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Young woman buying gluten free bread at supermarket.

Bild: Getty Images

ZDF-Doku offenbart Erstaunliches: Was "regional" bei Edeka und Rewe wirklich bedeutet

Mehr Qualität und Nachhaltigkeit und vor allem Produkte aus der Region – so wollen sich große Supermarktketten wie Rewe oder Edeka von Discountern wie Lidl oder Aldi abheben.

Die Supermärkte werben dabei gerne mit Eigenmarken, die hochwertige Produkte aus der Heimat anbieten. Sei es "Unsere Heimat – echt & gut", "Mein Land" oder "Unser Hof" bei Edeka oder das Rewe-Pendant "Rewe Regional".

Doch woher kommen die Produkte wirklich? Und was heißt bei den Supermarktketten tatsächlich regional? Diesen Fragen geht der ZDF-Einkaufscheck "Rewe oder Edeka?" mit Moderator Nelson Müller auf den Grund.

Kunden wünschen sich mehr Regio-Produkte

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey wünschen sich fast 84 Prozent der Deutschen mehr regionale Produkte in ihren Supermärkten. Demnach liegen sowohl Edeka als auch Rewe mit ihrer teils regionalen Produktpalette im Trend.

Was regional allerdings genau bedeutet – darüber scheiden sich die Geister: So sagt eine Test-Person in der ZDF-Doku, die Lebensmittel müssten aus einem Umkreis von 50 bis 60 Kilometern stammen. Eine andere Testperson meint, 100 Kilometer seien auch in Ordnung.

Tatsächlich gibt es keine gesetzlichen Vorgaben in Deutschland, wann ein Supermarkt seine Produkte regional nennen kann. So könnten die Lebensmittel vom Bauernhof nebenan – aber auch aus einer ganz anderen Ecke aus Deutschland stammen.

Was ist regional? Rewe und Edeka sind schwammig

Edeka teilt Deutschland in sieben Genossenschaftsgebiete ein mit jeweils eigenen regionalen Marken, die es teilweise auch in mehreren Gebieten zu kaufen gibt. Regionale Produkte sollen aus den jeweiligen Genossenschaftsgebieten stammen. Bei Rewe gibt es nur eine regionale Marke. Wie viele Kilometer die Produkte bis zum Supermarkt zurückgelegt haben, erkennt man auf den ersten Blick als Käufer allerdings nicht, weder bei Rewe noch bei Edeka.

Auf die Frage, wie Edeka denn Regionalität definiert, antwortet Leiter der Unternehmenskommunikation Rolf Lange in der Sendung:

"Eine Definition von Regionalität kann's eigentlich gar nicht geben, weil jeder Kunde definiert Regionalität für sich selbst."

Als das Team von ZDF bei Rewe nachhakt, hat die Geschäftsführerin Maike Sanktjohanser von Rewe Petz eine ganz ähnlich unklare Antwort parat:

"Als Region versteht man einfach einen klar abgegrenzten Raum, wo der Verbraucher nachvollziehen kann: Ok, das verstehe ich – aber das ist eben sehr, sehr unterschiedlich, wie groß das ist oder wie der Radius ist, das ist nicht fest definiert."

Der Kunde entscheidet also selbst, was regional ist. Warum dann aber die Eigenmarken?

Diese Statement geben Rewe und Edeka über ihre regionalen Produkte heraus:

Wir von watson haben bei Edeka und Rewe nachgefragt, welche Kriterien Lebensmittel erfüllen müssen, um unter der regionalen Eigenmarke verkauft werden zu können und was Regionalität für die Supermärkte bedeutet.

In seiner Antwort schreibt Edeka uns, Regionalität sei dem Supermarkt ein wichtiges Anliegen. Der Edeka-Verbund sei genossenschaftlich organisiert und von rund 3.700 mittelständischen Kaufleuten getragen, die eigenständig über die Sortimentsgestaltung ihrer Märkte entscheiden.

Edeka hebt hervor, dass Edeka-Großhandlungen ihre regionalen Sortimente in unterschiedlicher Weise ausschreiben würden. Weiter heißt es: "Dabei kommen verschiedene Kriterien zum Tragen, zum Beispiel die Herkunft aus einer gewachsenen historischen Region, dem jeweiligen Bundesland oder dem jeweiligen Absatzgebiet der Edeka-Region, aber auch die geografische Nähe zwischen Produktions- und Verkaufsstätte."

Als Beispiel nennt Edeka die Regionalgesellschaft Minden-Hannover, wo die Lebensmittel "in einem Radius von 30 Kilometern um den jeweiligen EDEKA-Markt angesiedelt sind".

Rewe hat uns, bezogen auf seine Produkte der Marke "Rewe Regional", geantwortet:

"Die lokalen Produkte kommen unmittelbar aus der Stadt, der Gemeinde oder dem nahen Umkreis."

Der Radius der Herkunft sei in vielen Fällen selten größer als 30 Kilometer, heißt es weiterhin. Auf der Verpackung könne der Verbraucher übrigens nachvollziehen, aus welcher Region beispielsweise eine Möhre oder ein Apfel stammt.

"Die Herkunft eines 'Rewe Regional-Apfels', der am Niederrhein wächst und in Köln verkauft wird, wird dann mit Bundesland 'NRW' und 'Niederrhein' für den Verbraucher nachvollziehbar gekennzeichnet."

Weiterhin werden Zutatenherkunft und Verpackungsort sowie das "Regionalfenster" auf der Verpackung angegeben, das vom Trägerverein Regionalfenster e.V. vergeben wird. Am Ende entscheidet der Kunde allerdings selbst, ob das Kriterium Regionalität genügend für ihn erfüllt ist:

"Anhand dieser Informationen kann jeder Kunde für sich persönlich entscheiden, ob das Produkt für ihn 'regional' genug ist, auch im Hinblick auf die notwendigerweise zurückgelegten Strecken vom Feld über die Verpackungsstelle in den Supermarkt."

Über 100 Kilometer werden die Regio-Produkte transportiert

Tatsächlich stellt sich beim ZDF-Testkauf bei Edeka und Rewe in Berlin, Bochum, Frankfurt, Hamburg und München heraus: Die regionalen Produkte von Rewe sind im Schnitt 118 Kilometer vom Supermarkt, in dem sie verkauft werden, entfernt. Bei Edeka sind es sogar 133 Kilometer.

Dr. Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin hält die regionalen Marken der Supermärkte daher eher für Maßnahmen zur Imagepflege. In der ZDF-Sendung sagt sie:

"Das ist für uns natürlich eine typische Greenwashing-Strategie: Wir (die Supermärkte, Anm. d. Red.) vermitteln dem Verbraucher ein gutes Gefühl, dass er regional kauft, und eigentlich sind die Lebensmittel gar nicht regional."

Endgültige Klarheit bringen würde in diesem Fall anscheinend nur ein gesetzlich festgelegtes Regional-Label. Bis dahin werden Käufer wohl nur eine ungefähre Vorstellung davon bekommen, woher ihre regionalen Produkte wirklich stammen.

(ak)

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