Automatisierte Verfahren: Bei Amazon werden längst nicht mehr alle Vorgänge durch Mitarbeiter kontrolliert.
Automatisierte Verfahren: Bei Amazon werden längst nicht mehr alle Vorgänge durch Mitarbeiter kontrolliert.Bild: dpa-Zentralbild / Jens Büttner

Dreister Betrug: So tricksten Männer Amazon aus und ergaunerten 330.000 Euro

03.07.2022, 15:18

Zwei Männer aus Spanien haben den Versandhändler-Riesen Amazon übel abgezockt, wie "Tamebay" berichtet. Die Zutaten: Zahlreiche Bestellungen, Erde und das standardisierte Retoure-Verfahren von Amazon. Damit erbeuteten sie 330.000 Euro und gelten als größte bisher bekannte Online-Betrüger.

Möglich war die Betrugsmasche erst mithilfe der Flut an Rücksendungen, die Amazon täglich erhält. Dem Händler wäre es schlicht nicht möglich, alle zurückgeschickten Pakete händisch zu kontrollieren. Deshalb hat der Online-Riese vor Jahren ein automatisiertes Rücksendeverfahren entwickelt.

Dass die Abwicklung der Retouren so unkompliziert ist, hat auch Nachteile. Nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den Online-Riesen selbst.

Für die Retouren: Das Gewicht ist entscheidend

Um die Menge an Rücksendungen schnellstmöglich abzuwickeln, hat Amazon ein standardisiertes Verfahren entwickelt: Geht eine Retoure beim Online-Riesen ein, prüft Amazon sie auf ihr Gewicht. Stimmt dieses mit dem bestellten Artikel überein, leitet der Händler die Rückabwicklung des Kaufes ein. Der Kunde erhält meist ganz unkompliziert sein Geld zurück.

Täglich verkauft Amazon im Schnitt täglich weit über 12 Millionen Pakete.
Täglich verkauft Amazon im Schnitt täglich weit über 12 Millionen Pakete.Bild: www.picturedesk.com / HANS PUNZ

Nur in Fällen, in denen es zu Unregelmäßigkeiten kommt oder das Gewicht nicht stimmig ist, wird das Paket von einem Mitarbeiter überprüft.

Pakete mit Erde statt Elektrogeräten

Ein praktischer Vorgang, den sich ein 22-jähriger Spanier laut dem Bericht im Jahr 2019 in großem Stil zu Nutze gemacht hat.

Mit einem verbrecherischen Plan: Zunächst bestellte er demnach zahlreiche Artikel auf Amazon und meldete diese als Retoure. Statt die Smartphones, Notebooks und anderen Geräte tatsächlich zurückzusenden, griff er gemeinsam mit einem Komplizen zu einer fragwürdigen Methode. Die beiden notierten sich penibel genau das jeweilige Gewicht der Pakete, entnahmen die Artikel und befüllten das Paket mit genau so viel Erde, dass das Gewicht damit übereinstimmte.

Hatten sie das erledigt, schickten die Spanier das Paket mit der Erde an Amazon zurück. Ohne die gekauften Artikel darin. Durch das standardisierte Verfahren fiel der Betrug zunächst tatsächlich nicht auf.

Lässt man die Betrugs-Masche außen vor, stellt sich dadurch natürlich einmal mehr die Frage nach der Nachhaltigkeit des Online-Riesen. Die Vermutung liegt nahe, dass die retournierten Artikel nur in den seltensten Fällen weiterverkauft werden.

Für die Betrüger ein Vorteil.

Betrüger verkaufen die Artikel weiter – und gründen eigenes Unternehmen

Doch wohin mit den gekauften Waren? Die Männer beließen es nicht bei diesem Betrug. Was nach der Retoure folgte, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Kurzerhand gründete der 22-jährige Spanier selbst ein Unternehmen und verkaufte die Waren online weiter. So erbeuteten die Männer nicht nur das rückerstattete Geld, sondern fuhren mit den Waren zusätzlichen Gewinne ein.

Als Amazon die Pakete kontrollierte, fiel der Betrug auf.
Als Amazon die Pakete kontrollierte, fiel der Betrug auf.Bild: Geisler-Fotopress / Robert Schmiegelt/Geisler-Fotopr

Zunächst mit Erfolg. Obwohl die Masche lange Zeit nicht auffiel, zahlen die Betrüger nun einen hohen Preis für ihre Dreistigkeit: Als Amazon auf die hohe Anzahl ihrer Bestellungen und Rücksendungen aufmerksam wurde, ging der Online-Riese dem auf den Grund und entdeckte die Erde in den Paketen. Amazon ermittelte einen Schaden in Höhe von 330.000 Euro und erstattete Anzeige. Beide Männer wurden daraufhin festgenommen.

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Whatsapp-Update bringt lang ersehnte Funktion zum Onlinestatus

Schon seit einer Weile arbeitet Whatsapp daran, seinen arg ramponierten Ruf im Hinblick auf den Datenschutz zu verbessern. Denn Whatsapp gehört zu Meta, dem früheren Facebook-Konzern. Spätestens seit dem Skandal um das dubiose Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica im Jahr 2018 wird dem Unternehmen ein zu lascher Umgang mit persönlichen Daten seiner Nutzer:innen vorgeworfen wird. Facebook konnte damals mindestens 87 Millionen User nicht vor dem Zugriff durch Cambridge Analytica schützen.

Zur Story