Aktuell werden in den Niederlanden fast 1,6 Millionen Milchkühe gehalten – das könnte sich mit einem neuen Ausstiegsplan der niederländischen Regierung ändern.
Aktuell werden in den Niederlanden fast 1,6 Millionen Milchkühe gehalten – das könnte sich mit einem neuen Ausstiegsplan der niederländischen Regierung ändern.Bild: www.imago-images.de / bAGAMI/W. Leurs

Radikale Reduzierung: Niederlande wollen Tierbestände um ein Drittel abbauen

08.02.2022, 13:3708.02.2022, 13:53

In den Niederlanden hat die neue Regierung einen 25-Milliarden-Euro-Plan vorgestellt, mit dem sie den Viehbestand im Land radikal reduzieren will. Mit dem Geld sollen Landwirte entschädigt werden, die aus der Viehhaltung aussteigen. Das Ziel der Maßnahme ist es, dass am Ende ein Drittel weniger Schweine, Hühner und Kühe auf niederländischen Höfen stehen werden – das könnte auch maßgebliche Veränderungen auf die generelle Gestaltung von Landwirtschaft haben, wie das irische Farmers Journal erwartet.

Finanzierungsplan soll beim Ausstieg aus Tierhaltung helfen

Der auf 13 Jahre angelegte Ausstiegsplan sieht dabei vor, einige niederländische Viehhalter für die Verlagerung oder den Ausstieg aus der Branche zu entschädigen und anderen beim Übergang zu einer extensiveren Landwirtschaft zu helfen, da die neue Regierung die bisherigen Versuche der Reduzierung von Phosphat durch geringere Tierhaltung offensichtlich als nicht ausreichend bewertet. Nach Einschätzung des Irish Farmers Journal werde der Ausstiegsplan zunächst jedoch als freiwilliges Programm beginnen.

Die Niederlande bieten jährlich fast 1 Millionen Tonnen Hähnchenfleisch zum Export an.
Die Niederlande bieten jährlich fast 1 Millionen Tonnen Hähnchenfleisch zum Export an.Bild: www.imago-images.de / Ute Grabowsky/photothek.net

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die Regierung in Den Haag allein für den Ausstieg aus der Schweinehaltung statt 95 Millionen Euro jetzt 228 Millionen Euro für 2022 bereitstellen will, mit dem Ziel, die Stickstoffemissionen weiter zu senken. Die Prämie richtet sich an Viehhalter, deren Betrieb nicht weiter als 10 km von einem "Natura2000-Gebiet" entfernt liegt, was nach Aussage der Regierung aber für 80 Prozent aller Viehhaltungen zutrifft.

Die teilnehmenden Betriebe müssen dafür ihre Ställe abreißen lassen und dürfen weder anderswo eine neue Tierhaltung eröffnen, noch sich daran beteiligen. Zudem muss der Flächennutzungsplan geändert werden, damit auf dem früheren Betriebsgelände kein Vieh mehr gehalten werden darf. Geld gibt es für die Stallaufgabe sowie die Abriss-, Berater- und Gutachterkosten.

Laut Farmers Journal sind die Niederlande aktuell einer der größten Agrarproduzenten der Welt

Laut Farmers Journal sind die Niederlande aktuell einer der größten Agrarproduzenten der Welt und exportieren Gemüse, Obst, Blumen, Fleisch und Milchprodukte im Wert von 65 Milliarden Euro pro Jahr. Auch wenn die Anzahl seit 2017 rückläufig ist, halten die insgesamt 16.000 Milchviehbetriebe fast 1,6 Millionen Milchkühe. Außerdem gibt es etwa 11 Millionen Schweine auf etwa 3.000 Höfen und fast 49 Millionen Masthühner, die jährlich fast 1 Millionen Tonnen Hähnchenfleisch lieferten.

Noch geringes Interesse bei der Umsetzung

Mit ihrem 25-Milliarden-Euro-Plan bietet die neu gebildete niederländische Regierung einen konkreten Ansatz zu einer strukturellen Reformierung der Landwirtschaft. Nach Angaben des Fachmagazins Top Agrar Online gehen Beobachter jedoch davon aus, dass bislang weder die Bauern, noch landwirtschaftliche Organisationen diesen Plan so hinnehmen werden.

(mcm)

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