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"Hartz und herzlich"-Teilnehmer Martin. Bild: RTL 2

Hartz-IV-Empfänger will nicht, dass man sieht, was in seiner Wanne lagert

Braune Flecken im Waschbecken, in der Duschwanne liegt ein bunt gemustertes Handtuch, unter dem sich ein unbekanntes Objekt abzeichnet.

"Was zur Hölle?", denkt sich der Zuschauer, als das Kamera-Team von "Hartz und herzlich" (RTL 2) dem Protagonisten Martin ins Badezimmer folgt. Irgendetwas hält der 20-jährige Hartz-IV-Empfänger dort versteckt – er selbst sagt auch in die Kamera: "Muss ja nicht jeder sehen, was in meiner Dusche liegt."

Was ist "Hartz und herzlich"?

In der Sozialdokumentation von RTL 2 begleitet ein Kamera-Team vier Monate lang Menschen, die von Hartz IV leben. Dabei soll einerseits der teils schwer zu bewältigende Alltag der Hartz-IV-Empfänger, andererseits auch deren starker Zusammenhalt untereinander gezeigt werden.

Obwohl Martin von Hartz IV lebt, genießt er das Leben

Martin wohnt im sogenannten Alten Lager, einer Brennpunkt-Siedlung in Niedergörsdorf, Brandenburg. Gerne lebt er laut eigener Aussagen nicht von Hartz IV – eigentlich würde er lieber Altenpfleger werden. Solange er aber noch in keiner Ausbildung ist, genießt er sein Leben, wie Martin gerne betont.

Infos zu Hartz IV

Aktuell beziehen in Deutschland fast vier Millionen Erwerbsfähige Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich auch Hartz IV genannt. Dabei übernimmt das Jobcenter Miete (bis zu einem regional abhängigen Quadratmeter-Preis) sowie Heizkosten und zahlt einen monatlichen Leistungssatz. Dieser Satz beträgt zum Beispiel für Alleinstehende und Alleinerziehende 424 Euro.

Dazu gehört auch, dass er regelmäßig Freunde zu sich nach Hause einlädt, sie mit Snacks bewirtet und selbstverständlich auch etwas zu Trinken für sie bereit hält.

Was der Hartz-IV-Empfänger im Bad versteckt hält, ist gar nicht so unheimlich

Und mit Trinken hängt auch das mysteriöse Objekt zusammen, das Martin in seiner Wanne lagert. Denn sobald er für die Kamera das Handtuch aus der Wanne lüftet, zeigt sich: Darunter lagert lediglich ein Zehn-Liter-Sack mit Cola-Sirup.

"Das ist günstiger, als wenn du dir für 6,20 Euro oder so einen Sixpack Coca Cola holst", sagt Martin. Denn der Sirup-Sack kostet lediglich 15 bis 20 Euro, meint er. In der Wanne lagert er den Plastiksack, damit der Inhalt nicht in der Wohnung ausläuft. Den brauen Flecken im Waschbecken zufolge scheint der Hartz-IV-Empfänger dort das klebrige Getränk zu zapfen.

Für die etwas eigenwillige Sparmaßnahme scheint sich Martin nicht zu schämen, warum auch. Aber den Cola-Sack jedem eintreffenden Gast zu zeigen – das muss eben auch nicht sein. Daher die dezente Lagerung.

Wie es mit dem jungen Mann weiter geht, erfährt der Zuschauer übrigens nicht – zu Martins Glück: Denn er hat eine Stelle in einem Pflegeheim gefunden und deswegen die Dreharbeiten für RTL 2 abgebrochen. Um sich nun vollends auf seine neue Arbeit zu konzentrieren.

(ak)

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Einige Jahre arbeitete ich als Sachbearbeiterin in Hamburger Jobcentern. Vor sechs Jahren verlor ich meinen Job – nachdem ich mich weigerte, die in meinen Augen schon immer verfassungswidrigen Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger auszusprechen. Heute weiß ich: Mein Rauswurf war im Grunde rechtswidrig. Aber darum geht es heute nicht, und zurück ins Jobcenter klagen will ich mich ohnehin nicht: Das Tolle an diesem Tag ist, dass der von so vielen geführte Kampf gegen Hartz-IV-Sanktionen …

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