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Rauchen aufhören: Tipps, wie man es schafft, obwohl man es liebt

Woman with headphones sitting next to the window and smoking a cigarette.
Musik hören, eine Zigarette rauchen und einfach in Gedanken schwelgen: Eine Zigarette war immer auch ein bisschen Me-Time.Bild: Getty Images / E+/ urbazon
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Ich liebe das Rauchen – trotzdem habe ich aufgehört und vermisse es nicht

02.01.2024, 07:5302.01.2024, 09:55
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Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich bald aufhören würde zu rauchen, hätte ich vermutlich genüsslich an meiner Zigarette gezogen und diesem Menschen den kompletten Dunst ins Gesicht geblasen. Danach wäre ich in schallendes Gelächter ausgebrochen – und jede:r, der mich kannte, hätte mitgelacht.

Ich und Nichtrauchen? Das war wie Espresso ohne Martini an einem Samstagabend: möglich, aber ziemlich sinnlos. (Dass ein Espresso Martini mit Wodka gemixt wird, ist mir bewusst. Der Vergleich klingt einfach nur schöner.)

Ich habe nicht nur gern geraucht. Ich habe es wirklich geliebt. Für mich hatte das Rauchen etwas mit Freiheit zu tun. Der frische Zigarettenrauch war mein Duft der Unabhängigkeit. Jeden schönen Moment verband ich damit.

"Ich rauchte eine Zeit lang so viel, dass selbst gestandene Raucher:innen über mich nur staunen konnten."

Mein Tag startete immer mit drei Kippen am Morgen. Ich öffnete die Augen, wankte zur Kaffeemaschine und zündete mir eine Zigarette an. Ich genoss die Stille, bevor die Hektik des Alltags über mich hereinbrach. Es war meine persönliche Stunde, die ich mir morgens gönnte, bevor ich Mails, Whatsapp-Nachrichten oder sonst was beantwortete. Diese Zeit war nur für mich bestimmt.

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Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Morgen auch anders starten kann.

Ich rauchte eine Zeit lang so viel, dass selbst gestandene Raucher:innen über mich nur staunen konnten. "Du bist der einzige Mensch, den ich kenne, der lieber aufhören würde zu atmen statt zu rauchen", sagte eine Freundin mal zu mir. Ich war sogar ein bisschen stolz darauf, dass mich die Leute so wahrgenommen haben.

Neben mir hätte der Marlboro-Mann wie ein braver Klosterschüler ausgesehen.

Der Moment, als mir Kippen nicht mehr schmeckten

Aber dann änderte sich für mich einiges. Eine Frau, die ich sehr gern hatte, starb mit Anfang 50 an Lungenkrebs. Es dauerte nur knapp zwei Monate von der Diagnose bis zum Tod.

Ja, Rauchen kann tödlich sein. Das steht auf jeder Schachtel. Und ja, Rauchen erhöht das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und bla bla bla.

Rauchen
Ein Bier in der einen, die Zigarette in der anderen Hand: Mit dem Rauchen verband ich nur Schönes.Bild: Getty Images / Bobex-73

Was nicht draufsteht: Rauchen wird dein Leben dann ficken, wenn du es am wenigsten erwartest. Und zwar nicht erst, wenn du 80 bist und "schon alles gesehen hast" – sondern, wenn du mitten im Leben stehst.

Danach rauchte ich erstmal weiter, doch nicht mehr mit demselben Genuss wie vorher. Jeder Zigarette mischte sich ein fader Beigeschmack bei. Aus dem Duft der Freiheit wurde der Gestank der Abhängigkeit.

Also beschloss ich, dass mein anstehender Urlaub der letzte als Raucherin sein wird. Meinen Partner weihte ich in diese Idee ein. Besser gesagt: Ich entschied für uns beide, dass wir aufhören werden. Allein hätte ich das ohnehin nicht durchgezogen.

Am Pool in der Sonne konnte ich meine letzten Kippen auch wirklich genießen.

Die Panikattacke vor der letzten Zigarette

Am Morgen unseres Rückflugs raste mein Herz, mir war kotzübel, ich bekam nichts herunter. Es dauerte eine Weile, bis ich verstand, dass ich eine Panikattacke hatte.

Ich wurde wütend: Wie kann mich allein der Gedanke ans Aufhören in Angstzustände versetzen? Mir graute es jetzt schon vor den nächsten Wochen und Monaten. Aber ich gab nicht nach.

Eine Panikattacke handle ich wie die Erziehung eines Hundes: Gibst du einmal nach, machst du es immer.

"Wie können Leute ihren Feierabend genießen, wenn sie sich nicht mit einer Kippe belohnen?"

