Das Dorf Lützerath soll dem Braunkohletagebau Garzweiler weichen. Der Widerstand beruft sich auf das Klimaziel 1,5 Grad maximale Erderwärmung
Das Dorf Lützerath soll dem Braunkohletagebau Garzweiler weichen. Jetzt hat auch das OVG Münster. Bild: FotoMedienService / Ulrich Zillmann
Klima & Umwelt

Gerichtsurteil: Lützerath darf für Garzweiler II abgebaggert werden

28.03.2022, 17:1928.03.2022, 17:35

Im Streit um die Grundstücke eines Landwirts an der Abbruchkante des Tagebaus Garzweiler in Lützerath hat der Energiekonzern RWE vor Gericht einen Erfolg errungen. Das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster wies am Montag die Beschwerden des Landwirt Eckardt Heukamp und zweier Mieter zurück. Somit darf der Konzern die betroffenen Grundstücke abbaggern und die für den Kohletagebau erforderlichen Vorbereitungen treffen. Bei dem Hof handelt es sich um das letzte bewohnte Anwesen in Lützerath.

Das OVG bestätigte damit eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Aachen. Der Landwirt und die Mieter des betroffenen Hofs hatten sich mit Eilanträgen gegen Beschlüsse der Bezirksregierung Arnsberg gewandt, mit denen RWE vorzeitig in den Besitz der Grundstücke an der Abbruchkante kam. Damit kann der Konzern Wald roden, Gebäude abreißen und Grundstücke zur Gewinnung von Braunkohle abbaggern.

Urteil des OVG "wichtig" im Sinne der Versorgungssicherheit

Die energiepolitische Grundentscheidung zugunsten der Braunkohleförderung sei mit dem verfassungsrechtlichen Klimaschutzgebot vereinbar, erklärte das Gericht in Münster am Dienstag. Dementsprechend sei auch die Entscheidung der Bezirksregierung Arnsberg zugunsten der Braunkohleförderung nicht zu beanstanden. Aus der Beschwerde des Landwirts habe sich nicht ergeben, dass es alternative Tagebauführungen zur Verschonung seiner Grundstücke gibt, die ohne den Entzug anderer privater Grundstücke auskommen.

Die Dringlichkeit der Fortführung des Tagesbaus Garzweiler ergebe sich nach Auffassung des OVG daraus, dass zwei Kraftwerke mit dessen Kohle versorgt werden müssten; eine Ersatzversorgung aus dem Braunkohletagebau Hambach ließe sich, wenn überhaupt, "nicht ohne größeren Aufwand realisieren". Um dem Landwirt die Grundstücke zu entziehen, reiche es aus, dass die Versorgung des Energiemarkts mit Braunkohle gefährdet sei. Die Beschlüsse des OVG am Dienstag sind damit unanfechtbar.

Landwirt fordert Abrissmoratorium für Lützerath

Umweltschützerinnen und Initiativen zur Erhaltung des Dorfes kritisierten die Entscheidung scharf und kündigten Widerstand an: "In Solidarität mit den Betroffenen der Klimakatastrophe werden wir hier nicht freiwillig gehen", erklärte eine Sprecherin der Initiative Lützerath Lebt. Aktivistinnen und Aktivisten planen demnach, sich den Rodungsmaschinen und Bulldozern mit selbstgebauten Hütten in den Weg zu stellen. Zudem erwarte die Gruppe tausende Unterstützer bei einer Großdemonstration mit den Aktionsbündnissen Fridays for Future, Ende Gelände und Alle Dörfer bleiben im kommenden Monat.

Der betroffene Landwirt, Eckardt Heukamp, kündigte an, so lange wie möglich auf seinem Grundstück bleiben zu wollen. Zudem werde er gemeinsam mit seiner Anwältin prüfen, ob er vor den Bundesgerichtshof zieht, berichtete die "Rheinische Post". Von der Landesregierung forderte Heukamp nach Angaben des Bündnisses Alle Dörfer bleiben ein Abrissmoratorium für Lützerath, bis es eine neue Leitentscheidung gibt.

Energiekonzern RWE begrüßt Urteil

Der Energiekonzern begrüßte die Entscheidung des OVG. Die Beschlüsse seien "wichtig", damit der Tagebau planmäßig weitergeführt werden könne, erklärte RWE. "Eine sichere Versorgung der Kraftwerke mit Braunkohle hat durch die energiepolitischen Folgen des Ukraine-Kriegs zusätzlich an Bedeutung gewonnen", hieß es weiter.

Zur Ausdehnung des Kohletagebaus wollte RWE den Ort Lützerath ursprünglich bis September vergangenen Jahres abreißen, die Umsiedlung der Bewohner hatte bereits im Jahr 2006 begonnen. Gegen den geplanten Abriss gibt es erheblichen Widerstand, außerdem laufen noch mehrere Gerichtsverfahren. Unter dem Motto "Alle Dörfer bleiben" protestierten tausende Menschen gegen das weitere Vorrücken des Tagebaus.

(mcm/ dpa)

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