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Urlaub während der Menstruation: Das gibt es in dieser Firma

Kristel de Groot findet fünf Tage Menstruationsurlaub viel – sie selbst erlaubt nur einen Tag.
Kristel de Groot findet fünf Tage Menstruationsurlaub viel – sie selbst erlaubt nur einen Tag. privat
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Unternehmerin hat vor 3 Jahren Menstruationsurlaub eingeführt – ihr Fazit

Die Unternehmerin Kristel de Groot erlaubt Mitarbeiterinnen, die ihre Periode haben, einen Tag frei zu nehmen. Im Interview sagt sie, ob die "Moon Days" missbraucht werden.
26.12.2022, 12:40
Elena Lynch / watson.ch
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watson: Frau de Groot, Mitarbeiterinnen der Stadt Zürich können für ein Pilotprojekt bei starken Periodenschmerzen bis zu fünf Tage pro Monat fehlen. Wie viele Tage sind es in ihrem Startup "Your Super"?
Kristel de Groot:
Fünf Tage pro Monat? Wow! Das ist viel. Bei uns ist es ein Tag pro Monat.

Warum brauchen Mitarbeiterinnen, die ihre Periode haben, einen Tag frei?
Bei mir persönlich ist die Periode nicht so schmerzhaft, aber ich fühle mich meist nicht so fit. Und ich habe ausgerechnet an diesen Tagen oft wichtige Termine. Ich erinnere mich an das eine Mal, als ich in einer Vorstandssitzung vor all diesen Männern saß und nur daran dachte, ob ich gerade durch meine Hosen blute oder gleich umkippen werde. Warum konnte ich ihnen nicht sagen, was mit mir los war? Warum riskierte ich stattdessen, einen schlechten Eindruck zu hinterlassen? Weil Menstruation mit Scham und Stigma behaftet ist.

Was hilft es, wenn Frauen während ihrer Periode frei haben?
Es ermutigt sie – aber auch alle anderen – auf ihren Körper zu hören und sich auszuruhen. Statt ständig die Zähne zusammenzubeissen und Schmerzmittel zu schlucken. Die Periode zu haben, bedeutet nicht, schwach zu sein. Ja, einmal im Monat haben Frauen vielleicht einen Hänger, aber dafür gibt es Wochen, in denen sie voller Energie sind. Ich fand es falsch, ein Unternehmen zu führen, das mit Superfoods die Gesundheit der Menschen verbessern will, und mich dann nicht um das Wohlbefinden meiner eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kümmern.

Wie sieht ein "Moon Day" aus?
"Moon Day" heisst: Man kann von daheim arbeiten, man kann ins Büro kommen, man kann Meetings absagen und sich frei nehmen – was am besten passt. Ich nenne es einen "Mach was du kannst"-Tag.

Und was hat es mit dem Namen auf sich?
Bei "Your Super" haben wir eine Linie, die sich an den Mondphasen orientiert. Viele Frauen haben ihre Periode um den Neu- oder Vollmond herum. Das hat uns zu "Moon Days" inspiriert.

Wenn Sie das Stigma, das in Bezug auf Menstruation gesellschaftlich vorherrscht, beseitigen wollen, sollten sie die Dinge dann nicht beim Namen nennen, anstatt Codewörter zu benutzen? "Penis" ist klarer als "Pipi" – und damit weniger schambehaftet.
Ich habe kein Problem mit dem Wort "Periode". Das wird auch in meinem Ted Talk deutlich. "Moon Day" ist einfach etwas süßer und sanfter als "Menstruationsurlaub". Für den Arbeitsplatz ist es ein guter erster Schritt. Es erlaubt über das Thema zu sprechen, ohne dafür Wörter benutzen zu müssen, die wir bislang schwer über die Lippen bringen.

"Wie sollen wir das kontrollieren? Sollen wir die Frauen auffordern, in einen Becher zu bluten?"

Sie haben 35 Angestellte in den USA und in der EU. Wie haben die reagiert?
Wir sind mehrheitlich Frauen, 75 Prozent. Als ich die "Moon Days" vor versammelter Belegschaft vorschlug, sind einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Kinnladen runtergefallen. Besonders in den USA waren viele betreten: "Oh, wir reden darüber?" Es sind nicht nur Männer, die nicht darüber reden wollen, sondern auch Frauen. Beide tragen zur Tabuisierung bei.

