Eine FFP2-Maskenpflicht gilt nur in Bayern. (Symbolbild)
Eine FFP2-Maskenpflicht gilt nur in Bayern. (Symbolbild)
Bild: www.imago-images.de / Medien Service Mueller I Oliver Mueller
Interview

Neue Corona-Regeln: Epidemiologe spricht über Sinn und Unsinn der Maßnahmen

20.01.2021, 15:04

Rund zwei Wochen ist es erst her, dass Bund und Länder zu den Corona-Maßnahmen tagten. Am Dienstag berieten sich Kanzlerin Angela Merkel und die 16 Ministerpräsidenten und -präsidentinnen dann erneut. Stundenlang verhandelten sie, diskutierten über Ausgangssperren, eine FFP2-Maskenpflicht, eine Lockdown-Verlängerung. Altes Lied, neu abgemischt.

Mittlerweile ist klar: Der Lockdown wird (erstmal) bis zum 14. Februar fortgesetzt, eine FFP2-Maskenpflicht wie in Bayern wird es bundesweit zunächst nicht geben, dafür werden medizinische Masken (die deutlich billigere OP-Variante reicht) im Nahverkehr wie auch beim Einkauf Pflicht – hier kannst du nachlesen, was die Regierung noch beschlossen hat.

Watson sprach mit dem Epidemiologen Markus Scholz von der Universität Leipzig über die neuen Ergebnisse aus der Bund- und Länderkonferenz und die Frage, ob es die abgewiesenen Maßnahmen, etwa Ausgangssperren, nicht doch gebraucht hätte.

"Viele scheitern ja schon daran, die Alltagsmaske über die Nase zu ziehen."

watson: Halten Sie die nun beschlossenen Maßnahmen für zu lapidar, da härtere Schritte wie eine Ausgangssperre oder ein Sprechverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln wegfallen?

Markus Scholz: Diese Maßnahmen wären meiner Meinung nach eher kosmetischer Natur und hätten voraussichtlich keinen entscheidenden zusätzlichen Effekt gehabt. Die Inzidenzen sinken aktuell – wenn auch langsam, sodass eine Verlängerung des Lockdowns sinnvoll, aber eine Verschärfung meines Erachtens nicht zwingend notwendig ist.

Warum wurde der Lockdown dann trotzdem verlängert?

Hier spielt offenbar die Furcht vor den neuen Virus-Varianten bei der politischen Entscheidungsfindung eine Rolle. Dies ist sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Da aber die Zahlen auch in Irland und Großbritannien sinken, ist nicht klar, ob die neuen Varianten unter dem aktuellen Lockdown wirklich zu einer Trendumkehr führen könnten.

Wie sinnvoll wären Ausgangssperren gewesen?

Wir wissen aktuell nicht, wie wirksam diese Maßnahme wäre, da hierfür in Deutschland bisher keine empirischen Daten vorliegen. Da nicht ausreichend bekannt ist, wo sich die Menschen aktuell anstecken, haben wir nur die Möglichkeit, die Wirksamkeit von Maßnahmen nachträglich auf Basis der veränderten Dynamik der Pandemie zu schätzen. Dazu müsste die Maßnahme etwa 14 Tage wirken.

"Es sollte vor allem die Impfkampagne deutlich beschleunigt werden, da diese die einzige wirkliche Langzeitperspektive darstellt."

Die Regierung lehnte eine bundesweite FFP2-Maskenpflicht ab. Dabei bieten sie den besten Schutz und sitzen zudem fester im Gesicht, was die sonst so beliebte "freie Nase" verhindert. Hätte es sie nicht vielleicht doch gebraucht?

Es ist in der Tat nicht einfach, die Maske richtig zu verwenden. Viele scheitern ja schon daran, die Alltagsmaske über die Nase zu ziehen. Zudem ist die FFP2-Maske ein Wegwerfprodukt, sodass die Kosten auf Dauer ins Gewicht fallen. Bei richtiger Verwendung ist der Schutz aber erhöht, insbesondere, wenn man größere Menschenansammlungen nicht vermeiden kann, wie beispielsweise beim Einkaufen oder im ÖPNV.

Auch zu Pflege- und Altenheimen gibt es Beschlüsse, das Personal muss eine FFP2-Maske tragen und es soll, wie auch die Besucher, mehrmals pro Woche Schnelltests machen. Neu ist das nicht. Welche weiteren Maßnahmen könnten Alten- und Pflegeheime ergreifen?

Schnelltests bei Besuchern und regelmäßige Tests beim Personal sind weiterhin wichtig. Und ja, diese Maßnahmen gibt es schon. Trotzdem gelingt es nicht, die Infektionen dauerhaft aus den Altenheimen herauszuhalten, vor allem, da auch falsch negative Testergebnisse auftreten können. Es wäre deshalb wichtig, hier die Impfkampagne weiter voranzutreiben.

Was würden Sie noch empfehlen, um die Infektionszahlen zu senken?

Es sollte vor allem die Impfkampagne deutlich beschleunigt werden, da diese die einzige wirkliche Langzeitperspektive darstellt. Da der Lockdown Deutschland jede Woche Milliarden kostet, wäre es auch aus wirtschaftlicher Sicht lohnenswert, hier deutlich zu beschleunigen.

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