Auf manchen Gräbern auf dem Matzleinsdorfer Friedhof in Wien wachsen Tomaten.
Auf manchen Gräbern auf dem Matzleinsdorfer Friedhof in Wien wachsen Tomaten.bild: dpa/Matthias Röder
Gute Nachricht

Tomaten im Totenreich: Urban Gardening auf Friedhof in Wien

17.08.2022, 11:4617.08.2022, 11:51

"Essen die Leut' die Paradeiser?" Eine 86-Jährige ist skeptisch, ob die vielen Tomaten, die auf einem Grab des Matzleinsdorfer Friedhofs in Wien wachsen, wirklich appetitlich sind. Friedhofsverwalter Walter Pois beruhigt sie. Mindestens ein Meter Erdreich liege zwischen dem Obst und dem Sarg oder was von ihm übrig sei. Pois hat sich etwas einfallen lassen, um zumindest einige der 1500 nicht mehr von Angehörigen betreuten Gräber nutzen zu lassen. Die rund zweieinhalb Quadratmeter einer Grabfläche vermietet der Evangelische Friedhof für 75 Euro im Jahr an alle, die sich beim Urban Gardening nicht an der Nähe zu Toten stören.

Grabstellen erfüllen mehrere Funktionen

Angefangen habe er damit schon vor ein paar Jahren, sagt der 51 Jahre alte gelernte Gärtnermeister. Zunächst hätten Mitarbeiter die Chance ergriffen, nebenbei Kartoffeln, Zwiebeln, Kohlrabi oder eben Tomaten anzupflanzen. Inzwischen ähneln 20 Gräber einem Mini-Gemüsegarten. "Die Nachfrage steigt", sagt Pois. Schön findet er es, wenn nicht nur zu Erntezwecken angebaut wird, sondern auch Blumen die Fläche schmücken. So ist eine der Grabstellen ein gänzlich gemüsefreies Blumen-Meer.

Auch gebrauchte Bücher gibt es auf dem Wiener Friedhof.
Auch gebrauchte Bücher gibt es auf dem Wiener Friedhof.bild: dpa/Matthias Röder

Der Friedhof mit 8600 Gräbern – auf ihm ruhen unter anderem der deutsche Lyriker Friedrich Hebbel und die Schauspielerin Adele Sandrock – ist einer der kleinsten der österreichischen Hauptstadt. In Sachen Innovation wolle er aber führend sein, so Pois. In diesem Jahr wurden fünf Grabsteine zu öffentlichen Bücherstellen umgestaltet, drei weitere sollen folgen. Die ausleihbare Literatur soll zum Verweilen einladen und auch den Sinn eines Friedhofbesuchs erweitern. "Der Friedhof soll nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch der Ruhe und Erholung sein", sagt Pois.

(sb/dpa)

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Polnische Experten: Giftige Alge war Grund für Fischsterben in Oder

Polnische Wissenschaftler haben in einem Bericht die These bestätigt, dass eine giftige Alge das Fischsterben in der Oder ausgelöst hat. "Der Grund für das Fischsterben war höchstwahrscheinlich die toxische Wirkung einer Algenblüte", sagte die Wasserbiologin Agnieszka Kolada vom Institut für Umweltschutz am Donnerstag in Warschau bei der Vorstellung des vorläufigen Berichts.

Zur Story