Was hat sich seit der Einführung des Menstruationsurlaubs im Jahr 2019 in ihrem Unternehmen verändert?
Es ist normal geworden. Manche Mitarbeiterinnen haben sogar angefangen, ein Blut- oder Mond-Emoji in den Slack-Status einzufügen, wenn sie einen "Moon Day" machen.

Gibt es zwischen den USA und der EU kulturelle Unterschiede im Umgang mit der Menstruation?
In den USA gibt es mehr Zurückhaltung als in der EU. Dort scheuen sie sich ja sogar davor, Ferien zu nehmen. Aber sobald die ersten Frauen anfingen, den "Moon Day" zu nehmen, zogen die anderen nach. Aber lange nicht alle! Der Umgang ist ehrlich: Manche Mitarbeiterinnen haben nicht so starke Regelschmerzen und arbeiten trotz ihrer Tage. Sie missbrauchen den "Moon Day" nicht.

Das scheint mir die wichtigste Botschaft an andere Unternehmen zu sein: dass der Menstruationsurlaub nicht missbraucht wird.
Das war ein Bedenken, welches oft geäußert wurde. Und: Wie sollen wir es kontrollieren? Nun, gar nicht. Ich meine: Wie soll das überhaupt gehen? Sollen wir die Frauen auffordern, in einen Becher zu bluten? (lacht) Meine Erfahrung ist: Niemand fehlt, wenn ihnen nicht wirklich etwas fehlt. Man muss vertrauen können. Alles andere ist schlecht für die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Frauen kriegen ihre Periode, werden schwanger, haben Hitzewallungen. Männer nicht. Sollten die Unterschiede zwischen Männern und Frauen am Arbeitsplatz eher hervorgehoben oder ausgeglichen werden?
Weder noch. Die Differenzen sollten akzeptiert werden. Die Arbeitswelt wurde von Männern für Männer geschaffen und hat sich seither nie grundsätzlich geändert. Um überhaupt auf dem Arbeitsmarkt anzukommen, haben sich Frauen dem männlichen Duktus angepasst. Aber gleichgestellt sein heißt nicht gleich sein zu müssen. Diversität bedeutet, dass alle so sein können, wie sie sind – und das ist naturgemäß anders. Jetzt, wo sich die Frauen in der Berufswelt bewiesen haben, versuchen sie herauszufinden, wie sie am Arbeitsplatz weiblicher sein können.

Der Menstruationsurlaub ist also nur der Anfang?
Es geht darum, das Gespräch zu eröffnen und die Bedürfnisse der Belegschaft zu berücksichtigen. Das schafft Zugehörigkeit. Letztes Jahr hat das Marketingteam von sich aus eine Kampagne gestartet, mit der es für den Menstruationsurlaub warb. Das zeigt, dass die Angestellten sich damit identifizieren – und damit auch mit unserem Unternehmen. Und ja: Wir sollten auch bezüglich Fehlgeburten, Schwangerschaften, Wechseljahre offener werden. In den sozialen Medien werden diese Themen derzeit immer präsenter.

"Die Periode heißt nicht, dass man krank ist, sondern dass man eine Frau ist."

Kritikerinnen und Kritiker sagen, Frauen sollen sich doch krankschreiben lassen – es müsse ja niemand wissen, warum. So werde auch ihre Intimsphäre geschützt.
Die Periode zu haben, heißt nicht, dass man krank ist, sondern, dass man eine Frau ist. Und als Arbeitgeberin würde es mich mehr irritieren, wenn ich jeden Monat ein Arztzeugnis von einer Angestellten bekommen würde, als wenn ich weiß, was los ist. Und wenn Kritikerinnen und Kritiker behaupten, dass das der Frau die Intimsphäre raube, dann suggerieren sie, dass die Monatsblutung auch dorthin gehört: ins Intime, ins Private. Dieser Ansicht bin ich nicht.

Andere sagen, dass der Menstruationsurlaub die Aussicht auf gleichen Lohn oder gleiche Aufstiegschancen für Frauen mindern könnte.
Darüber kann man diskutieren. Aber nur, weil Frauen einen Tag im Monat menstruationsfrei machen, heißt das nicht, dass sie weniger verdienen oder seltener aufsteigen sollten. Vielleicht waren sie während ihrer Periode ohnehin nicht produktiv, sondern saßen nur schmerzerfüllt am Schreibtisch. Wo ist dann da der Unterschied? Letztlich geht es nicht um die effektiven Stunden, die man gearbeitet hat, sondern um die Leistung, die daraus resultiert. Glückliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter generieren mehr Mehrwert als unglückliche.

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