Wieder ein digitales Fest? Angesichts der vierten Corona-Welle rät FDP-Politiker Volker Wisssing von Reisen an Weihnachten ab.
Wieder ein digitales Fest? Angesichts der vierten Corona-Welle rät FDP-Politiker Volker Wisssing von Reisen an Weihnachten ab.Bild: iStockphoto / Adrian Vidal
Analyse

Experte warnt vor Zusammenkünften an Weihnachten: "Jeder vermiedene Kontakt hilft, die Situation besser zu kontrollieren"

13.12.2021, 14:03

Die vierte Corona-Welle hat Deutschland fest im Griff. "Der Winter 2021 wird dramatischer als der Winter 2020", sagte Volker Wissing (FDP) gegenüber BILD am SONNTAG. Wegen der steigenden Infektionszahlen rät der designierte Bundesverkehrsminister, auf Reisen an Weihnachten zu verzichten und stattdessen zu Hause zu bleiben: "In der aktuellen Situation scheint es sinnvoller, Weihnachten im kleinen Kreis zu Hause zu verbringen und keine größeren Reisen durchs Land zu planen." Watson hat mit einem Epidemiologen darüber gesprochen, wie wirkungsvoll diese Maßnahme wäre und welche Schritte sonst noch notwendig sind, um die Infektionszahlen einzudämmen.

"Ein Vergleich mit 2020/21 muss berücksichtigen, dass wir uns damals in einen langen Lockdown begeben haben und infolgedessen eine Überlastung des Gesundheitswesens verhindert wurde", gibt Dr. Timo Ulrichs gegenüber watson zu Bedenken. Der Epidemiologe mit Professur an der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften zeichnet eine düstere Prognose für die nächsten Monate:

"In diesem Winter hat das Infektionsgeschehen schon sehr viel früher an Dynamik gewonnen. Es wurde lange Zeit nichts gemacht und jetzt haben wir bereits die Überlastung in vielen Regionen Deutschlands. Die Wochen bis Weihnachten werden diesbezüglich noch schlimmer: Es wird mehr Verlegungen durch die Luftwaffe geben, möglicherweise kommt es regional auch zu Triage und definitiv zu mehr Toten."

"Jeder vermiedene Kontakt hilft"

Eine Mehrheit der Deutschen hat aktuell kein Problem damit, große Zusammenkünfte an Weihnachten zu unterlassen. Das hat eine repräsentative Umfrage ergeben, die das Meinungsforschungsunternehmen Civey im Auftrag von watson durchführte. Dabei gaben 60 Prozent der Teilnehmenden an, dass es für sie denkbar wäre, die Feiertage alleine oder nur mit den Menschen aus ihrem eigenen Haushalt zu verbringen. 36 Prozent der Teilnehmenden könnten sich ein solches Weihnachtsfest in keinem Fall vorstellen.

Eine von watson beauftragte, repräsentative Studie, fragt danach, wie Menschen Weihnachten feiern werden.
Eine von watson beauftragte, repräsentative Studie, fragt danach, wie Menschen Weihnachten feiern werden. Bild: civey

"Jeder vermiedene Kontakt hilft, die Situation besser zu kontrollieren", sagt Ulrichs zu watson. Er mahnt zu mehr Tempo beim Impfen – vor allem das Boostern solle auch mit Vorausblick auf die sich ausbreitende Omicron-Variante "so schnell wie möglich flächendeckend umgesetzt werden".

"Reisen im eigenen Auto wäre epidemiologisch gesehen schon sicherer als im Zug oder Flugzeug."
Dr. Timo Ulrichs gegenüber watson

Ähnlich wirksame Alternativen zum Nichtreisen sieht der Experte nicht. Es wäre jedoch schon geholfen, wenn 2G in allen öffentlichen Verkehrsmitteln umgesetzt würde, auch in Fernzügen und Flugzeugen. "Allerdings käme so eine Regel schon ziemlich spät. Reisen im eigenen Auto wäre epidemiologisch gesehen schon sicherer als im Zug oder Flugzeug", erklärt Ulrichs.

