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Durch Ukraine-Krieg: Europäische Energiekonzerne verfünffachen Gewinne

Ein Graffiti zeigt den Todesstern aus Star Wars bedeckt mit den Logos global operierender Konzerne.
Ein Graffiti zeigt den Todesstern aus Star Wars bedeckt mit den Logos global operierender Konzerne.Bild: picture alliance / Uta Poss
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Europas Energiekonzerne profitieren massiv von hohen Öl- und Gaspreisen

28.07.2022, 12:3304.08.2022, 15:59
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Europas Energiekonzerne profitieren stark von den hohen Öl- und Gaspreisen infolge des Ukraine-Kriegs. Der britische Energieriese Shell verfünffachte seinen Gewinn im Quartal von April bis Juni auf 18 Milliarden Dollar (17,6 Milliarden Euro). Der französische Konzern TotalEnergies verdoppelte seinen Gewinn auf 5,7 Milliarden Euro, der spanische Ölkonzern Repsol steigerte den Gewinn im Vorjahresvergleich um mehr als Doppelte auf 2,54 Milliarden Euro.

TotalEnergie und RWE vervielfachen Gewinne: "Starke Performance"

"Russlands Invasion der Ukraine hatte weiterhin Folgen auf die Energiemärkte, mit Ölpreisen im Schnitt über 110 Dollar pro Barrel, Margen für Raffinerien auf Rekordhöhen, Gaspreisen teilweise höher als Ölpreisen in Europa und Asien", erklärte TotalEnergies am Donnerstag. Der Konzern habe mehr produziert und so "zur Energiesicherheit beigetragen". Repsol betonte, die guten Ergebnisse im ersten Halbjahr trügen dazu bei, die in der Corona-Krise erlittenen Verluste auszugleichen.

Ein Demonstrant hält ein Plakat, auf dem steht, dass die Ölkonzerne seit 50 Jahren täglich 3 Milliarden Pfund Gewinn machen, während einer Demonstration in Bloomsbury. Demonstranten von Just Stop Oil, ...
Demonstranten von Just Stop Oil, Extinction Rebellion und Insulate in London. Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com / Vuk Valcic

In Deutschland hatte der Energiekonzern RWE am Mittwochabend seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr stark nach oben korrigiert – das Unternehmen erwartet einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von fünf bis 5,5 Milliarden Euro statt bislang 3,6 bis vier Milliarden Euro. RWE verwies auf ein "außerordentlich gutes Ergebnis" bei der Stromerzeugung aus Wasser, Biomasse und Gas sowie eine "starke Performance" im Energiehandel.

Spanien will kriegsbedingte Gewinne besteuern

Die Zahlen der Konzerne dürften die Debatte über eine Besteuerung der hohen Gewinne infolge des Kriegs wieder befeuern. In Deutschland forderte zuletzt SPD-Chefin Saskia Esken eine solche Übergewinnsteuer. In Spanien hat die Regierung eine solche Steuer für kriegsbedingte Gewinne von Energiekonzernen für das kommende Jahr angekündigt. Damit will die Regierung 2023 und 2024 rund zwei Milliarden Euro einnehmen. Mit dem Geld will sie Entlastungspakete für die Bürgerinnen und Bürger finanzieren. Die Wirtschaftsverbände kritisieren, die Steuer schmälere das Investitionsbudget der Konzerne.

Bund stützt angeschlagenen Gasriesen Uniper

Erst vergangenen Freitag hatte sich die Bundesregierung und der dagegen aktuell angeschlagene Energiekonzern Uniper auf ein milliardenschweres Rettungspaket geeinigt. Das Stabilisierungspaket sieht laut Uniper eine Kapitalerhöhung von rund 267 Millionen Euro zum Ausgabepreis von 1,70 Euro je Aktie unter Ausschluss des Bezugsrechts der Aktionäre vor. Die Kapitalerhöhung führe zu einer Beteiligung des Bundes an Uniper von rund 30 Prozent. Das Unternehmen sei von überragender Bedeutung für die Energieversorgung der Bürger und von Unternehmen, begründete Bundeskanzler Olaf Scholz das Vorgehen. Uniper hat ausschließlich gewerbliche Kunden, darunter Stadtwerke. Sie könnten die höheren Kosten in einem nächsten Schritt aber weitergeben.

(mcm/ afp)

Expertenrat: Verkehrssektor verfehlt Klimaziel zum dritten Mal in Folge

Der Verkehrsbereich hat nach Angaben des unabhängigen Expertenrats für Klimafragen auch 2023 deutlich mehr Abgase verursacht als gesetzlich erlaubt. Statt der erlaubten 133 Millionen Tonnen CO₂ seien im Verkehr im vergangenen Jahr 146 Millionen Tonnen Treibhausgase entstanden, schreiben die Fachleute in ihrem am Montag in Berlin veröffentlichten Prüfbericht zu im März vorgestellten Daten des Umweltbundesamts (UBA). Damit verfehlt der Verkehrssektor sein Klimaziel das dritte Jahr in Folge.

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