In Regalen einiger Supermärkte und Apothekenketten klaffen große Lücken.
In Regalen einiger Supermärkte und Apothekenketten klaffen große Lücken. Bild: NurPhoto / John Nacion

Babymilchpulver wird in den USA knapp im Supermarkt: Joe Biden schaltet sich ein

13.05.2022, 15:28

In vielen Supermärkten der USA wird Milchpulver für Babys knapp. Eltern suchen zunehmend verzweifelt nach Nahrung für ihre Neugeborenen und inzwischen wird das Thema auch im Weißen Haus heiß debattiert.

Grund für die klaffenden Lücken in den Regalen ist unter anderem die Schließung einer großen Produktionsstätte wegen einer mutmaßlichen Bakterienbelastung.

40 Prozent der Babynahrung ist ausverkauft

Um Panikkäufen vorzubeugen, haben die Apothekenketten CVS und Walgreens den Verkauf von Babynahrung inzwischen auf drei Packungen pro Einkauf limitiert. "Wir arbeiten weiterhin fleißig mit unseren Zulieferern zusammen dran, die Kundennachfrage zu erfüllen", sagte ein Walgreens-Sprecher gegenüber der Nachrichtenplattform "CNN Business".

Doch derzeit scheint dieses Versprecher noch nicht allzu erfolgversprechend. Die Statistikplattform "datasembly" berichtete im April darüber, dass in 31 Prozent der Supermarktfilialen der USA Babymilchpulver derzeit ausverkauft sei. In sieben Staaten waren es sogar über 40 Prozent und die Tendenz ist steigend.

Hersteller schließt Produktionsstätte

Stark schwankende Nachfrage, Lieferschwierigkeiten und Personalmangel im Zuge der Corona-Pandemie haben bereits im vergangenen Jahr zu einem abnehmenden Angebot geführt. Doch Hauptgrund für die Knappheit ist eine Rückrufaktion und die Schließung einer großen Produktionsstätte des Herstellers Abbott. Auslöser waren mehrere Krankheitsfälle und der Tod zweier Babys durch wohl eine Belastung durch Bakterien.

Der Verdacht konnte inzwischen aufgeräumt werden und das Unternehmen plant, die Produktion innerhalb der nächsten zwei Wochen aufzunehmen, doch bis die Babynahrung schlussendlich wieder für die Kundschaft verfügbar ist, kann es noch eine Weile dauern. "Vom Zeitpunkt des Produktionsstarts wird es sechs bis acht Wochen dauern, bis die Produkte wieder in den Supermarktregalen verfügbar sein werden", bestätigte ein Abbott-Sprecher in einer Pressemitteilung.

Empörung im Netz

Insbesondere vor dem Hintergrund des gescheiterten Entwurfes für ein landesweites Abtreibungsgesetz ruft die Milchpulver-Krise viel Frustration hervor. "Sollte ein Babynahrungs-Mangel nicht ein nationaler Notfall sein? Insbesondere in einem Land, was sich heftig zu Zwangsgeburten verpflichtet?", fragte eine Twitter-Userin empört.

Im US-Senat scheiterte der Versuch, das Recht auf Abtreibung mit einem bundesweiten Gesetz sicherzustellen – die Republikaner blockierten den Gesetzentwurf der Demokraten bei einer Abstimmung am Mittwoch. Es wird davon ausgegangen, dass das Oberste Gericht in den kommenden Wochen das landesweite Recht auf Abtreibungen aufhebt und einzelne Bundesstaaten ab dann selbst für die entsprechende Gesetzte rund um die reproduktive Gesundheit zuständig sind. Einige konservative Staaten haben bereits angekündigt, Schwangerschaftsabbrüche komplett zu verbieten.

"Nur, dass das klar ist, es gibt keine bezahlbare Kinderbetreuung, keine bezahlte Familienpause und jetzt gibt es einen Mangel an Babymilchpulver – aber auf keinen Fall darf eine Frau ihre eigene Entscheidung darüber treffen, ob sie ein Kind in diese Welt bringen möchte", protestierte eine Nutzerin auf Twitter.

"Die Krise ist nicht der Mangel an Babymilchpulver"

Auch die Monopolisierung der Wirtschaft und die mangelnde Regulierung des Kapitalismus wird im Netz heftig kritisiert. Ein Twitter-User bemerkte, dass die Lieferengpässe nur deshalb überhaupt möglich seien, "weil sich die Industrie auf einen Fast-Monopol reduzieren durfte und alles in sich zusammengefallen ist, als einer von zwei Herstellern seine Produktionsstätte schließen musste."

"Die Krise ist nicht der Mangel an Babymilchpulver", schrieb ein anderer Twitter-User. "Die Krise ist das eigenwillige Versagen des Landes, Kapitalismus zu regulieren. Ein Mangel an Babymilchpulver wegen eines kleinen Problems bei einem Hersteller ist nur ein Symptom."

US-Präsident Joe Biden steht unter Druck

Die Krise wird von einigen Anhängern der Republikanischen Partei dafür genutzt, um US-Präsident Joe Biden zu kritisieren. Derweil arbeitet dieser im Weißen Haus daran, die Supermarktregale wieder so bald wie möglich mit Babynahrung zu füllen.

Am Donnerstag traf sich der 79-Jährige mit einigen Industrievertretern, um zu beschließen, dass die Hersteller schnell und unbürokratisch produzieren sollen. Der Präsident betonte jedoch weiter, dass der Notfallplan "nicht die Sicherheit gefährden" dürfe.

(fw)

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