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Jamal Musiala, selbst ein Teil der Generation Z, zieht mit seiner spektakulären Spielweise junge Menschen vor den Bildschirm.Bild: www.imago-images.de / imago images
Fußball International

WM 2022: Wie die Generation Z wieder für den Fußball begeistert werden soll

14.11.2022, 14:09

Mehrere Umfragen der letzten Monate und Jahre zeigen: das Fußball-Interesse der Deutschen sinkt. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Menschen, die sich gar nicht für Fußball interessieren. Kaum verwunderlich also, dass Bundesligisten immer mehr um ihre Fans kämpfen müssen. Vor allem um die jungen.

Laut Florentino Pérez, Präsident von Real Madrid, hat der klassische Fußball deshalb ohne Neuerungen auch keine große Zukunft mehr vor sich. "Die jungen Leute sagen: Die Spiele sind ihnen zu lang. Also müssen wir etwas ändern, wenn wir wollen, dass der Fußball weiterlebt", sagte der 74-Jährige in der spanischen Fußball-Talksendung "El Chiringuito" im vergangenen Jahr.

In Zeiten von Playstation und Tablet sei die Aufmerksamkeitsspanne der Jugendlichen nicht mehr ausreichend, um 90 Minuten vor dem Fernseher zu sitzen.

"Wenn die jungen Leute sagen, ein Spiel sei zu lang und deswegen nicht zu ertragen, liegt das entweder daran, dass das Spiel nicht interessant genug ist oder gekürzt werden muss. Wir müssen überlegen, warum die 16- bis 24-Jährigen nicht mehr am Fußball interessiert sind."

Auch Sender mit Fußball-Übertragungsrechten lassen sich einiges einfallen, um vor allem die jungen Fans bei Laune zu halten. So gab es beispielsweise beim Spiel zwischen Dortmund gegen Bayern im Oktober erstmals bei Sky eine spezielle Übertragung für Kinder.

Zur WM lässt sich auch Magenta TV, die alle 64 Spiele übertragen werden, besondere Elemente für die junge Zielgruppe einfallen. Darunter: ein eigenes WM-Social-Media-Team unter der Leitung des Fußball-Freestylers Marcel Gurk und seinem Bruder und Fußballer Pascal.

"Man muss dann überlegen: Wie kann man bereits etablierte Dinge anders schnüren und auf eine neue Zielgruppe ausrichten?"
Fußball-Freestyler Marcel Gurk

Social Media als Chance, um die junge Zielgruppe für Fußball zu begeistern

Viele junge Menschen schalten zur Bundesliga gar nicht mehr ein. Die Highlights auf Youtube tun es doch auch. Und die, die sich die Übertragung klassisch anschauen, haben mindestens das Smartphone oder den Laptop parallel offen, um noch einmal die Aufstellung zu prüfen. Der Second Screen ist längst nicht mehr wegzudenken.

Das könnte laut Marcel Gurk eine Chance sein, junge Menschen (wieder) für den Fußball zu begeistern: "Social Media gibt die Möglichkeit für mehr Greifbarkeit und Authentizität", sagt er im Gespräch mit watson. Früher hätte man nicht die Möglichkeit gehabt, Spieler hinter den Kulissen, abseits vom Platz oder im privaten Umfeld zu erleben.

Gemeinsam mit seinem Bruder Pascal Gurk ist er Gastgeber der "auf die Gen Z ausgerichtete Social Media Show", erklärt Magenta-Sprecher Christoph Handwerk auf watson-Anfrage. Hier werden die beiden unter anderem mit verschiedenen Gästen gemeinsam die WM-Spiele live schauen und sich auf den Social-Media-Plattformen wie Tiktok, darüber unterhalten. "Wir wollen beide Welten zusammenbringen: Den Unterhaltungsaspekt von Tiktok und das Fußballschauen an sich", sagt Marcel Gurk. Sein Bruder fügt im Gespräch mit watson hinzu:

"Gerade für die junge Zielgruppe ist das cool, weil wir ihnen damit auch einen Einblick in unser Wohnzimmer geben. Aber nicht nur wir, sondern auch unsere Gäste. Für viele wird in unserer Show das ein oder andere Vorbild dabei sein."

Durch WM könnten mehr Menschen via Social Media erreicht werden

Die Fans in entsprechendem Alter seien laut Marcel Gurk bereits auf Tiktok, man müsse sie dort nur noch "einfangen" – und das gehe am besten mit einem interessanten Angebot. "Man muss dann überlegen: Wie kann man bereits etablierte Dinge anders schnüren und auf eine neue Zielgruppe ausrichten?"

Ein solches Angebot versuchen die Gurk-Brüder auch selbst auf Social Media zu liefern. Marcel Gurk hat knapp 590.000 Follower auf Tiktok, Pascal Gurk kommt sogar auf 3,1 Millionen. Dort begeistern sie ihre Fans mit kurzen Videosequenzen, in denen sie ihre Fußball-Freestyle-Tricks zeigen und erklären. Das Ziel, natürlich Entertainment, aber primär: zum Nachmachen animieren.

Dementsprechend sehen die beiden auch keinen Rückgang des Interesses auf Social Media – im Gegenteil. Pascal Gurk vermutet:

"Mit der WM gibt es ein noch größeres Potenzial, über die Zielgruppe in Deutschland hinauszugehen und noch mehr Nationalitäten zu erreichen. Deshalb sehe ich hier sogar eher Wachstumschancen für uns und für den Sport generell auf Tiktok."

Fußball-Freestyle kann Fußball attraktiver machen

Den klassischen "Bundesliga-Samstag" gibt es für viele aus der Generation Z nicht mehr. Längst hat Social Media übernommen, oder es wird sich gar nicht mehr für die Bundesliga interessiert. Laut einer Umfrage der Votingapp FanQ und dem FC FairPlay aus dem Sommer dieses Jahres hat das Interesse an der Bundesliga in der abgelaufenen Spielzeit unter mehr als 6200 Fußballinteressierten mit 70 Prozent "eher abgenommen" beziehungsweise "stark abgenommen".

"Der Fußball-Freestyle kann den klassischen Fußball innovativer, moderner und trendiger machen."
Pascal Gurk, ehemaliger Fußballer und Fußball-Freestyler

Zu den Gründen gibt es unterschiedliche Auffassungen. Ginge es nach Super-League-Boss Bernd Reichart oder Florentino Pérez, einer der Initiatoren dieser, bräuchte das Fifa-System eine Reform. Eine Super League müsste her. Darin sollen folglich nur die Topklubs gegeneinander spielen, da diese Spiele für die Fans spannender wären.

Laut den Gurk-Brüdern würden Regeländerungen, wie verkürzte Spielzeiten, jedoch nichts bewirken. Viel eher müsste das bestehende System ansprechender gestaltet werden, wie beispielsweise durch spielerische oder interaktive Elemente auf Social Media, wie das Fußball-Freestylen.

"Der Fußball-Freestyle kann den klassischen Fußball innovativer, moderner und trendiger machen", sagt Pascal Gurk. Zudem könne damit gezielt die Jugend angesprochen werden: "Wir treiben das Fußball-Freestylen seit mehr als zehn Jahren voran. Dadurch hoffen wir, dass weniger Kids vor dem PC hängen und wieder raus auf den Bolzplatz gehen."

Einen Anteil daran dürften vermutlich auch Spieler wie Jamal Musiala haben, die ihre Altersklasse – die Generation Z – allein durch ihren Spielstil vor die Bildschirme ziehen.

So lief der WM-Tag: England bleibt torlos, Niederlande verspielt Führung
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