In Spanien wird ab sofort enorm Energie gespart. Das hat auch Auswirkungen auf den Tourismus.
In Spanien wird ab sofort enorm Energie gespart. Das hat auch Auswirkungen auf den Tourismus.Bild: imago images / imago images
Analyse

Urlaub in Spanien: Mit welchen Einschränkungen Reisende jetzt rechnen müssen

10.08.2022, 16:23

Der Tourismus boomt wieder im Lieblingsurlaubsland der Deutschen: Nach Spanien reisten dieses Jahr bereits mehr als 20 Millionen ausländische Touristen, wie das Spanische Fremdenverkehrsamt angab.

Gleichzeitig hat Spanien diese Woche ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Einsparung von Energie verabschiedet, um die Abhängigkeit von russischem Gas weiter zu reduzieren – und aus Solidarität mit Ländern in Gasnot, um im Notfall Gasreserven abtreten zu können, auch an Deutschland. Dazu gehören folgende Maßnahmen, die schnellstmöglich in allen spanischen Regionen und Städten umgesetzt werden sollen:

  • Die Beleuchtung von nicht benutzten Büros, Schaufenstern und Denkmälern muss nach 22 Uhr ausgeschaltet werden
  • Geschäfte, die automatische Türen haben, diese geschlossen halten, um je nach Jahreszeit das Entweichen von Wärme oder kühler Luft zu vermeiden.
  • Alle Gebäude des öffentlichen Sektors werden künftig ihre Räumlichkeiten im Sommer auf nicht weniger als 27 Grad abkühlen und im Winter auf höchstens 19 Grad beheizen dürfen. Und das gilt auch für Kaufhäuser, Kinos, Arbeitsstätten, Bahnhöfe, Flughäfen und Hotels.

Die neuen Temperaturregelungen gelten ab Dienstag (9.8.) und waren erst eine Woche zuvor verabschiedet worden. Landesweit werden also alle Spanier und Spanierinnen aus Solidarität mit anderen früher das Licht ausschalten und etwas mehr schwitzen.

Doch was ändert sich damit für Reisende, die jetzt ihren Urlaub in Spanien genießen wollen? Immerhin verbringen im August noch mehrere Tausend Menschen extra ihren Urlaub in Touristenhochburgen wie an der Costa Brava, auf den Kanaren oder Mallorca.

Watson hat für euch bei den Reiseunternehmen Holidaycheck und TUI, sowie beim spanischen Fremdenverkehrsamt nachgefragt, was sich für Urlauber ab jetzt ändert.

Auf Anfrage von watson stellt Arturo Ortiz, vom Botschaftsrat für Tourismus in Spanien, klar: "Die Energiesparmaßnahmen der spanischen Regierung betreffen Touristen und lokale Bevölkerung gleichermaßen."

Touristikkonzerne sehen noch Spielraum beim Energiesparen

Die Antworten der Reisebetreiber fallen dagegen abweichend aus: "Urlauber müssen sich mit den neuen Temperaturvorgaben nach aktuellem Stand 'arrangieren'", antwortet Christoph Heinzmann, Tourismusexperte bei HolidayCheck, auf Anfrage von watson. "In Richtung Herbst/Winter heißt dies zum Beispiel, die Kofferpackliste entsprechend anzupassen und ein Jäckchen mehr einzupacken."

Da der Beschluss jedoch erst vor ein paar Tagen erlassen wurde, könne Holidaycheck aktuell die Durchführung der Maßnahmen und auch die Definition von etwaigen Ausnahmen nicht abschätzen.

Auch Ressorts auf Gran Canaria wären eigentlich von den Energiesparmaßnahmen betroffen.
Auch Ressorts auf Gran Canaria wären eigentlich von den Energiesparmaßnahmen betroffen.Bild: imago

Denn hier stelle sich für das Reisebuchungsunternehmen noch die Frage, ob dieser auch Hotels einschließt, die unabhängig von Gas bereits durch nachhaltigere Technologien ihre Räumlichkeiten kühlen beziehungsweise wärmen würden.

"Aus diesem Grund können wir auch keine konkreten Vorbereitungstipps an die UrlauberInnen geben. Generell sollte die Berichterstattung aufmerksam verfolgt und sich im Vorfeld der Reise auf der Seite des Auswärtigen Amts informiert werden", ergänzt Tourismusexperte Heinzmann.

Diese Ansicht zur Ausnahme des Energiesparens im Hotelbetriebteilt teilt auch der Touristikkonzern TUI. Auf watson Anfrage antwortet Susanne Stünckel, Pressesprecherin von TUI Deutschland: "Nach unserem Kenntnisstand betrifft die neue Stromspar-Richtlinie der spanischen Zentralregierung öffentliche Räumen und nicht Hotelzimmer."

Stromsparen nicht zwingend in Hotelzimmern

Auch nach Angaben der "Mallorca Zeitung" dürften Urlauber auf der Insel ihre Hotelzimmer auch stärker als nur auf 27 Grad abkühlen. Die Begründung: das Hotelzimmer werde als privater Raum definiert und damit wie Privatwohnungen und -häuser nicht unter die Regulierung fallen..

Anders sehe die Situation für Gemeinschaftsräume, Buffet und Speisesäle von Hotels aus: In diesen darf ab sofort nur noch bis 27 Grad gekühlt, beziehungsweise auf 19 Grad geheizt werden.

Spanien bleibt energiesicher dank LNG-Terminals

Noch bis Ende August herrscht Hochsaison für Urlauber in Spanien. Ab Anfang September kehrt das spanische Parlament aus der Sommerpause zurück, das dann noch schärfere Regelungen erlassen könnte.

Die spanische Botschaft gibt jedoch vorerst Entwarnung: "Spanien ist nach wie vor ein sicheres Ziel für die Sommer- und Winterferien und seine Energieversorgung ist auch im kommenden Winter garantiert, da das Land nicht von russischem Gas abhängig ist", erklärt Arturo Ortiz vom spanischen Fremdenverkehrsamt.

Im Urlaub in Spanien wollen Touristen eigentlich nicht auf Energie und Klimaanlage verzichten.
Im Urlaub in Spanien wollen Touristen eigentlich nicht auf Energie und Klimaanlage verzichten.Bild: imago

"Spanien-Touristen müssen keine besonderen Maßnahmen ergreifen oder – anders als in der Heimat – Energieversorgungsprobleme in ihrem Urlaubsland fürchten." Denn Spanien kommt im Hinblick auf die kommenden Wintermonate vor allem seine energiepolitische Schlüsselrolle zugute: Es beherbergt sieben von europaweit 26 LNG-Terminals, das größte Europas steht dabei in Barcelona.

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