Rikschas sind in den Metropolen Indiens das meist genutzte Verkehrsmittel.
Rikschas sind in den Metropolen Indiens das meist genutzte Verkehrsmittel.Bild: iStockphoto / f9photos
Gute Nachricht

Gegen Luftverschmutzung: Neu-Delhi stellt auf E-Rikschas um

01.12.2020, 11:52

Man sieht die Hand vor Augen kaum, das Atmen fällt schwer, die Augen tränen: Neu-Delhi ist die Stadt mit der schlechtesten Luftqualität der Welt. Zu den größten Luftverschmutzern gehören dort die Rikschas, das Hauptverkehrsmittel in Indiens Metropolen. Um dem Smog entgegenzuwirken, werden sie zukünftig nur noch elektronisch betrieben – denn Indien will abgasfrei werden.

Dass die Luft in Neu-Delhi extrem schlecht ist, ist ein gravierendes Problem. Seit der Corona-Pandemie ist die Lage allerdings noch ernster als zuvor. Die Industrie- und Verkehrsabgase lösen immer mehr Atemwegserkrankungen aus, und diese Patienten sind deutlich anfälliger für Corona Infektionen, berichtet das ZDF. Während in anderen Teilen Indiens die Fallzahlen sinken, bleibt Neu-Delhi stetig Risikogebiet.

Der Smog in Neu-Delhi ist sehr gesundheitsgefährdend.
Der Smog in Neu-Delhi ist sehr gesundheitsgefährdend. Bild: iStockphoto / Diy13

Um den Smog zu vermindern, sollen bis 2023 nur noch elektrisch betriebene dreirädrige Fahrzeuge zugelassen werden, ab 2025 gilt das für alle Zweiräder. Laut "Spiegel" ist die fehlende Infrastruktur die größte Herausforderung für die abgasfreie E-Revolution. Die Rikschas werden nämlich oft privat geladen, oder illegal durch Anzapfen von Leitungen des Stromnetzes. Doch die E-Branche wächst, einige Start-Ups entwickeln Batterietauschkonzepte. Sogar Firmen wie Ikea oder Amazon wollen über zehntausend E-Rikschas als Lieferflotten einsetzen – natürlich auch, um vom grünen Image der E-Mobilität profitieren.

Auch die deutsche Bundeskanzlerin war Ende 2019 in Indien und unterzeichnete mit Premier Narendra Modi eine Absichtserklärung, dass grüne, abgasarme Mobilitätslösungen in Indien gefördert werden. So richtig gut fürs Klima und die Luft sind die E-Rikschas noch nicht, denn die Batterien werden oft unsachgemäß entsorgt und der Strom wird oft aus Kohle gewonnen. Trotzdem geht Indien wesentliche Schritte in Richtung Elektromobilität.

Die Elektro-Wende in Indien kam völlig abrupt: Als die ersten batteriebetriebenen E-Rikschas auf den Markt kamen, gab es keine einzige Ladestation, berichtet der "Tagesspiegel". Viele Rikscha-Fahrer stiegen deshalb auf ein Elektromodell um, weil sie günstiger waren als die konventionellen Modelle. Von Bleibatterien wurde 2015 auf Lithium-Batterien umgestellt, diese haben einen wesentlichen Vorteil: Mit einem Tauschsystem verlieren Fahrer keine Zeit, sie geben eine leere Batterie ab und tauschen sie gegen eine geladene, so müssen sie nicht darauf warten, dass ihr Fahrzeug wieder einsatzbereit ist und können sofort weiterfahren.

In Zukunft sollen die E-Rikschas mit Solarenergie betrieben werden, das wäre die klimafreundlichste Art, die Rikschas in Gang zu bringen. Dafür müsste sich nur die Sonne ihren Weg durch den Smog bahnen.

(sb)

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Energie sparen: Hundekot bringt Straßenlaternen zum Leuchten

In England sorgt seit Kurzem eine Straßenlaterne für Aufsehen und Sauberkeit, die nicht mit Strom, sondern mit Hundehaufen betrieben wird. Die Laterne leuchtet durch Biogas, das aus den Hinterlassenschaften der Vierbeiner gewonnen wird. Auf diese Weise wird nicht nur Energie für Strom gespart, es gibt auch eine Sammelstelle für Hundehaufen – und dadurch eine sauberere Parkanlage.

Zur Story