Bevor die Tränen fließen: Es gibt viele Möglichkeiten, den Weihnachtsblues zu stoppen, der sich bei einem einsamen Fest einstellen kann.
Bevor die Tränen fließen: Es gibt viele Möglichkeiten, den Weihnachtsblues zu stoppen, der sich bei einem einsamen Fest einstellen kann.Bild: iStockphoto / dikushin
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"Einsamkeitssituation zu Weihnachten": Wie Ehrenamtliche in der Pandemie Trost spenden

26.12.2021, 12:42

Alle Jahre wieder... nun zumindest noch ein zweites Mal muss Weihnachten unter erschwerten Umständen stattfinden. Laut einer von watson in Auftrag gegebenen Umfrage des Meinungsforschungsunternehmen Civey gaben 60 Prozent der 5008 befragten Menschen an, dass es für sie denkbar wäre, das Weihnachtsfest alleine oder nur mit den Menschen aus ihrem eigenen Haushalt zu verbringen. Bedeutet auch: Pandemiebedingt werden die Festtage für viele Menschen in Deutschland erneut einsam. Das ist traurig, in manchen Fällen sogar belastend für die Seele.

Wohin mit diesen Gefühlen des Allein-Seins? Was kann man dagegen tun und wer hört zu, wenn es im Wohnzimmer leer ist? Watson hat eine Liste an Angeboten zusammengefasst, die das Weihnachten für Betroffene leichter machen kann und die Betreiber gefragt, wie genau sie helfen.

Du hättest gern Gesellschaft in der Corona-Einsamkeit?

Das ewige facetimen bist du leid und du hast keine Scheu davor ganz neue Menschen auf dem Sofa sitzen zu haben? Für Menschen, die auf der Suche nach Feiertagsbegleiter aus Fleisch und Blut sind, ist der Verein "Keiner bleibt Allein" gedacht.

Der Gründer Christian Fein erklärt im Gespräch mit watson: "Ich war selbst Ende 2016 in einer Einsamkeitssituation zu Weihnachten und hatte den Gedanken, allen anderen, denen es auch so geht, eine Möglichkeit zu bieten, gemeinsam in Gesellschaft zu treten." Schon im Jahr darauf rief er das heutige Vermittlungsangebot ins Leben. Es richtet sich, wie er sagt "an alle, die Gesellschaft zu Weihnachten oder Silvester suchen oder anbieten möchten." Über Facebook, Twitter oder Instagram können sich Interessenten melden und werden einander vermittelt.

Dieses Jahr ist 2G Voraussetzung für eine Vermittlung. Obwohl Fein eine gewisse Zögerlichkeit seit "der Pandemiesituation und Omikron", erlebt, berichtet er auch von anhaltend starkem Interesse an echten Begegnungen: "Wir haben relativ betrachtet wesentlich mehr Teilnehmer, die von sich selbst aus sagen, einsam zu sein. Insgesamt sind wir bei derzeit etwa 4400 Teilnahmen. Wir rechnen bis zum Ende des Jahres mit etwa 6000-7000." Vor der Pandemie, im Jahr 2019 waren es zum Vergleich etwa genau so viele, nämlich 65000.

Du bist Risikogruppe oder in Quarantäne und brauchst ganz praktische Hilfe?

Einige Unglücksraben werden Weihnachten dieses Jahr in Quarantäne verbringen müssen. Das ist an sich schon nervig, noch ärgerlicher wird es, wenn man eigentlich gerade jetzt Hilfe benötigen würde. Von Alleinerziehenden, die jemanden bräuchten, der mit dem Hund Gassi geht, bis hin zu Menschen, die eigentlich ihre pflegebedürftige Mutter bekochen müssen, sind alle möglichen Hilferufe bei den Quarantänehelden zu finden. Wer ebenfalls Hilfe braucht oder freie Zeit zur Verfügung hat, um seinerseits zu unterstützen, kann über das Portal unbürokratisch Menschen in der Nachbarschaft finden.

Eine Hilfe für Risikogruppen, die zwar nicht in Quarantäne sind, sich aber dennoch ungerne am öffentlichen Leben beteiligen, bietet CoronaPort. Die Initiative, welche vom 16-jährigen Noah Adler gegründet und vom Gesundheitsministerium unterstützt wird, setzt auf erweiterte Nachbarschaftshilfe, zum Beispiel für Einkäufe und Apothekengänge. Interessenten geben ihr Gesuch oder Angebot über ein Formular an.

Du schlägst dich mit düsteren Gedanken rum?

Einsamkeit kann noch ein bisschen verheerender sein für Menschen, die sowieso mit Ängsten, Depressionen oder sonstigen Problemen zu kämpfen haben. Nicht nur für sie ist die Telefonseelsorge auch an Weihnachten rund um die Uhr unter den Nummer 0800/ 111 0 11 oder 0800/111 0 222 da. Auch Mail und Chat sind über die Festtage und den Jahreswechsel verfügbar. Aus gutem Grund, wie Michael Hillenkamp, Vorsitzender des TSD anmerkt: "Weihnachten gilt in unserer Gesellschaft als positiver Jahreshöhepunkt. Für die Einsamen, Kranken und auch für viele beruflich oder familiär gestresste Menschen ist das Fest häufig eher ein Tiefpunkt."

