Die Fridays-for-Future-Bewegung demonstrierte am Freitag in Berlin.
Die Fridays-for-Future-Bewegung demonstrierte am Freitag in Berlin.Bild: imago images / Christian Ditsch
watson live dabei

Klimastreik in Berlin: FFF-Sprecherin fordert "Koalitionsvertrag, der kein Wohlfühlpapier ist"

22.10.2021, 19:2622.10.2021, 20:17

Mit dem Startschuss der Koalitionsgespräche zwischen SPD, Grünen und FDP am gestrigen Donnerstag werden in Berlin über zehn Tausend Demonstrantinnen und Demonstranten unter dem Motto #KlimaKoalition auf die Straße gehen. Organisiert hat den zentralen Klimastreik in der Hauptstadt die Bewegung Fridays for Future. Los geht es um 12 Uhr am Brandenburger Tor. Die Forderung der Aktivisten und Demonstranten: Nach der Bundestagswahl müsse es zu einer sozial-ökologischen Transformation kommen – es brauche eine Klima-Koalition, jetzt!

Unsere beiden Reporterinnen Luisa-Marie und Franziska sowie unser Reporter Leo sind für euch unterwegs beim Klimastreik und nehmen euch mit.
Unsere beiden Reporterinnen Luisa-Marie und Franziska sowie unser Reporter Leo sind für euch unterwegs beim Klimastreik und nehmen euch mit.watson

Alle Neuigkeiten rund um den Klimastreik findest du in unserem News-Ticker, der mit der Resonanz von FFF-Sprecherin Annika Rittmann beendet ist.

17.56 Uhr: Annika Rittmann zieht Resonanz

"Ich bin nach drei Jahren Klimastreik unglaublich wütend, dass wir immer noch Eckpunkte veröffentlichen müssen, weil die Politik es nicht auf die Reihe bekommt, 1,5 Grad konforme Pläne zu machen", sagt Annika Rittmann, Sprecherin von Fridays for Future nach dem Streik gegenüber watson. "Ich habe ganz viele Menschen erlebt, die ebenfalls hier auf der Straße sind, laut sind, wütend waren über das Sondierungspapier und weiterhin dazu bereit sind, den Druck hoch zu halten. Und das hat mir ganz viel Energie für die kommenden Wochen gegeben."

Jetzt brauche es einen Koalitionsvertrag mit konkreten Maßnahmen, wie die 1,5-Grad-Grenze noch einzuhalten sei. "Das haben die Parteien, alle Parteien, im Wahlkampf versprochen. Und jetzt ist es Zeit, ihren Versprechen Taten folgen zu lassen." Im Wahlkampf, so Rittmann, hätte keine Partei es geschafft, einen tatsächlichen Plan vorzulegen, wie das funktionieren könne. "Jetzt muss man sich mit der Wissenschaft zusammensetzen und einen Koalitionsvertrag ausarbeiten, der kein weiteres Wohlfühlpapier ist, sondern uns auf den 1,5-Grad-Pfad bringt."

Annika Rittmann, Sprecherin von Fridays for Future, macht Druck auf der Straße. Die Wut der anderen habe ihr viel Energie für die kommenden Wochen gegeben.
Annika Rittmann, Sprecherin von Fridays for Future, macht Druck auf der Straße. Die Wut der anderen habe ihr viel Energie für die kommenden Wochen gegeben.fridays for future

Nachtrag 14.17 Uhr: "Wir machen keine halben Sachen"

Vor der SPD-Zentrale tritt Klimaaktivistin Luisa Neubauer ans Mikrofon: "Wenn wir jetzt hier stehen und sagen: 'Liebe Regierung, liebe Koalitionspartner: 1,5 Grad' – dann meinen wir das so. Das steht nicht zur Verhandlung. Wir machen keine halben Sachen." Die Menge wird laut, ist voll da.

"Man denkt, man kann uns totumarmen. Man denkt, man kann uns beschwichtigen. Und vielleicht habt ihr wirklich gedacht, wir würden uns nicht wehren, wenn ihr jetzt weitermacht mit genau den leeren Versprechen, mit denen wir nicht mehr umgehen, die wir nicht mehr akzeptieren." Aber da hätten sie sich gewaltig geirrt, betont Neubauer. "Wir lassen uns unsere Zukunft, wir lassen uns unsere Gegenwart nicht klauen – von nichts und niemandem. 1,5 Grad. Wir machen verdammt nochmal keine halben Sachen."

