Saint Helena, Ascension and Tristan da Cunha

Wer nach Tristan da Cunha reisen will, muss sieben Tage von Südafrika aus mit dem Boot fahren. Bild: iStockphoto / VictoriaJStokes

Gegen Fischerei und Ressourcenabbau: Im Atlantik entsteht riesiges Meeresschutzgebiet

Sie gilt als die abgelegenste bewohnte Insel der Welt: Tristan da Cunha, die Hauptinsel der gleichnamigen Inselgruppe im Südatlantik liegt 3.700 Kilometer östlich von Südamerika und 2.500 Kilometer westlich von Südafrika. In den Gewässern um sie herum leben zahlreiche Wale, Haie und Rochen, die jetzt vor Fischerei geschützt werden sollen, denn ihre Heimat soll das viertgrößte vollständig geschützte Meeresschutzgebiet der Welt werden.

Mit seinen etwa 690.000 Quadratkilometern wird das neue Meeresschutzgebiet fast doppelt so groß wie Deutschland sein. Die Regierung Tristan da Cunha habe, so National Geographic, bekanntgegeben, dass 90 Prozent der Gewässer um die Inselkette zu einer "No-Take-Zone" werden. Dort sind von nun an Fischerei, Ressourcenabbau und andere umweltschädigende Aktivitäten verboten.

Sign to describe remoteness of Tristan da Cunha, St Helena in the South Atlantic.

Die Hauptinsel gilt als die abgelegenste bewohnte Insel der Welt. Bild: Photodisc / David Forman

Die Gewässer zum Schutzgebiet zu erklären, schütze nicht nur die Meeresbewohner, sondern auch die Nahrungsgründe dutzender Seevögel, darunter Felsenpinguine, die auf der Insel rasten. Das bestätigten Naturschützer gegenüber "National Geographic". Das Schutzgebiet entsteht im Zuge des Blue-Belt-Programms, welches bereits sieben Millionen Quadratkilometer mariner Ökosysteme weltweit schützt.

Einzigartiges Ökosystem

Auf der Hauptinsel des Archipels leben nur etwa 245 Menschen, in Tristans einzigem Dorf namens Edinburgh of the Seven Seas (Edinburgh der Sieben Meere). Jonathan Hall, Leiter der Einheit für die britischen Überseegebiete bei der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB), sagte gegenüber "National Geographic", man fühle sich dort "als wäre man am Rande der Welt".

So dünn die Einwohnerdichte auch ist, die Tierwelt ist auf der Insel sehr vielfältig: Neben Robben, Pinguinen und Millionen von Seevögeln, gibt es auch eine große Population wandernder Blauhaie, wie Forscher im Jahr 2017 entdeckten. Die Tierart ist wegen ihrer begehrten Flossen stark überfischt, auch sie wird nun durch das Meeresschutzgebiet vor Fischerei geschützt – diese habe es vor der Küste nämlich vermehrt gegeben, so Hall von der RSPB. Der einzige Fischereibetrieb, der weiterhin erlaubt sein wird, ist eine kleine von den Inselbewohnern betriebene Hummerfischerei. Sie wurde vom Marine Stewardship Council als nachhaltig zertifiziert.

Inaccessible Island is fringed with sheer sea cliffs but is accessible via a few boulder beaches. Generations of sailors were wary of the difficult landings and inhospitable terrain. Inaccessible Island has been without permanent inhabitants since 1873.  It is home to Rockhopper Penguins and Fur Seals.

Die auf Tristan da Cunha lebenden Felsenpinguine werden geschützt. Bild: iStockphoto / Grant Thomas

Die Wunderwaffe des Naturschutzes

Laut "National Geographic" werden Meeresschutzgebiete von zahlreichen Experten als eine Wunderwaffe des Naturschutzes bezeichnet: Eine Studie belege, dass solche Schutzgebiete weltweit die Nahrungsmittelversorgung schützen. Ungestörte Fischgründe können einen "Spillover"-Effekt auslösen: Wenn sich Fischbestände innerhalb eines Schutzgebietes erholen und vermehren, wandert ein Teil der Tiere in Fischerei-Hotspots ab. Eine Erweiterung der aktuellen Schutzgebiete um nur 5 Prozent könne den weltweiten Fischfang um mindestens 20 Prozent steigern.

Zurzeit sind etwa 8 Prozent der Weltmeere Meeresschutzgebiete, allerdings ist nur in 2,6 Prozent die Fischerei verboten. Die Initiative Campaign für Nature fordert, dass 30 Prozent des Ozeans geschützt werden. Dadurch könnten Ökosysteme Vorteile wie reichliche Fischbestände bieten, außerdem würden vom Aussterben bedrohte Arten gerettet werden. "National Geographic"-Explorer Enric Sala sagt: "Wir haben 10 Jahre Zeit, um 30 Prozent des Ozeans zu schützen, wenn wir das Aussterben der Arten stoppen wollen."

(sb)

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