Vaca Muerta, Argentina, August 26, 2014: Extraction of unconventional oil. Battery of pumping trucks for hydraulic fracturing (Fracking).

Im argentinischen Vaca Muerta wird Öl gefördert – eines der zwölf Großprojekte mit fatalen Folgen für das Klima. Bild: iStockphoto / Cristian Martin

Nachhaltig

Bericht enthüllt, wie Finanzinvestitionen die Pariser Klimaziele zerstören

Am 12. Dezember 2015 haben es die Staats- und Regierungschefs von 195 Staaten fix gemacht: Sie beschlossen, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf "deutlich unter 2 Grad Celsius" zu begrenzen, später folgte die Einigung auf 1,5 Grad. Jetzt, fünf Jahre später, ist die Bilanz ernüchternd: Die Durchschnittstemperaturen sind bereits um 1,2 Grad gestiegen, mittelfristig wird es wohl auf über 3 Grad hinauslaufen, warnte ein UN-Bericht kürzlich.

Dementsprechend wird zum Jahrestag des Abkommens auch nicht gefeiert, sondern protestiert: Fridays for Future demonstrierte – logisch – bereits am Freitag in 30 deutschen Städten unter dem Motto "FightFor1Point5" und entzündete unter anderem ein Kerzenmeer vor dem Brandenburger Tor. Und in den Kohlegebieten sind an diesem Samstag Proteste geplant.

Die ohnehin desaströse Stimmung verschärft nun ein alarmierender Bericht von 18 Umweltorganisationen mit dem Titel "Five years lost": Allein zwölf der verheerendsten Kohle-, Öl- und Gasprojekte auf dem Globus verbrauchen demnach drei Viertel des Kohlenstoffbudgets, das der Erde bleibt, wenn die globale Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden soll.

Die zwölf von den NGOs identifizierten Großprojekte – darunter Gasförderung in Mosambik und Suriname, Öl- und Gasbohrungen im US-amerikanischen Perm-Becken, Chinas neue Kohlekraftwerke oder Indiens Kohlengruben – würden mindestens 175 Gigatonnen zusätzliches CO2 ausstoßen, wenn sie wie beabsichtigt ausgebaut werden. Soll die Erderwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent auf 1,5 Grad begrenzt werden, bleibt für die gesamte Welt nur ein Kohlenstoffbudget von 235 Gigatonnen.

Deutsche Banken mischen mit

Der Ausbau der klimaschädlichen Projekte kostet natürlich Geld. Der Bericht enthüllt deshalb die Banken und Investoren, die Finanzmittel für die umstrittenen Projekte bereitstellen – insgesamt 1621 Milliarden Dollar. Hauptkreditgeber sind die US-Konzerne Citigroup mit 103,7 Milliarden Dollar, die Bank of America (98,9 Milliarden Dollar) und J.P. Morgan Chase (92,4 Milliarden Dollar).

Doch auch die Deutsche Bank unterstützt die Projekte nicht zu knapp. Sie stellt für die zwölf Großprojekte Darlehen und Bürgschaften in Hohe von insgesamt 27,6 Milliarden Dollar bereit, hinzu kommen Aktien und Anleihen in Höhe von etwa 10 Milliarden Dollar. Die Commerzbank stellt ebenfalls gut neun Milliarden Euro an Krediten bereit, verschiedene deutsche Landesbanken und die Kreditanstalt für Wiederaufbau immerhin einen dreistelligen Millionenbereich. Die Allianz hält der Studie zufolge Anleihen und Aktien im Wert von mehr als 9,6 Milliarden Dollar. Geld, das am Ende in Kohleminen, Ölplattformen und Gaskraftwerke fließt.

"Unser Bericht zeigt, dass die Finanzbranche weit davon entfernt ist, ihr Geschäftsmodell auf die Ziele des Pariser Abkommens abzustimmen", schreiben die Studienautoren. Und das, obwohl sich viele der Banken offiziell zu mehr Nachhaltigkeit verpflichtet haben, besonders klimaschädliche Projekte ausschließen wollen und langfristig klimaneutral werden möchten. "So lange die Finanziers sich nicht von den Unternehmen trennen, die diese fossilen Expansionsprojekte vorantreiben, klingen diese Nachhaltigkeitsbekundungen hohl."

Wirksame Ausschlussrichtlinien müssten sicherstellen, dass Unternehmen, die Programme zur Gewinnung fossiler Brennstoffe leiten, nicht die Mittel dafür erhalten, "um noch mehr von unserer Zeit im Kampf gegen die globale Klimakrise zu verschwenden".

(ftk)

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