Wieder in Deutschland war es überraschend einfach, dem Drang zu widerstehen. Da mein Partner ebenfalls nicht mehr rauchte, kam ich nicht in Versuchung. Hätte er einfach weitergeraucht, wäre das deutlich schwieriger gewesen.

Doch solange man "nur" zu Hause ist, hat man leicht reden. Denn irgendwann muss man das Schneckenhaus verlassen, rein in die wirklich schwierigen Situationen – und das sind eigentlich erstmal fast alle: Der erste Kaffee mit einer Freundin in der Sonne, der erste Cocktail und das erste Mal, dass dich irgendwas so richtig anpisst.

Das sind alles Situationen, in denen ich sofort zu einer Zigarette gegriffen hätte. Meist nicht nur eine, sondern auch gerne mal drei hintereinander. Das ging plötzlich nicht mehr. Was machte ich also stattdessen?

Ich habe einfach mit allen Gewohnheiten, die ich mit der Zigarette verbunden habe, genauso weitergemacht. Das würde ich auch jedem raten. Denn spätestens nach dem viereinhalbten Mal merkt man plötzlich: Ach, es geht auch ohne Kippe.

Das konnte ich mir vorher nie vorstellen: Wie können Leute ihren Feierabend genießen, wenn sie sich nicht mit einer Kippe belohnen?

Die Antwort ist banal: Nichtraucher:innen belohnen sich einfach mit Feierabend!

Feierabend? Rauchen! Das gehörte für mich immer zusammen.
Feierabend? Rauchen! Das gehörte für mich immer zusammen.Bild: unsplash / Daniel Monteiro

Die Zigarette ist nicht die Belohnung, sie macht den Feierabend nicht schöner und lässt den Wein nicht besser schmecken. Wirklich nicht. Auch wenn man es als Raucher:in glaubt.

Der absolute Härtetest: Feiern als Nichtraucherin

Die härteste Probe war für mich tatsächlich die Firmen-Weihnachtsfeier. Denn da machen selbst Nichtraucher:innen plötzlich eine Ausnahme: Einmal wild sein und doch mal an der Kippe ziehen. Wenn man sonst im Alltag nie raucht, mag das funktionieren. Für mich durfte es aber keine Ausnahme geben. Nach zwei rauchfreien Monaten könnte mich diese eine Zigarette direkt wieder zurückwerfen.

Als eine Kollegin mit einer Vape um die Ecke kam, schnappte ich sie mir. Ja, ich gebe zu, ich habe es nicht komplett ohne Nikotin geschafft. Aber nach gefühlt sieben Drinks war diese Vape die Rettung, dass ich am Ende doch nicht schwach wurde.

"Wer weiß, ob ich im Sommer zu einem Aperol Spritz nicht doch noch Lust verspüre, mal eine zu rauchen."

Dadurch, dass ich vorher nie was mit E-Zigaretten anzufangen wusste, war das für mich kein Rückfall. Ich wusste, dass ich nicht morgen früh aufwachen und das plötzliche Verlangen nach einer Vape haben werde.

Nach etwa vier Wochen kam der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich schon eine Weile nicht mehr ans Rauchen dachte.

Ich habe auch kein Problem damit, bei Raucher:innen dabeizustehen. Noch immer gehe ich mit meinen Kolleg:innen vor die Tür. Ich will nicht auf den sozialen Aspekt des Rauchens verzichten.

Mich nervt auch diese militante Nichtraucher-Kultur. Leute, die angewidert das Gesicht verziehen, wenn neben ihnen im Biergarten geraucht wird. Komischerweise würde dieselbe Person nicht das Gesicht verziehen, wenn nebenan zehn Bier getrunken werden. Obwohl Alkohol in meinen Augen viel gefährlicher ist. Ich kenne keinen Menschen, der unter Nikotineinfluss aggressiv geworden ist oder eine Gefährdung im Straßenverkehr darstellt.

Was ich aber an mir selbst nicht vermisse, sind die stinkenden Ärmel, den seltsamen Geschmack im Mund, die ständige Überlegung, wann ich die nächste Kippe rauchen kann.

Ich könnte noch viele andere Dinge aufzählen, die mir als Nichtraucherin nicht mehr fehlen – doch nur eine Sache, die ich tatsächlich vermisse: das Gefühl, an der Zigarette zu ziehen. Dafür gibt es (noch) keine Alternative.

Ich habe mir übrigens nicht vorgenommen, nie wieder auch nur eine Zigarette anzufassen. Wer weiß, ob ich im Sommer zu einem Aperol Spritz nicht doch noch Lust verspüre, mal eine zu rauchen. Ich will nur nicht, dass die Sucht mich beherrscht und die Ausnahme zur Regel wird.

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