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Nun hat das Leibnitz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) erstmals die Verschmutzung mit Mikroplastik in tiefen Wasserschichten des Atlantik mit Hilfe einer Zeitreihe untersucht.Bild: Zoonar.com/Aleksandrs Tihonovs / Aleksandrs Tihonovs
Klima & Umwelt

Studie offenbart: So viel Mikroplastik gibt es in den Tiefen des Atlantik

04.07.2022, 16:36

Spätestens seit Erscheinen des Kinodokumentarfilms "Plastic Planet" von Regisseur Werner Boote ist den meisten klar: Plastik ist überall. Jeder Mensch atmet tagtäglich Mikroplastik ein, nimmt es durch Nahrung auf und trägt es auf der Haut.

Wir haben ein Plastik-Problem. Das Ausmaß ist noch immer nicht gänzlich erforscht.

Nun hat das Leibnitz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) erstmals die Verschmutzung mit Mikroplastik in tiefen Wasserschichten des Atlantik mit Hilfe einer Zeitreihe untersucht.

Plastikpartikel werden von verschiedensten Lebewesen gefressen

Meeresbiologin Gabriele Dederer pult einen Krebs aus einem von Tauchern gesicherten Geisternetz und wirft ihn zurück in die Ostsee. Jedes Jahr landen tausende Fischernetze in Nord- und Ostsee. Der WWF ...
Eine Meeresbiologin pult einen Krebs aus einem gesicherten Geisternetz und wirft ihn zurück in die Ostsee. Jedes Jahr landen tausende Fischernetze im Meer.Bild: dpa-Zentralbild / Jens Büttner

Janika Reineccius, IOW-Forscherin und Erstautorin der Studie, wies in einer Mitteilung am Montag auf die Gefahr der kleinen Plastikteilchen hin: Mikroplastik könne bestimmte Giftstoffe absorbieren und auf diese Weise über weite Strecken transportieren, sowohl horizontal als auch vertikal. "Die verschiedensten Lebewesen fressen solche 'vergifteten' Partikel, die obendrein noch die Aufnahme von verwertbarer Nahrung deutlich einschränken können", so die Forscherin.

5,4 Millionen Tonnen Mikroplastik pro Jahr im Atlantischen Ozean

Untersucht wurden Proben des Azoren-Observatoriums "Kiel 276" – einer mit Messinstrumenten versehenen 5,2 Kilometer langen Verankerungsleine, die auf halben Weg zwischen den Azoren und der Insel Madeira im Nordost-Atlantik angebracht wurde.

Zwischen 2003 und 2015 wurden hiermit 110 Proben genommen, laut IOW fanden die Forschenden in allen Mikroplastik. Rechnet man die gefundenen Mengen auf den gesamten Atlantischen Ozean hoch, so komme man auf etwa 5,4 Millionen Tonnen Mikroplastik pro Jahr, so Reineccius.

Vom Meer angespült liegen Plastikflaschen und weiterer Plastikmüll am Strand der Nordsee an der Westküste von Dänemark.
Plastik ist aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken – mit schwerwiegenden Folgen.Bild: dpa-Zentralbild / Patrick Pleul

Plastik findet sich in zahlreichen Gebrauchsgegenständen

Den größten Anteil des im Meer gelandeten Plastikmülls hat der Studie zufolge Polyethylen mit gut 70 Prozent, gefolgt von PVC mit gut 20 Prozent der gefundenen Gesamtmenge. Die beiden Plastik-Arten finden sich in Produkten von Rohren im Gebäudebau bis hin zu chirurgischen Nahtmaterial, Müllbeuteln oder Isoliermaterial. "Um weitere Muster und Prozesse klarer zu erkennen, muss die Langzeitbeprobung unbedingt fortgesetzt werden, und eigentlich benötigen wir auch weitere Probennahme-Stationen", hieß es abschließend.

(ast / mit Material von dpa)

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