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"Was redet die da?" Warum ich mir von der Ärztin keine Abtreibung einreden ließ

Simone Gaub ist Mutter von vier Kindern. Während ihrer letzten Schwangerschaft erfuhr sie, dass ihre Tochter mit Trisomie 21 zur Welt kommen würde – was Gaub allerdings nicht schockierte, sondern sie noch mehr mit ihrem ungeborenen Kind verband. Deswegen stand für sie fest: Eine Abtreibung kommt nicht infrage. Gaub ist auch dagegen, dass der Bluttest zur Feststellung des Down-Syndroms Kassenleistung wird, worüber der Bundestag kürzlich debattierte. Watson hat sie ihre Geschichte erzählt.

Eines Tages erreicht mich der Anruf meiner Ärztin.

Ich war zu diesem Zeitpunkt 44 Jahre alt, dreifache Mutter und in der 17. Woche schwanger mit meinem vierten Kind. Den pränatalen Bluttest vor ein paar Wochen hatte ich nur gemacht, um frühzeitig das Geschlecht meines ungeborenen Kindes herauszufinden – nach drei Söhnen hoffte ich sehr auf ein Mädchen. Obwohl ich einen Jungen natürlich auch genommen hätte. Selbstverständlich.

Am Telefon teilte mir die Ärztin nun mit, dass die Ergebnisse des Tests da wären:

"Ich muss Ihnen allerdings leider mitteilen, dass das Testergebnis mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf Trisomie 21 hinweist."

"Ja. Aber welches Geschlecht hat es denn?"

"Es wird ein Mädchen."

"Ein Mädchen – das ist ja toll!"

"Haben Sie gehört, was ich eben gesagt habe?"

"Ja, ich bekomme ein Mädchen mit Down-Syndrom."

Der Bluttest wies auf Down-Syndrom hin – aber ich freute mich auf mein Mädchen

Nachdem ich den Hörer aufgelegt hatte, dachte ich darüber nach, was ich soeben gehört hatte: Mein Kind würde mit einer Behinderung auf die Welt kommen. Fühlte ich nun Betroffenheit? Nein, da war kein schlimmes Gefühl. Ich freute mich vor allem auf mein Mädchen.

Später erst, am Abend, musste ich weinen, weil ich Angst bekam. Nicht, weil ich mich davor fürchtete, ein Kind mit Behinderung großzuziehen – sondern weil ich Angst hatte vor den gesundheitlichen Folgen, die das Down-Syndrom mit sich bringen könnte – wie einen Herzfehler zum Beispiel.

Was ist das Down-Syndrom?

Bei einem Down-Syndrom haben Menschen in jeder Zelle ein Chromosom mehr als andere Menschen. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden, daher auch die Bezeichnung Trisomie 21. Folgen sind körperliche Auffälligkeiten und eine verlangsamte motorische, geistige und sprachliche Entwicklung. Die Ausprägungen sind aber sehr unterschiedlich.

Ich hatte Angst – nicht vor dem Down-Syndrom, sondern vor einem Herzfehler

Anstatt dass mich diese Angst von meinem ungeborenen Kind entfremdete, fühlte ich mich umso mehr mit ihm verbunden: Ich wollte dieses kleine Wesen in meinem Bauch schützen. Komme, was wolle.

Emilie ist mittlerweile eineinhalb Jahre alt und glücklicherweise gesund. Zwar hat sie ein Chromosom mehr als ihre Brüder – aber deswegen lieben wir sie nicht weniger.

Ich befürchte, dass deutlich weniger Kinder wie Emilie auf die Welt kommen werden, wenn der Bluttest, mit dem Trisomien festgestellt werden können, tatsächlich Kassenleistung wird.

Down-Syndrom ist für viele Menschen ein Grund zur Abtreibung

Für viele Menschen ist ein positives Testergebnis nun mal Grund, sein Kind abzutreiben – was übrigens nicht an dem Test an sich liegt, sondern an unserer gesellschaftlichen Haltung, wie wir mit Behinderungen umgehen.

Ich erinnere mich, wie ich einen Tag, nachdem ich mit meiner Ärztin telefoniert hatte, bei ihr in der Praxis saß. Sie sprach davon, dass ich bis zur 22. Schwangerschaftswoche Zeit hätte, mein Kind abzutreiben. Sie erklärte, wie die Abtreibung ablaufen würde – dass mein Kind die künstlich erzeugten Wehen sehr wahrscheinlich nicht überleben würde. Und wenn doch, dass die Ärzte dann eine Kalium-Spritze in die Nabelschnur setzen müssten, um den Fötus absterben zu lassen.

"Was redet die da eigentlich?", dachte ich, als die Ärztin von Abtreibung sprach

Ich schaute währenddessen aus dem Fenster und dachte: "Was redet die da eigentlich?"

Ich unterbrach die Ärztin und bat sie, nicht mehr über Abtreibung zu sprechen. Für mich war von Anfang an klar, ich will mein Kind behalten.

Um ehrlich zu sein, kann ich es nicht ganz nachvollziehen, warum sich für manche Frauen nach einer solchen Diagnose die Frage stellt, ob sie ihr Kind noch bekommen möchten.

Natürlich gibt es Fälle, in denen Frauen ungewollt oder unverhofft schwanger werden. Wenn sich jemand allerdings bewusst dafür entscheidet, Kinder zu bekommen, dann sollte doch dieser Wunsch im Vordergrund stehen, oder? Und nicht die Tatsache, ob das Kind blond oder braunhaarig ist, groß oder klein – oder eben eine Behinderung hat oder nicht.

Ein Bluttest für Trisomie 21 setzt ein falsches Zeichen

Man kann sich sein Kind nicht aussuchen. Und viele wollen das auch gar nicht. Ein Bluttest, der von den Krankenkassen finanziert wird und in der Hinsicht eine Entscheidung beeinflussen kann, setzt meiner Meinung nach ein dementsprechend falsches Zeichen.

Die meisten Eltern von Kindern mit Down-Syndrom, die ich kenne, haben übrigens keinen Test gemacht. Und ich bin mir sicher, die Mehrheit von uns ist glücklich damit.

Protokoll: Agatha Kremplewski

Demo gegen Down-Syndrom-Bluttests: "Down ist in - nicht out"

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    Alle Leser-Kommentare
  • ZweiundVierzig 13.04.2019 11:46
    Highlight Highlight Was sagt der Vater dazu, was sagen die 3 anderen Kinder dazu? Wer bezahlt das alles?

    Aus meiner Sicht eine sehr egoistische und emotionale Entscheidung die die langfristigen Konsequenzen für die Familie und vor allem das Kind nicht berücksichtigt.

    Natürlich kann man Glück haben und es ist eine Milde Form und, wenn nicht?

    Wir ziehen Fahrradhelme an und bauen Rauchwarnmeldern ein um statistisch minimale Lebensrisiken abzusichern, aber bei einer faktisch feststehenden "Krankheit" die mit Sicherheit schwerwiegende Einschnitte im Familienleben verursachen wird, da ist alles egal?



  • Gregor Hast 12.04.2019 20:23
    Highlight Highlight Die Ärztin hat der jungen Mutter überhaupt nicht vorzuschreiben, was sie tun und zu lassen hat. Wenn sich das Mami für ihr Kind mit Down- Syndrom entscheidet, dann ist das ihre Sache und nicht der der Ärztin.
    • ZweiundVierzig 13.04.2019 11:47
      Highlight Highlight Junge Mutter mit 44 - Das ist immer noch eine Hochrisikoschwangerschaft.

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