Abnehmen und Entgiften durch Saftkuren – wie nachhaltig ist der Fitnesstrend? Watson hat den Selbstversuch gemacht und Frank Juice auf ihr Nachhaltigkeitsversprechen untersucht.
Abnehmen und Entgiften durch Saftkuren – wie nachhaltig ist der Fitnesstrend? Watson hat den Selbstversuch gemacht und Frank Juice auf ihr Nachhaltigkeitsversprechen untersucht.Bild: www.imago-images.de / Alexandra C. Ribeiro
Green Lab

Kurzzeitfasten: Wie nachhaltig ist die Frank-Juice-Saftkur? Experten prüfen für watson den Fasten-Trend

06.03.2022, 10:1615.03.2022, 09:52

Nach der dunklen Winterzeit sind gerade in den ersten Monaten des neuen Jahres viele motiviert, neben dem Frühjahrsputz auch den eigenen Körper mithilfe einer Entgiftungskur zu reinigen und eine sogenannte "Cleanse" durchzuführen: eine Fastenkur, bei der nur bestimmte Säfte statt einer festen Mahlzeit auf dem Speiseplan stehen.

Vor allem Kurzzeitfasten hat sich in den letzten Jahren als ernstzunehmender Trend durchgesetzt. Ob in den Storys verschiedenster Fitness-Influencer*innen oder auf Werbebannern in den U-Bahnstationen: Überall wird für die Wundersäfte geworben. Eine der am stärksten über Social Media und Adserver werbenden Marken ist Frank Juice.

Doch was steckt wirklich hinter dem cleanen und gesunden Image von Saftkuren? Watson hat den Hersteller von Frank Juice genauer unter die Lupe genommen.

Was verspricht Frank Juice?

Das Münchner Unternehmen startete seine Produktion im Jahr 2013. Den Namen Frank Juice haben die Gründer und Geschäftsführer Korbinian Gerstl und Daniel Andreoli ihrer Website zufolge gewählt, um auszudrücken, dass in ihren Säften keine Zusatzstoffe enthalten sind. Denn "frank" heißt auf Deutsch so viel wie "ehrlich, offen, frei".

"Der gesunde Juice Cleanse"
Werbeversprechen auf der Homepagefrank juice

Diesen Grundsatz vertritt Frank Juice auch bei seinen verschiedenen Kuren. Angeboten werden Saftkuren, Suppenkuren und Sets fürs Intervallfasten. Detox steht also bei Frank Juice auf dem Programm. Aber was genau soll das eigentlich bewirken?

"Reset, Rebalance und Refocus: Gönne Deinem Körper 72 Stunden Auszeit und konzentriere Dich auf die Dinge, die Dir besonders wichtig sind" – mit diesem Aufruf und ihrer Selbstbeschreibung als "der gesunde Juice Cleanse" verspricht Frank Juice eine Art gesunden Neustart.

Nach Rezensionen auf der Webseite des Herstellers berichten viele Fastende von einer höheren Konzentrationsleistung während der "Cleanse". Das ist schon verwunderlich, denn die Energiezufuhr ist währenddessen extrem verringert: Am Tag werden lediglich zwischen 683 und 937 Kalorien zu sich genommen. Je nachdem, für welche Kur man sich entschieden hat. Ein durchschnittlicher Erwachsener sollte aber zwischen 1.900 und 2.500 Kalorien zu sich nehmen – je nach Geschlecht, Alter und körperlicher Betätigung.

Aber kann Frank Juice diese Versprechen halten? Immerhin lässt sich der Hersteller die Säfte sehr gut bezahlen: Allein eine 3-Tagessaftkur kostet 84 Euro.

Verpackung & Versand

Watson-Autorin Saskia macht die dreitägige Saftkur und beschreibt ihre Erfahrung.

Ich bestelle mir die 3-Tages-Saftkur nach Hause und staune nicht schlecht, als das Paket bei mir ankommt: Es ist erstaunlich groß und schwer. Klar, es befinden sich schließlich auch 18 Flaschen darin. Aber nicht nur das: Um die Flaschen zu kühlen, sind Kühlpacks und Stroh-Isolierungen enthalten, außerdem noch Luftpolster, die das Paket füllen, damit die Säfte beim Transport nicht durcheinanderwirbeln.

Auf der Website beschreibt das Unternehmen, welche Funktion die einzelnen Komponenten erfüllen und wie sie umweltfreundlich und regelkonform entsorgt werden können.

