Penis-Tracker: Warum ihr dieses Gerät lieber nicht nutzen solltet

07.06.2019, 19:30

In der "Sesamstraße" gibt es eine Figur, die heißt Graf Zahl. Graf Zahl wohnt in einem Schloss und zählt alles, was ihm in die Quere kommt: Blumen, Äpfel, Fledermäuse.

Graf Zahl ist ein wenig perfide und latent neurotisch, aber mit seinem Zahlenzwang vor allem: von vorgestern.

Denn heute müssen wir nicht mehr selber zählen lernen. Wir lassen zählen. Smartphones zählen unsere Kontakte, unsere Likes und unser Schlafverhalten; Fitnesstracker unsere Schritte, unsere Geschwindigkeit, unseren Kalorienverbrauch.

Und nun gibt es sogar ein Gerät, mit dem sich das Freizeitverhalten eures Penis messen lässt.

Ja. Hätten wir auch nicht gedacht, dass Graf Zahl und ein Penis-Tracker mal in einem Text beisammen finden würden, aber wir schreiben halt das Jahr 2019. Und nun gibt es halt einen Graf Zahl des Penis: Ein Tracker, der die Zahl der Stöße beim Sex misst.

Der I.Con-Ring von "British Condoms" (kostet ca. 67 Euro) soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Dabei handelt es sich um einen Ring, der beim Sex um den Schaft des Penis gelegt wird, und der dabei einiges zählen soll: Die Anzahl der verbrannten Kalorien, die Geschwindigkeit der Stöße, die Anzahl der Stöße, die Dauer des Sex.

"Hast du dich schon mal gefragt, wieviele Stöße du ausführst? Wie schnell die sind? [...] Willkommen in der Zukunft der Wearables in eurem Schlafzimmer!"
"British Condoms" über das i.Con

Wir haben ein kurzes Momentchen gebraucht, um diese Nachricht zu verdauen, möchten uns aber jetzt die Zeit nehmen, um euch davor zu warnen.

Denn:

  • Sex ist kein Wettkampf I: Schwanz- oder sonstige Vergleiche sind so ziemlich das unlustvollste, was wir uns vorstellen können. Wer wie lange, wie oft und wie schnell zustößt (allein das Wort!), sagt nichts, wir wiederholen, NICHTS darüber aus, wie gut der Sex von der Partnerin empfunden wurde.
  • Sex ist kein Wettkampf II: Es gibt eine Szene in "Sex and the City", in der Carrie das zweifelhafte Vergnügen hat, bei einem One-Night-Stand von jemandem, man kann es nicht anders beschreiben, durchgerammelt zu werden. Sie wacht mit Schleudertrauma auf und lehnt eine Wiederholung dankend ab. Der Typ darauf hin: "Dabei haben wir Liebe gemacht!" Das ist lustig, aber es ist auch erschütternd. Klar, beim Sex muss es nicht gesittet und bedächtig zugehen, aber wer denkt, dass eine Frau mit maximaler Zustoß-Frequenz zu beglücken ist, der hat a) womöglich zuviele schlechte Pornos gesehen, b) nicht viel Ahnung von weiblicher Anatomie und c) ein Problem mit einem viel wichtigeren Körperteil: seinem Mund. Weil: Um herauszufinden, was gut war und was besser ginge, gibt es EXAKT eine Möglichkeit: mit der Partnerin darüber REDEN.
  • Sex ist kein Wettkampf III: Die Vorstellung, dass es Männer geben könnte, die dank dieses Trackers ihre Perfomance steigern wollen und ihre arme Partnerinnen bei jedem Stelldichein mit schnellerer Frequenz begatten, tut uns tatsächlich im Herzen (!) weh.
  • Sex ist kein Wettkampf IV: Penisse sind eine feine Sache, aber sie sind nun wirklich nicht alles, was ihr beim Sex zu bieten habt. Sex ist eine Ganzkörperangelegenheit. Wer aber mit Ring um den Schaft beischläft, der vergeigt sich leicht die Freuden, die der Rest eines männlichen Körpers so hergibt. Und das ist eine ganze Menge.
  • Sex ist kein Wettkampf V: Wenn ihr Kalorien verbrennen wollt, fahrt halt mal Fahrrad. Oder so.

Dr. G-Punkt über den Penis-Mythos

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