Nachhaltigkeit
saftiges gegrilltes Steak auf dem Teller | Verwendung weltweit

Ein saftiges Steak mag vielen schmecken, die Bedingungen, unter denen es produziert wurde, stehen dagegen einmal mehr in der Kritik. Bild: chromorange / CHROMORANGE / Bernd Juergens

Ethikrat zu Tierhaltung: Tägliches T-Bone-Steak ist kein Menschenrecht

Der Deutsche Ethikrat sieht das Tierschutzgesetz in deutschen Schlachtbetrieben nicht konsequent umgesetzt. Nun fordert er einen gesamtgesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Nutztieren.

"Ich kenne kein einziges Rechtsgebiet, in dem so heuchlerisch vorgegangen wird wie im Tierschutzrecht", sagte der Sprecher der Arbeitsgruppe "Tierwohl" im Deutschen Ethikrat, Steffen Augsberg, am Dienstag in Berlin. Nach seinen Angaben ist es eher die Ausnahme, dass das, "was oben drinsteht, unten auch so ankommt."

Es gehe dem Ethikrat nicht darum, das Schnitzel zu verteufeln oder die Nutztierhaltung insgesamt zu verdammen, sagte die Ethikrats-Vorsitzende Alena Buyx. Doch eklatante Tierwohlverletzungen seien keine Ausnahme, sondern kämen in der Praxis noch viel zu oft vor.

"Gute Ernährung mag ein Menschenrecht sein. Täglich ein T-Bone-Steak ist es aber nicht."

Als Beispiel für eine mangelhafte Umsetzung gesetzlicher Vorgaben nannte Buyx das sogenannte Kükenschreddern. In Deutschland ist das Kükentöten in der Legehennenzucht nur noch für eine Übergangszeit zulässig, wie das Bundesverwaltungsgericht 2019 entschieden hatte. Die Praxis darf aber vorerst weitergehen, bis den Brutbetrieben praxisreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung schon im Ei zur Verfügung stehen. Solche langen Übergangsphasen seien abzulehnen, sagte Buyx.

Kritik an Kastenstand für Sauen

Kritik übte der Ethikrat auch am sogenannten Kastenstand, einem Metallrahmen, in dem die Sauen gehalten werden. Eine Verordnung soll die Zeit, in der Sauen so auf engem Raum gehalten werden dürfen, deutlich einschränken und ihnen mehr Platz garantieren.

Ärger gab es unter anderem um die Übergangsfrist, die Bauern gewährt werden soll. Um die Neuregelung wird seit Jahren gestritten. "Dabei ist der Kastenstand nichts anderes als eine Exportsubvention von Bund und Ländern für die deutsche Fleischindustrie, für welche die Sauen mit massiven körperlichen und psychischen Qualen bezahlen müssen", sagte Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherschutzorganisation "foodwatch".

Schweinestall - Neubau, freilaufende Sauen in Gruppenhaltung. Innenansicht eines neu erbauten Sauenstalles nach neuesten Vorschriften unter Berücksichtigung des Kastenstand-Verbotes. Im großräumigen NT-Bereich Wartestall werden die tragenden schwangeren Sauen in Gruppen gehalten. Die Sauen haben eine Ohrmarke mit Sender Transponder und können damit ihre Futter am Futterautomaten abrufen. Landkreis Osnabrück Niedersachsen Deutschland *** New pigsty, free-range sows in group housing Interior view of a newly built sow house according to the latest regulations and taking into account the box stall Prohibition In the spacious NT area of the waiting pen, the pregnant pregnant sows are kept in groups The sows have an ear tag with a tra

Der Kastenstand ist ein Transport-Gestell für Schweine. Bild: www.imago-images.de / Fritz Rupenkamp

"Wichtig ist die Feststellung, dass mehr Tierwohl-Achtung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die nicht alleine auf dem Rücken der Landwirtschaft ausgetragen werden kann", sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken.

"Das Leiden der Tiere in der Massentierhaltung ist für unsere Gesellschaft eine moralische Bankrotterklärung", sagte die Grünen-Politikerin Renate Künast. Sie sprach ebenfalls von Zuständen, die längst abgeschafft gehörten und wegen massivster Lobbyarbeit der "alten Agrarpolitik" verlängert würden.

(vdv/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zweiundvierzig 19.06.2020 12:41
    Highlight Highlight Oha - wir realisieren also, das gutes tiergerechtes Fleisch ein Luxusgut ist und beim normalen Arbeitnehmer allenfalls Sonntags auf den Tisch kommen kann.
    (Der gute alte Sonntagsbraten)

    Dann kommt hoffentlich auch bald die Einsicht, dass :
    * Fernreisen kein Menschenrecht sind und Urlaub auf Balkonien auch die Arbeitskraft wieder herstellt.
    * 45m² Wohnraum pro Kopf (für Berliner zu 6€/m²) kein Menschenrecht sind und 25m² auch bezahlbar wären.

    Die Vernunft kehrt zurück...

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