Nachhaltigkeit
Tractor spraying pesticides on soybean field  with sprayer at spring

Kalium, Phosphor und Stickstoff helfen Pflanzen beim Wachsen. Alle drei Stoffe finden sich auch im menschlichen Urin. Bild: iStockphoto / fotokostic

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Urin statt künstliches Düngemittel: Mit dieser Idee will ein Startup der Umwelt helfen

Wer auf dem Land umgeben von Feldern und Wiesen aufgewachsen ist, weiß: Exkremente sind offenkundig ein wunderbares Düngemittel. Wenn der Landwirt mal wieder die Gülle seiner Schweine oder Rinder aufs Feld fährt, bleibt das zumindest niemandem im Dorf verborgen.

Und auch menschlicher Urin wurde Anfang des 20. Jahrhunderts noch als Dünger verwendet, in Paris etwa wurden damals 60 Prozent des anfallenden Urins recycelt. Doch irgendwann wurden Kalium, Phosphor und Stickstoff – die für das Pflanzenwachstum essenziell sind – den Pflanzen vor allem durch synthetische Düngemittel zugeführt. Denn in diesen sind die Stoffe weit höher konzentriert als im Urin.

Die Folge: Laut dem österreichischen "Standard" landen im Jahr bis zu 18 Millionen Tonnen künstliche Düngemittel auf Europas Feldern, während gleichzeitig 240 Milliarden Liter Urin mit 2900 Milliarden Litern Trinkwasser verdünnt werden müssen, bevor sie in der Kanalisation landen. Trotzdem gelangt viel Urin in Flüsse und Meere und treibt dort den Algenwuchs voran.

Franzosen starten "Peevolution"

Ein französisches Startup will dem aber entgegenwirken und Urin wieder als Düngemittel auf die Felder bringen – und so eine "Peevolution" ins Leben rufen. Denn auch Urin enthält den fürs Pflanzenwachstum benötigten Dreiklang aus Phosphor, Kalium und Stickstoff – und wie es der Zufall will, produziert jeder von uns täglich einen Liter davon.

Dank der Zufuhr verschiedener Bakterien wollen die Gründer von Toopi Organics aus dem recycelten Urin aber einen effektiveren und günstigeren Pflanzendünger machen, der es mit dem künstlichen Dünger aufnehmen kann. In Tests soll das Urin-Düngemittel jedenfalls deutlich besser als herkömmliche synthetische Düngemittel abgeschnitten haben.

Abgesehen davon, dass damit weniger Urin im Trinkwasser und weniger Düngemittel auf den Feldern landet, hätte eine "Peevolution" noch einen weiteren Vorteil. Denn Phosphor und Kalium für den künstlichen Dünger müssen in Minen in Nordafrika und Russland abgebaut und dann nach Europa transportiert werden. Oft geschieht das unter fragwürdigen Bedingungen.

Bislang bezieht Toopi Organics seinen Urin vor allem aus öffentlichen Einrichtungen, Krankenhäusern und aus Festivaltoiletten. Künftig will die Firma aber auch den Urin aus privaten Haushalten nutzen und für eine geruchsneutrale Sammlung dessen sorgen. Irgendwann sollen so ein bis fünf Prozent des französischen Urins gesammelt werden.

(ftk)

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