Für diejenigen, die auf ein üppiges Fest an Heiligabend nicht verzichten können oder möchten, hat der Experte folgende Tipps, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren:

"Eine vorbereitende freiwillige Quarantäne vor Reiseantritt kann zusätzliche Sicherheit geben. Zudem sollten sich nur vollständig Geimpfte, besser noch Geboosterte, in Gruppen treffen. Kinder sind hiervon natürlich ausgenommen. Das gemeinschaftliche Singen sollte dieses Jahr am besten ausfallen oder eben nur mit Masken stattfinden. Das regelmäßige Lüften hilft, um Aerosole zu reduzieren und generell gilt: So wenige Kontakte wie möglich außerhalb des Familientreffens zu pflegen."

Babys erstes Weihnachten – so bemüht sich eine junge Familie um Normalität an den Feiertagen

Diese Maßnahmen wird auch Christopher Deubeler umsetzen, wenn er an Weihnachten seine Familie besucht. Der 33-Jährige Personalberater erzählt gegenüber watson, wie er letztes Weihnachten verbracht hat und was er für das kommende Fest plant. "Wir haben es letztes Jahr coronabedingt schon etwas entzerrt, da wir sonst an Heiligabend recht viele waren. So waren wir Heiligabend erst bei meinen Schwiegereltern, am 1. Weihnachtstag bei meinem Bruder und dessen Familie. Am 27. Dezember waren wir bei den Großeltern meiner Frau frühstücken." Dieses Jahr wird es der frisch gebackene Vater ähnlich strukturiert angehen: "Wir müssen jedoch noch abwarten, was dann erlaubt ist. Es sind soweit zwar alle geimpft. Meine Frau allerdings noch nicht, da sie gerade stillt."

"Wir versuchen Weihnachten weitestgehend normal zu verbringen, halten uns dabei an die rechtlichen Vorgaben", sagt Christopher. Die Älteren an den Festtagen zu meiden, findet er nicht gerecht: "Ich persönlich halte auch nichts davon, die Großeltern auszuschließen. Wenn Sie teilnehmen möchten, sollte man sie nicht bevormunden und auch ohne Corona kann jedes Weihnachten das letzte sein." In seiner eigenen Familie wird diesbezüglich offen kommuniziert: "Mein Opa wollte letztes Weihnachten wegen Corona lieber nicht mit zu vielen beisammen sein, was natürlich völlig in Ordnung ist, wenn diese Entscheidung von ihm kommt. Er wird dann auch nicht überredet, sondern alle akzeptieren seine Entscheidung."

"Opa soll an Weihnachten nicht alleine auf dem Sofa verbringen, wenn er das nicht möchte."
33-jähriger Familienvater Christopher Deubeler

"Sollte dann doch etwas passieren, möchte man sich nicht ausmalen, was man sich für Vorwürfe machen würde. Er ist mit 87 auch dementsprechend nicht mehr super fit", erzählt Christopher weiter über seinen Opa, der dieses Jahr im kleinen Kreis am Weihnachtsfest teilnehmen möchte. "Diesen Wunsch werden wir ihm nicht verwehren und alle möglichen Schutzmaßnahmen treffen. Wir testen uns, lüften regelmäßig und halten Abstand. Opa ist zudem doppelt geimpft und bekommt in den nächsten Tagen seinen Booster."

Für Christopher ist klar, dass er alle Schutzmaßnahmen umsetzen wird, um seinen Opa an Weihnachten dabei haben zu können: "Er soll an Weihnachten nicht alleine auf dem Sofa verbringen, wenn er das nicht möchte. Wir versuchen deshalb den Umständen und Verordnungen entsprechend das Beste aus der Situation zu machen, um ein schönes Weihnachten zu haben."

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