Die Flaschen werden gekühlt geliefert.
Die Flaschen werden gekühlt geliefert.bild: saskia balser

Besonders verwundert bin ich darüber, dass die Flaschen aus Plastik sind, was wenig nachhaltig ist. Diese Verwunderung scheine ich mit vielen Kundinnen und Kunden zu teilen, denn auf seiner Website erklärt das Unternehmen ausführlich, warum es sich für Plastikflaschen entschieden hat:

"Wir arbeiten mit dem schonendsten und vitaminfreundlichsten Verfahren, um Lebensmittel zu konservieren und haltbar zu machen: HPP (High Pressure Processing). Da die Säfte nur durch Druck (6000 Bar) haltbar gemacht werden, funktioniert dieses Verfahren nicht mit Glas, da es platzen würde. Und deshalb standen wir vor der Entscheidung: Entweder toller Inhalt oder tolle Verpackung? Wir haben uns für Ersteres entschieden."
frank juice faq umwelt
So sieht der Inhalt des Pakets aus.
So sieht der Inhalt des Pakets aus. bild: saskia balser

Immerhin sind die Flaschen mit einem Pfandsticker versehen, sie können also beim nächstgelegenen Supermarkt abgegeben werden. "Durch die Einführung der Pfandabgabe können wir einen aktiven Beitrag zur CO₂-Einsparung, zur Energieeffizienz und zum Ressourcenschutz beitragen", schreibt Frank Juice auch auf seiner Website. Wie genau der Recycling-Kreislauf der PET-Flaschen aussieht, stellt das Unternehmen in einer Grafik dar:

Der Kreislauf der PET-Flaschen von Frank Juice.
Der Kreislauf der PET-Flaschen von Frank Juice.bild: thefrankjuice.com

Der Saft-Versuch

Tag 1

Ich starte topmotiviert in den Tag, kann mir aber noch nicht wirklich vorstellen, was es bedeutet, drei Tage lang keine feste Nahrung zu mir zu nehmen. Mein erster Saft (Apfel, Spinat, Gurke und Ingwer) schmeckt mir nicht so gut, dafür überzeugt mich der goldene: Ananas, Apfel, Minze – einfach lecker! Um die Mittagszeit herum habe ich draußen einiges zu erledigen – der Duft von frischem Thai-Curry, Pizza und Pasta weht von Restaurants auf die Straße, ab 13 Uhr knurrt mein Magen fürchterlich. Es ist eine Qual.

Wieder zu Hause angekommen lauern zwar weniger Versuchungen, aber meine Konzentration, die ich für meine Uni-Seminare benötige, lässt nach und ist deutlich geringer, als ich es von mir gewohnt bin. Aber ich halte durch.

Der Abend wird noch schwieriger. Ich versuche mich mit einer Serie von meinem Hungergefühl abzulenken und gleichzeitig den Rote-Beete-Saft, der extrem erdig und gesund schmeckt, verdünnt mit etwas Wasser zu trinken. Mich auf die Serie zu konzentrieren, fällt mir nicht leicht. Immer wieder greife ich zum Handy und scrolle durch Instagram, wo Kochvideos, Fotos von Pancakes und Werbung für vegane Produkte auf mich warten, die in mir die schlimmsten Gelüste erzeugen.

Der letzte Saft des Tages, der eher einem Shake aus Mandelmilch, Banane, Zimt, Vanille, Agave und Zitrone gleicht, besänftigt meinen Magen und lässt mich schon vor 23 Uhr selig einschlafen. Dieser Shake hat richtig gut getan.

Diese Reihenfolge der Säfte wird von Frank Juice empfohlen.
Diese Reihenfolge der Säfte wird von Frank Juice empfohlen.bild: saskia balser

Tag 2

Ich wache nach über 9 Stunden Schlaf auf und bin schon nach kurzer Zeit extrem hungrig. Der grüne Saft schmeckt mir heute viel besser als gestern und gibt mir direkt Energie. Zum Glück, denn vor mir steht ein achtstündiger Arbeitstag mit einer langen To-Do-Liste. Den goldenen Saft (Ananas, Apfel, Minze) mische ich heute mit dem roten – was richtig gut schmeckt. Und: Ich muss mich nicht vor dem Rote-Beete-Drink am Abend fürchten.