Luisa Neubauer spricht vor der SPD-Parteizentrale zu den Demonstrierenden.
Luisa Neubauer spricht vor der SPD-Parteizentrale zu den Demonstrierenden. watson

Nachtrag von 14.24 Uhr: Zwischenfälle mit der Polizei

Kurz vor der SPD-Zentrale kommt es am Randes des Demonstrationszuges zu einem Zusammenstoß zwischen der Polizei und Demoteilnehmenden des Antikapitalistischen Blocks – offenbar nachdem mehrere Rauchbomben gezündet wurden.

Ein Polizeisprecher erklärt gegenüber watson, was vorgefallen ist: Ausschreitungen habe es nicht gegeben, erklärte der Sprecher. Es sei aber zu einem Angriff einer Demoteilnehmerin "mit einer Art Fahnenstange auf eine Einsatzkraft" gekommen. Diese habe leichte Verletzungen im Gesicht davongetragen. Die Demoteilnehmerin wurde festgenommen. Im Zuge dessen kam es am Rande zu Rangeleien zwischen Polizei und Demonstrierenden. Weitere Festnahmen soll es laut Polizei bis zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben haben.

In den sozialen Medien kritisieren Demoteilnehmende, die dem Antikapitalistischen Block zuzurechnen sind, die mangelnde Solidarisierung der FFF-Organisatoren mit dem Block.

Auf Anfrage von watson erklärt eine FFF-Sprecherin: Aufgrund der Präsenz des Antikapitalistischen Blocks sei die Polizei negativ gestimmt gewesen. Im Zuge dessen kam es zu "Auseinandersetzungen aufgrund von Meinungsverschiedenheiten". Fridays for Future solidarisiere sich mit dem Antikapitalistischen Block. Es sei eine gemeinsame Sitzblockade vor dem Willy-Brandt-Haus geplant.

14.47 Uhr: Polizei will Demo wegen Unwetter auflösen

Das Wetter scheint Wind davon bekommen zu haben, dass es bei dieser Demo ums große Ganze geht: Die Route des Demonstrationszuges wird kurzfristig geändert – an der SPD-Zentrale, wo Klimaaktivistin und FFF-Mit-Initiatorin Luisa Neubauer eine Rede hält, schlagen die Demonstrierenden eine Kurve. Es geht am Finanzministerium vorbei zurück zum Potsdamer Platz.

Es gibt eine Unwetterwarnung – die Demonstranten werden dazu aufgefordert, nach Hause zu gehen und sich in Sicherheit zu bringen. Beim Potsdamer Platz soll die Demo ihr Ende finden, von dort können alle die öffentlichen Verkehrsmittel nach Hause nehmen.

14.30 Uhr: Der Demo-Zug ist vor der SPD-Parteizentrale angekommen

Die Demonstrierenden sind vor der SPD-Parteizentrale angekommen. Sie wollen Druck auf die Politik ausüben und für die Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels kämpfen. Sie sagen: Es gab nie mehr zu tun. Es brauche jetzt eine Klima-Koalition.

14.10 Uhr: Die Stimmung ist bei dieser Demo etwas gedrückter als bei Globalen Klimakrise

Der Regen hat aufgehört, es ist eisig kalt. Der Sturm hat weiter zugenommen. Aber die Demonstranten lassen sich davon nicht abschrecken. Sie laufen weiter – für 1,5 Grad, für eine klimagerechte Welt.

13.51 Uhr: "Ich werde von der Politik nicht gesehen"

"Es dauert noch eine ganze Weile, bis ich aktiv wählen gehen kann", sagt eine 13-jährige Schülerin, die lieber anonym bleiben will. "Und da ist so ein Klimastreik etwas, das ich für meine Zukunft nutzen kann. Da ich sonst auch oft das Gefühl habe, dass ich von der Politik nicht gesehen werde, sondern halt nur die Menschen, die wählen gehen können – weil man halt für die Politik macht." Die Jüngeren hingegen, für die ebenfalls Politik gemacht werden sollte, würden oftmals hinten herunterfallen "weil sie noch nicht relevant sind". Sie hofft darauf, dass das Wahlalter auf 16 Jahre abgesenkt wird und dass in den Koalitionsgesprächen ein früherer Ausstieg aus der Kohlekraft beschlossen wird. "Die Politiker müssen jetzt Klartext reden."

