wie Hartz IV eigentlich heißt.

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