Wer unter speziellen Stressfaktoren leidet, einer chronischen Krankheit oder psychischen Belastung, dem kann auch der Austausch unter Gleichgesinnten Trost schenken. Die kostenlose App "Helpcity" ist speziell dazu gedacht, Menschen miteinander zu verbinden, denen es ähnlich ergeht. Von Essstörungen, bis hin zu Krebsdiagnosen oder Süchten kann hier ein Austausch stattfinden. Gründer Paul Schonnebeck sagt watson, die Idee zur App "entstand aus meiner Zeit als Pflegekraft, in der ich auf viele Menschen traf, die allein lebten und den Kontakt zu anderen suchten."

Die Nutzer und Nutzerinnen geben an, "dass sie die Weihnachtszeit besonders belastet." Daher wird neben der digitalen Hilfe auch telefonische Unterstützung in diesen Tagen angeboten. In den Advent-Wochen sei das Engagement der App-Nutzer zudem messbar höher gewesen. "Das liegt mit Sicherheit an den Unsicherheiten und Ängsten der Pandemie und dem Wunsch nach Gemeinschaft - besonders in der Advents- und Weihnachtszeit", so Schonnebeck weiter.

Du bist noch Teenager?

Schon im ersten Lockdown gründete Kai Lanz den Krisenchat.de, eine digitale Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahren, die hier ihre Sorgen per Chat mit Ehrenamtlichen aus den Bereichen Psychologie, Psychotherapie oder Sozialpädagogik teilen können. Auch an Weihnachten ist das Angebot rund um die Uhr erreichbar.

Der WhatsApp-Chat als Kommunikationsform sei bewusst gewählt, erklärt er gegenüber watson: "Junge Menschen nutzen eben häufiger Chats, um zu kommunizieren, anstatt anzurufen. Erschwerend kommt hinzu, dass man zu Hause eben nicht immer telefonieren kann, weil man vielleicht keinen Raum hat, in den man sich in Ruhe und Sicherheit zurückziehen kann. Per Chat kann man auch lautlos laut sein."

Praktische Hilfestellungen zur mentalen Gesundheit trotz ewiger häuslicher Isolation unter Corona bietet auch das Projekt "Corona und Du" der Kinder- und Jugendpsychiatrie des LMU Klinikums München. Über Instagram werden praktische Tipps zu Bewegung, Ernährung und Motivation vorgestellt, die die mentale Konstitution stärken sollen.

Du kennst einen Senioren, der sich einsam fühlt?

Gerade für Senioren, die dieses Jahr noch weniger Kontakt zu ihren Angehörigen hatten als sonst schon, ist die Weihnachtszeit oft besonders schmerzhaft, weiß auch Eveline Harder: "Zu Weihnachten wird die Einsamkeit unerträglich. Einige der Senioren gehen aus Einsamkeit früh ins Bett, wachen mitten in der Nacht auf und wissen nicht, was sie tun sollen", berichtet sie im Gespräch mit watson.

Sie ist Ehrenamtliche bei "Silbernetz", einer kostenlosen Gesprächs-Hotline für Menschen über 60 Jahren, die oft niemanden zum Reden haben und einfach mal ein Gespräch benötigen. Bei Silbernetz sind die Hürden dafür bewusst niedrig: "Man ist anonym, kann offen reden und jederzeit auflegen", so Eveline weiter." Die Telefonnummer lautet: 0800/ 470 80 90 und ist jeden Tag von 8 bis 22 Uhr erreichbar.

Ähnliche Angebote gibt es inzwischen in vielen deutschen Regionen, darunter zum Beispiel die "Telefon-Engel" in Bayern, die frei nach dem Prinzip der Brieffreundschaft, Telefonpatenschaften vermitteln. Seniorinnen und Senioren können unter der Nummer 089/ 189 100 26 ihren Namen und ihre Nummer hinterlassen und werden dann von einem freiwilligen Helfer angerufen, mit dem sie über alles sprechen können, was sie bewegt. Verstehen sich beide Partien kann sich daraus eine langfristige Freundschaft entwickeln, die zum Teil auch schon zu Treffen im echten Leben führte.

Zusammenhalt, Gemeinschaft und Trost muss also auch dieses Weihnachten nicht ganz ausfallen. Es gibt Möglichkeiten, vielleicht sogar ganz neue Chancen, an diesem Weihnachtsfest selbst in einem leeren Wohnzimmer Menschen kennenzulernen und gute Gespräche zu führen. Und wer sich lieber mit den Leuten austauscht, die er bereits kennt: Eine Runde Skype und Glühwein hat schon manchen Weihnachts-Blues beseitigt...

Bier wird teurer – nur zwei Hersteller machen nicht mit

Der Kasten Bier wird bald 1 bis 1,50 Euro mehr kosten, sagen Branchen-Insider. Denn durch die Corona-Pandemie ist es für die Brauereien wesentlich teurer geworden, Bier herzustellen. Die "Lebensmittel-Zeitung" zitiert dazu Veltins-Chef Michael Huber, der die Preissteigerungen an höheren Kosten für Strom, Logistik, Rohstoffen und Kronkorken festmacht. Führende Brauereien wie Krombacher, Bitburger, Radeberger und Veltins haben deshalb schon angekündigt, ihre Preise im Frühjahr zu erhöhen.

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