Mit 30 Jahren wird Daniel Schmidt sein WM-Debüt feiern. Beim Spiel zwischen Deutschland und Japan. Sein Name lässt zwar vermuten, dass er für das DFB-Team spielt – tut er aber nicht. Stattdessen wird er im japanischen Tor stehen und den deutschen Offensivstars um Jamal Musiala, Thomas Müller und Serge Gnabry es so schwer wie möglich zu machen, Treffer zu landen.
Doch wer ist der 1,97-Meter-Hüne? Und wie stehen seine Chancen mit der japanischen Nationalmannschaft bei der umstrittenen Weltmeisterschaft in Katar?
Als Sohn einer japanischen Mutter und eines amerikanischen Vaters wächst Schmidt ab seinem zweiten Lebensjahr in Japan auf. Er hat zwar deutsche Wurzeln, spricht aber selbst kein Wort Deutsch. Im Interview mit Eurosport sagte der Torhüter vor der Weltmeisterschaft:
In den europäischen Fußball hat er es nach einer Station bei einem japanischen Universitätsteam, mehreren Leihen und einem Engagement beim japanischen Zweitligisten Vegalta Sendai geschafft. Erst mit 22 Jahren wurde er Profi. 2019 wechselte er nach Belgien zu St. Truiden. Dort ist er seit seinem Wechsel gesetzt, gibt seinem Team Sicherheit. Genau, wie er es auch in Katar machen will – noch ist allerdings nicht bekannt, ob Schmidt oder seine Konkurrenten Shuichi Gonda oder Eiji Kawashim im Tor stehen werden.
Klar ist allerdings das Ziel der japanischen Nationalmannschaft, die auch "Samurai Blue" genannt wird. In einer Medienrunde erklärte Wataru Endo, Spieler vom VfB Stuttgart: "Ich denke, dass wir die Chance haben, in dieser Gruppe zu bestehen. Wir spielen bei unseren Klubs in Europa eine gute Rolle, diesen Schwung wollen wir mitnehmen. Unser Ziel sind die Top acht." Also das Viertelfinale. Das sieht Schmidt genauso, macht die Ansage: "Unser Ziel ist das Viertelfinale".
Endo spricht dabei eine wichtige Tatsache an, die auf den japanischen WM-Kader zutrifft. 20 der insgesamt 26 nominierten Profis im Kader von Trainer Hajime Moriyasu spielen in Europa. Darunter auch bei absoluten Top-Klubs wie Arsenal London, Sporting Lissabon oder auch Celtic Glasgow.
Den Wechsel nach Europa vollziehen viele Japaner, um auf einem noch höheren Niveau Fußball zu spielen, sich zu entwickeln und letztlich in der Nationalmannschaft zu landen. Endo erklärt die Vielzahl an Japanern in Europa und insbesondere in der Bundesliga so: "Die Bundesliga ist ein guter, nächster Schritt zur J-League. Das Umfeld in Deutschland ist toll, wir fühlen uns hier sehr wohl."
Auch Schmidt erklärte seinen Schritt nach Belgien 2019 und vergleicht den europäischen Fußball mit der Spielart in der Heimat:
Dieses hohe Tempo wendet die japanische Nationalmannschaft auch im eigenen Spiel an. Bezeichnend für Endo und Co. ist ein schnelles Kurzpassspiel rund um Frankfurts Daichi Kamada. Gegen den Ball setzt Trainer Moriyasu auf frühes Pressing, um die Gegner zu Fehlern zu zwingen.
Für Endo vom VfB Stuttgart wird es ein besonderes Turnier. Zwar war der 29-Jährige schon bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland im japanischen Kader, spielte allerdings keine Minute: "Ich freue mich riesig darauf, dass das Turnier anfängt. Ich war zwar in Russland dabei, durfte aber nicht spielen. Das war für mich bitter. Deshalb freue ich mich richtig."
Neben den sportlichen Themen werden die sportpolitischen in Japan offenbar weniger beleuchtet. Auf die Frage, ob sich das japanische Nationalteam Gedanken um die Menschenrechtslage gemacht hat und ob die Vorwürfe gegenüber Katar in Japan thematisiert werden, antwortete Endo: "Eigentlich ist es kaum ein Thema in Japan." Die Aussage passt auch zu einem Bericht, den das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" veröffentlicht hat und zum Schluss kommt: "In Japan schaut man bei der politischen Dimension des Turniers eher weg."
Deshalb verwundert auch die Aussage von Endo nicht, der offenbart, dass die Samurai Blue "keine Aktionen planen". Ganz im Gegenteil zum DFB, der sogar rechtlich prüfen lässt, ob das Fifa-Verbot der "One Love"-Binde zulässig ist. Ob Kapitän Manuel Neuer ein politisches Zeichen setzen wird, ist daher noch offen. Ein sportliches Zeichen wird die Elf von Trainer Hansi Flick dennoch setzen wollen.