The storm surge from Hurricane Ian sends water through the streets of Naples, Florida in this handout image taken Wednesday, September 28, 2022. More than 2 million people throughout the state of Flor ...
Sturm "Ian" hat an vielen Orten für Verwüstung gesorgt. Bild: www.imago-images.de / imago images
Klima & Umwelt

Sturm "Ian" bringt Florida Stromausfälle und Überschwemmungen

29.09.2022, 18:18

"Ian" ist als einer der stärksten Hurrikans in der Geschichte Floridas auf Land getroffen und hat dem US-Bundesstaat heftige Winde, Regen und Sturmfluten gebracht.

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 Kilometern pro Stunde erreichte der Sturm am Mittwochnachmittag (Ortszeit) die Westküste des Sonnenstaates und lag dabei nur knapp unterhalb der Schwelle zur höchsten Hurrikan-Kategorie, wie das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) mitteilte. Auf seinem Weg ins Landesinnere Floridas schwächte sich der Sturm dann ab.

Am frühen Donnerstagmorgen erreichte "Ian" Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde. Meteorologen stuften den Hurrikan damit zunächst auf die niedrigste Stärke eins von fünf herab. Die Experten warnten weiter vor katastrophalen, gar lebensbedrohlichen Überschwemmungen in Teilen Floridas. Auf einem mehr als hundert Kilometer breiten Landstreifen tobten in der Nacht heftige Unwetter. Der mächtige Hurrikan war zuvor in Kuba auf Land getroffen.

Stromversorgung war zeitweise unterbrochen

"Ian" dürfte in die Liste der fünf schwersten Hurrikans in Florida kommen, sagte Floridas Gouverneur Ron DeSantis. Mehr als 2,4 Millionen Haushalte waren in der Nacht zeitweise ohne Strom, wie die Website Poweroutage zeigte. Das seien rund 20 Prozent der Haushalte im Bundesstaat, schrieb der Sender CNN.

Der Bezirk mit den meisten Ausfällen sei Lee County, in dem Fort Myers und Cape Coral liegen. 90 Prozent der Haushalte dort seien ohne Strom. US-Medien gingen davon aus, dass die Zahl der Stromausfälle zunächst weiter steigen werde.

Die Menschen wollen sich vor dem schweren Sturm in Sicherheit bringen.
Die Menschen wollen sich vor dem schweren Sturm in Sicherheit bringen.Bild: Orlando Sentinel via ZUMA Press / Joe Burbank

Das Zentrum des Sturms befand sich nach Angaben des Hurrikanzentrums in der Nacht rund 90 Kilometer südöstlich von Orlando. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Regen durch Straßen peitschte, von Autos nur die Dächer aus den Fluten herausragten und Trümmer durch die Luft flogen. Teile der Innenstadt von Fort Myers und Naples standen unter Wasser, berichteten US-Medien.

Anrufe bei Rettungsdiensten von Hunderten Menschen in Florida, die ihre Häuser vor der Ankunft des Sturms nicht verlassen hatten, mussten zunächst unbeantwortet bleiben, schrieb die Zeitung "Miami Herald".

In besonders schwer betroffenen Gebieten sei es noch zu gefährlich für Rettungsaktionen, berichtete die "New York Times". Sturmfluten hätten zum Teil eine Höhe von rund 3,5 Metern erreicht, sagte DeSantis. Die Behörden rechneten mit schweren Schäden an Infrastruktur und Kommunikationsleitungen.

Millionen Menschen sollten evakuiert werden

Für rund 2,5 Millionen Menschen galten Evakuierungsanweisungen. Einige entschlossen sich dennoch, in ihren Häusern zu bleiben. So auch der 42 Jahre alte John Renas, der mit seinen Kindern in Cape Coral ausharrte. Stundenlang habe rund um ihr Haus der Wind getobt, berichtete er dem Blatt "Tampa Bay Times".

"Das Heulen, das werde ich nie vergessen."
Anwohner John Renas

"Das Heulen, das werde ich nie vergessen." Es habe sich so angefühlt, als würde der Wind die Türen heraussaugen. Deshalb habe er eine Tür festgehalten, sein Sohn die andere. "Das nächste Mal, wenn sie uns auffordern, uns in Sicherheit zu bringen", sagte Renas dem Blatt, "werde ich gehen".

Einwohner der betroffenen Gebiete wurden eindringlich gewarnt, auch am Donnerstagmorgen nicht ihre Häuser zu verlassen, um etwa die Schäden zu begutachten. Auch wenn der Wirbelsturm abziehe, bestehe weiter Gefahr durch Trümmer, kaputte Stromleitungen und dergleichen.

"Ian" als weiteres Beispiel dramatischer Klima-Aktivitäten

Unterdessen bereiteten sich die Menschen in der benachbarten Region auf die Ankunft des Sturms vor. Das Zentrum von "Ian" soll im Laufe des Donnerstags zunächst über die Ostküste Floridas abziehen und dann am Freitag auf die Küste des Bundesstaats South Carolina zusteuern.

Ivan Mendoza begins to repair damage at his mobile home in Davie, Fla., early Wednesday, Sept. 28, 2022. Hurricane Ian rapidly intensified off Florida's southwest coast Wednesday morning, gaining top  ...
Der Sturm hat überall große Schäden hinterlassen. Bild: South Florida Sun-Sentinel / Joe Cavaretta

In Florida, erklärte DeSantis, stünden die Behörden für Bergungs- und Reparaturarbeiten bereit, sobald das Wetter diese zulasse. Auf Twitter schrieb er, rund 7000 Soldaten der Nationalgarde und 179 Flugzeuge oder Hubschrauber könnten eingesetzt werden. Zudem hielten sich bereits mehr als 40.000 Monteure der Versorgungsunternehmen bereit, um Stromleitungen zu reparieren.

UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete "Ian" als "ein weiteres Beispiel dramatischer Klima-Aktivitäten", wie man sie auf der ganzen Welt mit zunehmender Häufigkeit und Zerstörung sehe.

(sb/dpa)

Umwelt-Lüge bei Deutscher Bank und Commerzbank? Berichte sorgen für Aufregung

Deutsche Banken und Finanzdienstleister haben zwischen 2013 und 2022 rund 549,2 Millionen US-Dollar in Unternehmen investiert, die Regenwäldern im Amazonas in Brasilien abgeholzt und -gebrannt haben. Das legte eine Untersuchung der französischen Rechercheplattform "Disclose" und der Nichtregierungsorganisation "Repórter Brasil" jetzt offen.

Zur Story