13.40 Uhr: Klima-Demonstranten laufen in Richtung Potsdamer Platz

So langsam leer sich der Platz vor dem Brandenburger Tor – die letzten Demonstranten des Zuges machen sich auf in Richtung Potsdamer Platz. Die Polizei spricht noch immer von rund 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, doch unsere Reporterinnen vor Ort glauben, dass es weit mehr Menschen sind. Die offiziellen Zahlen lassen noch auf sich warten.

"Ich will, dass in den Koalitionsgesprächen auch so viel an Klimaschutz stattfindet, dass es auch tatsächlich etwas bringt", sagt Lea Bockmeier. Sie ist 21 Jahre alt und arbeitet als Krankenschwester. "Von dem, was ich aus den Sondierungsgesprächen mitbekommen habe, wurde halt vieles nicht berücksichtigt. Es muss konkreter werden, so dass man sich auch darauf verlassen kann, dass dann auch alles so gemacht wird." Bockmeier stört insbesondere, dass vieles im Sondierungspapier schwammig gehalten wird, beispielsweise der Kohleausstieg, der "idealerweise" bereits 2030 kommen soll. Diese Jahreszeit müsse klipp und klar festgehalten werden. "Die Energiewende steht für mich in den Koalitionsgesprächen an oberster Stelle", so Bockmeier.

"What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now" rufen die Demonstranten laut im Chor.
"What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now" rufen die Demonstranten laut im Chor. watson

13.17 Uhr: "Auf dem besten Weg, uns alle zu zerstören"

"Ich bin hier, weil es so, wie es jetzt gerade ist, nicht weitergehen kann", sagt der 17-jährige Schüler Elyesa Yilmaz. "Ich muss ehrlich sagen, ich habe jetzt keine krasse Wissenschaft aus dem Klimazeug und so gemacht, aber ich bin mir schon sehr sicher, dass wenn wir so weitermachen, wir auf dem besten Wege sind, uns alle zu zerstören." Sein Schild mit der Aufschrift "Go Vegan" hat er mitgebracht, um darauf aufmerksam zu machen, dass eine vegane Ernährungsweise gut für die Umwelt ist. "Das ist moralisch richtig und eine super Sache."

Elyesa Yilmaz
Elyesa Yilmazwatson

13.12 Uhr: Demozug setzt sich vom Brandenburger Tor in Bewegung

Die teilnehmenden Demonstranten setzen sich in Bewegung, es geht durch die Straße des 17. Juni in Richtung Potsdamer Platz, vorbei an den Parteizentralen. "Climate Justice, now!" hallt es von überall her. "What do we want? Climate Justice. When do we want it? Now!"

Der Streik ist Teil der Aktionstage "Gerechtigkeit. Jetzt!", an denen sich unter anderem Ende Gelände, Sea-Watch, das Aktionsbündnis Antirassismus, Extinction Rebellion, Mietenwahnsinn und die Aktion Agrar beteiligen.

Die Stimmung ist energiegeladen. Und angespannt. Die Menge ist dicht. Die Demonstranten achten aufeinander, sind aufmerksam. Die Worte von Carla Reemtsma hallen durch die Straße: "Jetzt gehen wir zusammen an den Regierungsgebäuden entlang, wo die sitzen, die immer noch nicht begriffen haben, wie ernst die Lage ist!"

Klimagerechtigkeit auf der Straße erkämpfen!

Der Demozug setzt sich in Bewegung.
Der Demozug setzt sich in Bewegung.watson

13.07 Uhr: Polizei schätzt Zahl der Teilnehmenden auf 5.500

Offizielle Zahlen der Teilnehmenden gibt es noch nicht, aber die Polizei schätzt, dass derzeit um die 5.500 Menschen vor Ort sind.

12.54 Uhr: Milky Chance ist beeindruckt vom Durchhaltevermögen der Demonstranten

"Ich bin immer wieder beeindruckt und dankbar, dass ihr alle so viel Durchhaltevermögen zeigt", sagt Sänger Milky Chance. "Ich bin guter Dinge, dass wir irgendwann gehört werden – auch von den Menschen, die die Entscheidungsgewalt haben."

