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Die Sonne geht schon auf. Zeit, um mal aufs Klo zu gehen... (Symbolbild)Bild: iStockphoto / DmitriiSimakov
Mein schlimmstes Date

Mein schlimmstes Date: Unser "Morgen danach" endete in den Fäkalien des Nachbarn

Wer datet, erlebt oft schräge Dinge. Doch je peinlicher oder unerfreulicher die Situation live ist, umso besser ist die Geschichte oft im Nachhinein. Wir protokollieren in unserer Serie Horror-Dates aus Sicht der Betroffenen.
20.01.2023, 16:52

Die 20-jährige Jule studierte in Berlin, als sie Martin kennenlernte, der in einer ziemlich runtergerockten Ein-Zimmer-Butze lebte. Genau das sollte sich rächen.

Das Beste am Dating in Berlin sind die Berliner Männer, und zwar jene, die in der Hauptstadt geboren wurden. Ich habe sie allesamt als rotzfrech, unsentimental und praxisorientiert erlebt. Bei einem meiner schlimmsten Dates waren diese Charaktereigenschaften von größter Wichtigkeit, denn die Hauptrolle übernahm ein verstopftes Klo.

"Am selben Abend betranken wir uns auf seinem Balkon, sprachen über schlechte Produktnamen und guten Rap, dann hatten wir Sex."

Martin hatte mich an der Uni angesprochen, wir kannten uns nicht. Er starrte rüber und meinte dann: "'Ne Attitüde wie Juno. Ist cool." Und ich: "Und wer willst du sein? Stuckrad-Barre?" Noch am selben Abend betranken wir uns auf seinem Balkon, sprachen über schlechte Produktnamen und guten Rap, dann hatten wir Sex. Er wohnte in einem dieser Häuser, die wie US-amerikanische Motels aufgebaut sind. Ein kleiner Balkon je Wohnung. Küchenzeile im Flur, Badewanne neben Klo.

Wir verbrachten die Nacht auf seiner Matratze auf dem Boden. Fürs Schlafen war keine Zeit und fürs Aufs-Klo-Gehen auch nicht. Doch als die Sonne aufging, kamen wir irgendwann zur Ruhe und erst da merkte ich: Ich musste wirklich dringend pinkeln, und zwar jetzt.

Im Bad klappte ich den Klodeckel hoch und sah darin ein Stückchen Kot treiben. Er hatte wohl vergessen zu spülen. Egal, dachte ich, wenn ich dem Typ eine Demütigung ersparen kann, sollte ich das unkommentiert tun – und es ging nur um ein Fitzelchen, vielleicht kastaniengroß.

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Wer noch nie so ein Bad am Morgen danach nutzen musste, hat nicht gelebt. Bild: iStockphoto / Mark Hochleitner

Ich spülte. Doch zu meinem Schreck wurde nicht etwa das Wasser abgelassen, sondern ganz im Gegenteil: Der Pegel stieg und stieg. Wie ein Gaffer nach einem Verkehrsunfall starrte ich regungslos in den weißen Porzellankörper. Im Hirn nutzlose Leere angesichts der Katastrophe, die sich da vor meinen Augen entspann:

Quälend langsam, aber stetig, füllte sich die Toilettenschüssel nämlich nun mit immer mehr Wasser und gleichzeitig schwoll die Menge an Fäkalien unwahrscheinlich an. Kleine Fetzen und dicke Klumpen wuchsen aus dem Abwasserrohr nach wie ein unendlicher Strom. Das Wasser färbte sich braun. Wie konnte das sein?

"Ich musste reagieren, aber: Wenn ich jetzt um Hilfe riefe, sähe das aus, als hätte ich sein komplettes Klo vollgekackt, oder?"

Ich hoffte, dass es sich um eine dieser alten Toiletten handelte, bei denen erst die ganze Schüssel vollläuft, bis die Brühe mit einem satten Gurgeln auf einen Schlag abgesaugt wird. 70er-Lokus mit Nervenkitzel. Doch die Situation schien mir spätestens dann eindeutig außer Kontrolle geraten, als der Wasserspiegel schmatzend am Unterrand der Klobrille leckte.