In meiner Mittagspause gehe ich einkaufen, was mir leichter fällt als gedacht. Ich habe keine starken Gelüste, hole lediglich zuckerfreie Gemüsebrühe, die ich am Abend ergänzend zu den Säften trinken werde. Zwischendurch überlege ich gar, eine Runde joggen zu gehen. Schließlich entscheide ich mich aber doch dagegen, weil ich nicht weiß, ob mein Kreislauf das mitmachen würde. Konzentrationsprobleme habe ich heute weniger, so dass ich mit meiner Arbeit gut vorankomme.

Am Abend freue ich mich, durch die Gemüsebrühe etwas Warmes und Herzhaftes in den Magen zu bekommen. Der Mandel-Shake ist das perfekte Dessert nach der Brühe.

Tag 3

Wieder habe ich mehr als 9 Stunden wie ein Stein geschlafen und starte gut in den Tag – wie jeden Morgen mit einem grünen Tee, während ich bis 10 Uhr auf den ersten grünen Drink warte. Draußen ist es grau und trist, ich bin demotiviert und wünsche mir ein richtiges Frühstück: frische Brötchen mit Avocado, ein Croissant und einen Kaffee. Das wären wahrscheinlich mehr Kalorien in einer Mahlzeit als ich in den letzten zwei Tagen an einem Tag zu mir genommen habe. Dafür hätte ich einen vollen Bauch und würde den Tag gestärkter beginnen. Weil ich momentan bezweifle, dass die Saftkur positive Effekte auf meinen Körper hat, gerät mein Wille, sie durchzuziehen, ins Wanken.

In meiner Mittagspause gehe ich mit einer Freundin in ein Café. Wie gerne würde ich mir einen Cappuccino bestellen! Ich bleibe eisern – und trinke einen Kräutertee. Spaß habe ich damit keinen, aber beim Plaudern vergesse ich wenigstens für eine Stunde mein Hungergefühl.

Am Abend gebe ich schließlich nach. Ich bin bei meiner besten Freundin und gestehe ihr, dass ich die Kur an dieser Stelle abbrechen möchte. Sie freut sich riesig und kocht mir sofort mein Lieblingsessen: Nudeln mit Tofu-Spinat-Sauce. Als ich den ersten Bissen koste, habe ich das Gefühl, meine Geschmacksknospen würden explodieren. Drei Tage lang nur Saft zu trinken, hat meine Lust auf herzhaftes Essen ins Unendliche gesteigert. Ich bereue nichts und schlafe glücklich und mit vollem Magen ein.

Analyse und Einschätzung der Experten

Aber was bringt die Saftkur denn jetzt wirklich? Um das herauszufinden, hat watson mit Heike Niemeier, Ernährungsexpertin und Ökotrophologin, gesprochen.

Dass die Säfte gekühlt geliefert werden, sorgt für eine positive Überraschung bei der Expertin – das sei zuträglich für den Vitaminerhalt und dementsprechend sinnvoll. Ansonsten hält sich ihr Lob aber in Grenzen: "So frisch wie ein frisch gepresster Saft ist ein abgepackter Saft, der mehrere Tage haltbar ist, natürlich nicht. Was erhalten bleibt sind die sekundären Pflanzenstoffe – also alles, was einen Saft bunt macht und geschmacklich formt – und die Mineralstoffe. Aber da muss man die Kirche im Dorf lassen: Viele Mineralstoffe sind in Säften nicht enthalten."

Viel Zucker, dafür kein Eiweiß und keine Schwermetalle

Stattdessen bestehen die Säfte vor allem aus Zucker, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin. Das habe den Effekt, dass man häufig Hunger hat. "Saft hat im Durchschnitt so viel Zucker wie eine Coca-Cola (auf 100 Milliliter etwa 10 Gramm). Dieser Zucker führt dann mehr oder weniger stark dazu, dass nach dem Genuss der Blutzuckerspiegel in die Höhe geht und dann sehr schnell auch wieder abfällt."

"Kauen ist ein wesentlicher Teil des Verdauungsprozesses – und der ist essenziell für das Sättigungsgefühl."

Die Schwankungen des Blutzuckerspiegels könnten reduziert werden, wäre Eiweiß in den Säften enthalten. Da das aber nicht der Fall ist, bewirkt das Trinken eines Safts nur eine kurze Milderung des Hungergefühls. So richtig satt kann man der Expertin zufolge also nicht während der Saftkur. "Kauen ist ein wesentlicher Teil des Verdauungsprozesses – und der ist essenziell für das Sättigungsgefühl", erklärt Niemeier.

Für eine genauere Analyse hat watson einen Saft (Apfel, Spinat, Gurke, Ingwer) von Frank Juice ins Labor eingeschickt – mit folgendem Ergebnis: "Schwermetalle wurden nicht nachgewiesen, der Gehalt an Aluminium liegt im Normalbereich."