Sänger Milky Chance sorgt für ordentlich Stimmung.
Sänger Milky Chance sorgt für ordentlich Stimmung.watson

12.45 Uhr: Der Sturm soll kommen

Es ist eisig kalt, der Wind peitscht den Demonstranten um die Ohren, sie können die Finger kaum noch bewegen. Und Klimaaktivist Oskar kündigt an, dass der Sturm bald kommen soll. Dann wird es noch kälter, noch windiger. Doch die Stimmung bleibt gut – die Leute klatschen unermüdlich.

12.40 Uhr: "Für eine Welt, in der viele Platz haben"

Norma, Klimaaktivistin aus Mexiko, ruft zu einer Demo am 31. Oktober am Nordbahnhof in Berlin auf. Sie setzt sich gegen Gaspipelines ein. "Der Kapitalismus gehört gestürzt", sagt sie. "Wir müssen das gemeinsam machen. Und alles in unserer Möglichkeit stehende tun, um für eine gerechte und gesunde Welt zu sorgen – für eine Welt, in der viele Welten Platz haben."

12.24 Uhr: Klimaschutzaktivistin Julia aus dem Ahrtal mahnt zu mehr Klimaschutz

"Es geht um unser aller Hier und Jetzt. Kein konsequentes Handeln hat Folgen", ruft Julia von der Bühne aus in die Menge. "Hier in Deutschland, in meinem Gastjahr in den USA, in der ganzen Welt. Und ich kann euch sagen, es ist ein Alptraum. Ein Alptraum zu sehen, wie Menschen in ihren Häusern eingesperrt sind, um ihr Leben bangen, ihre ganze Existenz zu verlieren und dabei nicht zu wissen, ob man die Familie, die Freund:innen noch einmal lebend wiedersehen wird."

Aktivistin Julia spricht zur Menge

"Es ist ein Alptraum."
"Es ist ein Alptraum."watson

12.17 Uhr: Laut Polizei sind 1.300 Demonstranten vor Ort – Tendenz steigend

Es fängt an zu regnen. Damit sich die Anreise und das Durchhalten bei dem schlechten Wetter lohnt, macht Dota als Musikact Stimmung vor dem Brandenburger Tor.

12.01 Uhr: Die Kundgebung beginnt – "Klimagerechtigkeit muss die Antwort auf unsere Zeit sein"

Kurz vor 12 Uhr ist die Stimmung noch ein wenig gedrückt, Regen hängt in der Luft. An diesem Freitag sind weit weniger Demonstranten vor Ort als zum Globalen Klimastreik am Freitag vor der Bundestagswahl. Carla Reemtsma, Klimaschutzaktivistin und Mitorganisatorin des Schulstreiks tritt auf die Bühne: "Klimagerechtigkeit muss die Antwort auf die Probleme unserer Zeit sein", ruft sie in die Menge. Die Menge verdichtet sich. Der Demonstrationszug startet in Richtung Siegessäule.

11.50 Uhr: Ferien in Berlin – junge Demonstranten "müssen nicht einmal Schule schwänzen"

"Ich bin heute hier, weil ich denke, dass meine Enkel und Ur-Enkel auch ein Recht darauf haben, so zu leben, wie ich es bisher konnte", erzählt ein Demonstrant, der namentlich nicht genannt werden möchte. "Aber weil in Berlin noch Ferien sind, musste ich nicht einmal Schule schwänzen."

11.27 Uhr: Klimastreik in Berlin beginnt am Brandenburger Tor

Anders als am 24. September, dem Tag des Globalen Klimastreiks, sind die Bahnen in Richtung Brandenburger Tor noch leer. Auch am Alex steigt keiner zu, der ersichtlich an der Demo teilnehmen will. Erst an der Haltestelle "Unter den Linden" betritt eine Frau im Eisbären-Kostüm die Bahn. Der Bärenkopf hängt an ihr herab, als wisse er, worum es heute gehen würde.

Um 12 Uhr geht es los mit dem zentralen Klimastreik. Demonstrantinnen und Demonstranten sind auf dem Weg zum Startpunkt am Brandenburger Tor.
Um 12 Uhr geht es los mit dem zentralen Klimastreik. Demonstrantinnen und Demonstranten sind auf dem Weg zum Startpunkt am Brandenburger Tor.watson
"Kauf-nix-Tag" statt Black Friday: Der Samstag danach fordert zum bewussten und nachhaltigen Konsum auf

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