Nachhaltigkeit
A western kingbird perches on a fence post with huge, spinning wind turbines, part of the 250 turbines in the Cedar Creek Wind Farm visible in the background on the hilly plains of Pawnee National Grasslands in northern Colorado. Bird strikes by wind turbines is a controversial issue with the renewable resource.

Für Vögel sind Windkraftanlagen eine tödliche Gefahr. Bild: Getty Images

Gute Nachricht

Windkraft: Schwarze Rotorblätter können Vogelsterben verhindern

Während Windkraftanlagen uns in ein Zeitalter grüner Energie führen sollen, gelten sie im Punkt Artenschutz als Problemfall. Häufig fliegen Vögel sowie Fledermäuse in die Rotorblätter und verenden. Im Gespräch mit "Focus Online" sagte der ehemalige Leiter des Michael-Otto-Instituts, Hermann Hötker, dass die Todeszahlen "irgendwo zwischen 10.000 und 100.000 pro Jahr" liegen. Die Spanne sei vor allem deshalb so breit, weil gerade kleinere Tiere laut dem Ornithologen von Aasfressern weggetragen werden.

Für das Problem könnte es nun eine Lösung geben. So schlagen Forscher des "Norwegian Institute for Nature Research" vor, eines der drei Rotorblätter einer Windkraftanlage schwarz anzustreichen. In einer Feldstudie sorgte die Maßnahme dafür, dass die Sterblichkeit der Tiere um 70 Prozent sank.

Die Forscher um Roel May prüften die These unter realen Bedingungen im norwegischen Windpark Smøla. Bei vier Anlagen färbten sie eines der Rotorblätter schwarz, die benachbarten ließen sie hingegen unverändert – als Kontrollgruppe. Drei Jahre lang dokumentierten sie die Zahl der verendeten Vögel. Es stellte sich heraus, dass vor allem bei den Greifvögeln, insbesondere Seeadlern, die Verluste stark zurückgingen.

Stärkerer Kontrast, höhere Sichtbarkeit

Das ist besonders positiv, da vor allem Greifvögel wie Mäusebussarde, Seeadler oder Rotmilane gegenüber den Rotorblättern zu wenig scheu sind und in sie reinfliegen, wie Ornithologe Hötker im "Focus"-Interview weiter erklärt. Eine Annahme ist, dass die Tiere weiße Blätter oft nicht sehen. Mittels schwarzer Farbe könne man jedoch einen Kontrast erzeugen, welcher die Bewegungsunschärfe der Rotoren reduziert. Vereinfacht: Die Vögel können die Blätter sehen und meiden.

Leider hat die Studie einen Haken: eine sehr kleine Stichprobe. Das sprachen die Wissenschaftler auch in ihrer Studie an und gaben die Empfehlung, weitere Untersuchungen durchzuführen. Reinhard Klenke, ehemaliger Mitarbeiter am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung sagte dem „Science Media Center“ überdies:

"Jede Verbesserung der Sichtbarkeit des Rotors, die zu einer Abstandsvergrößerung oder frühzeitigem Ausweichverhalten führt, sollte auch zu einer Reduktion der Mortalität führen. Allerdings können die beobachteten Effekte bei einer so kleinen Stichprobe, auch wenn die Untersuchung über längere Zeit lief, immer noch rein zufällig bedingt sein."

Auch ein schwarzer Turm könnte helfen

Neben den Rotorblättern färbte die Forscher auch den Turm der Anlagen schwarz. Das habe einen signifikanten Effekt gehabt, heißt es in einer Pressemitteilung. 50 Prozent weniger Vögel sollen daraufhin zu Tode gekommen sein. Doch auch hier handelte es sich um eine verhältnismäßig kleine Stichprobe.

Um also den Effekt der schwarzgefärbten Bauteile besser einschätzen zu können, sind weitere Studien nötig. Dennoch: ein Anfang ist es allemal.

(tkr)

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