Ich musste reagieren, aber: Wenn ich jetzt um Hilfe riefe, sähe das aus, als hätte ich sein komplettes Klo vollgekackt, oder? Und zwar in so rauen Mengen, dass die Rohre aufgaben. Wollte ich das so stehen lassen? Andererseits hatte ich immer noch nicht gepinkelt und MUSSTE JETZT ECHT MAL.

"Äh – Martin?!", rief ich. "Dein Klo läuft über." Und dann, als er angewetzt kam, noch: "Ich schwöre, ich habe nur gespült. Ich war nicht mal pinkeln." Es gab keinen Weg, diese Nachricht delikat zu verpacken, also versuchte ich es gar nicht erst.

"Es sah aus wie die Mecklenburgische Seenplatte bei Google Earth. Nur mit Fäkalien."

Und dann rief er exakt die Worte, die man in einem solchen Moment hören will: "NICHT SCHON WIEDER!" Meine Scham wich der erleichternden Erkenntnis, dass ihm das Problem schon bekannt war. Das passierte also nicht nur mir, nicht nur heute. Ein Problem blieb es dennoch.

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Unsere Kolumne "Mein schlimmstes Date" erzählt anonymisierte Geschichten von den schrägsten, schrecklichsten, lustigsten und auf jeden Fall merkwürdigsten Dates.

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Martin griff unter den Waschschrank, schnappte sich mit verblüffend elegantem Schwung eine Saugglocke und pömpelte, als ob es kein Morgen mehr gäbe, gegen den Schwall aus Kacke an, der uns entgegen sprudelte. Ein paar Pfützen bildeten sich bereits auf den Fliesen. Es sah aus wie die Mecklenburgische Seenplatten bei Google Earth. Nur mit Fäkalien.

"Fuck, fuck, fuck, fuck, fuck", wütete Martin. "Das ist der Nachbar unten. Der geht Abends scheißen und dann schwimmt es zu mir hoch." Lachswanderung, dachte ich noch. Aber ich sagte nichts, denn unter seinem Gebrüll und dem Geschmatze der zugekoteten Bedürfnisanstalt war kein Raum mehr für Witze. War ja auch schon amüsant genug, mitzuerleben, mit welcher Geschwindigkeit eine schrottige Latrine unseren erotischen Höhenflug zum Absturz bringen konnte.

"Das kann jetzt dauern", sagte Martin irgendwann, ganz erfahrener KFZ-Mechaniker. "Pinkel' einfach in die Badewanne." Er wies mit seinem Ellenbogen nach links und gab mir einen verrutschten Kuss, der wohl sagen sollte: Nur keine Scheu. Scheu konnte ich mir aber eh nicht mehr erlauben. Ich dachte, meine Blase platzt. Und ganz ehrlich: Was hätte Juno gemacht?

"Ich hockte mich zielgenau über den Abfluss, weil: Wenn schon vor den Augen des Dates in die Wanne pinkeln, dann mit Anstand."

Ich tat also wie geheißen und hockte mich zielgenau über den Abfluss, weil: Wenn schon vor den Augen des Dates in die Wanne pinkeln, dann mit Anstand. Nicht, dass sich noch Urinspuren in die Keramik fräsen. Und während ich das berauschende Gefühl erlebte, das nur jemand kennt, der unmenschlich lange anhalten musste, löste sich exakt zeitgleich der Kackeklumpen des Nachbarn und floss endlich ab.

Ich sagte "Ahhh." Das Klo machte "Schlurps". Obwohl Martin ein guter Liebhaber war, war dies der befriedigendste Moment dieses Dates.

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Es gibt nur eines, was unter der Dusche befreiender ist als Masturbation: Pinkeln.Bild: iStockphoto / Oshepkov

Wir schauten uns an. Es war ekelhaft und ungefiltert, aber auch maximal intim. Ich, mit der Unterhose zwischen den Fußknöcheln hängend über seinem Abfluss. Er, noch mit dem karottenfarbenden Abflusssauger in der Hand.

Dann schmiss er den Pömpel beiseite und wortlos kletterte ich auf die Matratze zurück. Wir brauchten nichts sagen, wir waren uns stillschweigend einig: So beschissen darf eine gute Nacht nicht enden. Da musste jetzt noch was anderes kommen, und zwar am besten wir beide.

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