Green Washing oder Green Life? Jeden Monat prüfen wir mit Experten und Laboren die Nachhaltigkeitsbemühungen großer Firmen: Willkommen im Green Lab von watson.
Green Washing oder Green Life? Jeden Monat prüfen wir mit Experten und Laboren die Nachhaltigkeitsbemühungen großer Firmen: Willkommen im Green Lab von watson.Bild: gettyimages

Gemeinsamer Inhaltsstoff bei allen Saftsorten: Das Antioxidationsmittel Ascorbinsäure

Aber was findet sich noch in den Säften? Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass auf der Zutatenliste von jedem einzelnen der Säfte auch das "Antioxidationsmittel Ascorbinsäure" angegeben ist, also künstlich hergestelltes Vitamin C. Als Folge von hohen Dosen von Ascorbinsäure warnt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit vor Beschwerden im Magen-Darm-Trakt und vor einem potenziell erhöhten Risiko für die Bildung von Oxalat-Nierensteinen.

Aber trifft das auch auf die Saftkur von Frank Juice zu? Immerhin werden bei einer 3-Tagessaftkur 6 Säfte á 330 Milliliter am Tag getrunken, also insgesamt knapp sechs Liter Saft – immerzu ergänzt um das Antioxidationsmittel Ascorbinsäure.

Zutatenangabe vom Frank Juice "Grün".
Zutatenangabe vom Frank Juice "Grün".

Auf Nachfrage von watson schätzt das Bundesinstitut für Risikobewertung die Konzentration von Ascorbinsäure in den Säften zunächst als zu gering für gesundheitlichen Folgen ein: "Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass alle sechs Säfte, die in der 3-Tagessaftkur konsumiert werden, die von der Lebensmittelindustrie angegebene maximale Konzentration von 900 mg/L enthalten." Realistischer seien Folgen, wenn die Säfte über einen längeren Zeitraum getrunken würden:

"Ein längerfristiger Saftkonsum in diesen Mengen ist nicht ratsam, da Ascorbinsäure auch aus anderen Quellen aufgenommen wird und die langfristige Exposition gegenüber Ascorbinsäure/Vitamin C dann womöglich nicht mehr als unbedenklich angesehen werden kann."
Bundesinstitut für Risikobewertung auf anfrage von watson

Saftkur als (Start in die) Diät?

Bietet sich eine Saftkur trotz alledem als Diät an? Nein, bewertet Ernährungsexpertin Niemeier. Als Langzeitfolge des hohen Saftkonsum könnten Bauchschmerzen entstehen, da viele Menschen die Menge an Fruchtzucker nicht vertragen. Hinzu kommt der Verlust von Muskelmasse. "Wenn man die Saftkur längerfristig machen würde, würden sich die Muskeln rasch abbauen. Und Muskeln sind unsere 'Goldmasse' – sie sollten nicht verloren werden. Als Diät eignet sich eine Saftkur also überhaupt nicht, weil sich sofort ein Jojo-Effekt einstellt."

Diese Meinung vertritt die Expertin unabhängig vom Körpertyp oder Fitnessstatus ihrer Kundinnen und Kunden. "In meiner Praxis rate ich allen Menschen von Saftkuren ab – egal ob sie athletisch oder übergewichtig sind. Besonders Menschen, die abnehmen wollen, empfehle ich, Saft nur in kleinen Mengen zu trinken."

Bild: ease pr

Frank Juice bewirbt die Saftkur nicht als Diät – das soll an dieser Stelle festgehalten werden. Ein Versprechen wird also nicht gebrochen. Dennoch schreibt das Unternehmen auf seinem Blog, dass sich die Kur als Einstieg in eine Ernährungsumstellung eignet, weil man seinen Körper durch das Verzichten auf feste Nahrung "resettet".

Auch hier widerspricht Niemeier: Wer sich gesünder ernähren will, sollte von einer Saftkur als Startpunkt absehen, betont sie. Denn man pumpe große Mengen Zucker in den Körper: Die Saftkur könne also getrost übersprungen werden, folgert die Ernährungsexpertin. Auch den Preis der Kur hält die Expertin für alles andere als gerechtfertigt. Zumal viele der Säfte hauptsächlich aus Wasser oder Apfelsaft bestehen. "Dafür 80 Euro aufzurufen, ist eine wahnsinnig tolle Marketingstrategie – sonst nichts."

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