Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Image

Bild: imago/montage

Grönemeyer fand beim Thema Flucht die falschen Worte – meint es aber gut!

Herbert Grönemeyer sagt:

"Ich halte die Flüchtlingssituation für einen Glücksfall. Weil wir endlich wieder gefordert werden, Engagement zu zeigen."

F.A.Z.

Da hat der Sänger ganz schön einen rausgehauen. Für den Kontext: Der Musiker sagte außerdem, dass er das Handeln von Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Flüchtlingskrise 2015 für  "hoch humanistisch" halten würde. 

Und: Merkel habe gezeigt, "dass wir wieder Empathie in unserem saturierten Land zeigen. Wir können Schutz bieten – das ist ein riesiger Glücksfall, eine große Leistung", so Grönemeyer.

Nun wird über Grönemeyers Satz gestritten. Kritiker haben vor allem zwei Argumente gegen ihn parat. Eine Sache beachten sie dabei aber nicht: 

Kritik 1: Ein "Glücksfall", Ihr Ernst Herbert Grönemeyer?

Menschen, die vor einem Bürgerkrieg fliehen zu einem "Glücksfall" für unsere Gesellschaft zu machen, ist unglücklich formuliert und für viele Kritiker ist es zudem zynisch. 

Denn: Wir sprechen hier immer noch von Menschen und die sollten wir tatsächlich nicht im Sinne selbsttherapeutischer Zwecke missbrauchen. Wir haben kein Recht darauf, sie dafür heranzuziehen, um uns endlich mal gebraucht und moralisch toll zu fühlen. Wo Menschen aus Angst vor dem Tod aus zerbombten Städten fliehen, darf es nicht um uns und unsere Egos gehen. 

65.000 Menschen zeigen in Chemnitz: #WirSindMehr

Play Icon

Video: watson/Felix Huesmann, Marius Notter, Lia Haubner

Kritik 2: Denn Sie wissen, was Sie tun! 

Wie bei allem, was ein Künstler macht, muss man sich fragen: Warum jetzt und warum so? Und auch hier haben Kritiker von Herbert Grönemeyer einen Grund entdeckt: Am historischen 9. November hat er sein jüngstes Album "Tumult" herausgebracht und befindet sich mitten in der Promophase dafür. Die Platte wird als außergewöhnlich politisch eingestuft und damit ist auch klar, dass Journalisten mit dem Musiker in Interviews über Politik sprechen. 

Klar ist dabei auch: Grönemeyer hat ein Millionenpublikum, das alles was er sagt in sich aufsaugt wie ein Schwamm. Viele sagen deshalb, er müsse gerade in so einer Promophase vorsichtiger sein. 

Dennoch fällt eine Einordnung schwer! 

Die Krux an der Sache ist: Herbert Grönemeyer setzt sich nicht erst seit gestern für Flüchtlinge ein und stellt sich gegen Nazis. Er ist einer der wenigen Popstars, der sich seit Jahren ganz deutlich äußert – ohne Angst zu haben, die Käufer seiner Musik zu vergraulen.  

Hier nur ein paar wenige Beispiele:

Fazit: Wir müssen Grönemeyer glauben, dass er es gut gemeint hat, aber seine Worte einfach falsch gewählt hat. Wir müssen ihm hier also einen Vertrauensvorschuss geben. Sein aktuelles Album wird als "Soundtrack gegen den Rechtsruck" gefeiert.

Das gibt ihm aber noch lange nicht das Recht, das Leid anderer Menschen als "Glücksfall" zu bezeichnen. Auch wenn er das vielleicht gar nicht so gemeint hat.

Wie stehst du zur Aussage von Herbert Grönemeyer? Schreib es uns in die Kommentare!

Mehr zum Thema Rechtsextremismus:

Was WhatsApp dazu sagt, dass Rechtsextreme sich verbotene Nazi-Sticker schicken

Link to Article

Wie dieser Dozent rechtsextreme Störer bei seinem Vortrag blamierte

Link to Article

Jeder dritte Deutsche denkt ausländerfeindlich oder antisemitisch, warnt eine Studie

Link to Article

"Hau ab aus Deutschland" – Überfall auf jüdisches Lokal in Chemnitz

Link to Article

Das steckt hinter den Nazi-Flyern in der Uni-Bibliothek in Berlin

Link to Article

Rechte verbreiten Zweifel am Suizid eines "Hogesa"-Aktivisten – der Faktencheck

Link to Article

AfD marschierte in Chemnitz mit Terror-Sympathisanten

Link to Article

So erklärte die AfD Satire-Dreharbeiten zum Möchtegern-Skandal

Link to Article

Fraktionsräume von Pro Chemnitz durchsucht

Link to Article

70.000 Hass-Nachrichten – Journalist gerät ins Visier von AfD und Rechtsextremen

Link to Article

AfD will offenbar verhindern, dass ihre Mitglieder mit Neonazis demonstrieren

Link to Article

Straftäter und russische Hooligans – so vernetzt sich die Neonazi-Szene beim Kampfsport

Link to Article

Nach Chemnitz: "In der Polizei gibt es Sympathie für das rechtsextreme Spektrum"

Link to Article

Lichtenhagen, Heidenau, Köthen – so stacheln Neonazis rassistische Stimmungen an

Link to Article

Thomas Oppermann will, dass Verfassungsschutz AfD-Kontakte zu Neonazis prüft

Link to Article

Wie Reichsbürger in gelben Westen eine Autobahn lahmlegen wollten 

Link to Article

AfD-Politiker verbreitet Schmäh-Karikatur – und will von Antisemitismus nichts wissen

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Sie stoppten einen Vergewaltiger – und müssen sich jetzt gegen die AfD wehren

Da beweist man Zivilcourage und schon landet man als Postermädchen der AfD auf Facebook. So ist es Linda Cariglia und Karolina Smaga passiert.

Die zwei Frauen aus NRW stoppten einen Vergewaltiger in Bielefeld, den sie auf frischer Tat ertappten, zogen ihn vom Opfer runter und rannten sogar hinter ihm her, als er flüchtete – während eine Gruppe männlicher Augenzeugen keinen Finger rührte. Auch watson.de berichtete am Wochenende über das Engagement der Frauen.

Was zwar für den Tathergang …

Artikel lesen
Link to Article