Gegen die TSG Hoffenheim erzielte Thomas Müller sein 10. Saisontor.
Gegen die TSG Hoffenheim erzielte Thomas Müller sein 10. Saisontor.
Bild: Pressefoto Ulmer/Pool / imago images
Analyse

Trotz Müllers Top-Leistung – Bayern-Kenner ordnet ein, warum Löw für den DFB-Kader immer noch zögert

01.02.2021, 18:0501.02.2021, 18:30

Es war ein typischer Thomas Müller. Mit einem ziemlich ungelenk aussehenden Schuss brachte der 31-Jährige den FC Bayern beim 4:1-Sieg gegen die TSG Hoffenheim am Sonnabend zwischenzeitlich mit 2:0 in Führung. Und das ausgerechnet unter den Augen von DFB-Trainer Jögi Löw, der Müller nach dem Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft 2018 aussortierte und eine Rückkehr ins Nationalteam bisher ausschloss.

Mit seinem zehnten Saisontor traf Müller erstmals seit der Saison 2015/16 wieder zweistellig. Zudem verbuchte er in dieser Spielzeit bereits zusätzlich 10 Vorlagen. "Rein objektiv und sportlich betrachtet ist es natürlich höchst fragwürdig, dass Löw auf einen Spieler wie Müller verzichtet und das auf allen Ebenen. Müller ist seit einiger Zeit einer der zwei wichtigsten Offensivspieler bei den Bayern, vielleicht sogar noch einen Tick wichtiger als Weltfußballer Robert Lewandowski", sagt auch Bayern-Experte Justin Kraft zu watson.

Der Journalist schreibt für den größten deutschsprachigen Bayern-Blog Miasanrot.de und analysierte in seinem Buch "Generation Lahmsteiger" die vergangenen zehn Jahre des FC Bayern München.

Auf Anfrage der "Bild", ob Löw Müller auch zur EM mitnehmen würde, antwortete der Trainer nur: "Da gibt es nichts zu sagen – jetzt." Was das heißt, ist unklar, aber ein genereller Ausschluss eines Comebacks von Müller hört sich anders an.

Müller zu dominant als Führungspersönlichkeit? Darum zögert Löw

Warum zögert Löw überhaupt noch? Dahinter steckt ein unausgesprochener Grund, der nämlich eigentlich nur noch viel mehr für Müller spricht.

Löw soll sich Sorgen machen, dass Müller bei einer Wiederaufnahme ins Team die Führungsstruktur verändern könnte. "Er ist das personifizierte Bayern-Gen und ein überragender Führungsspieler", bestätigt Justin Kraft. Abgesehen von Joshua Kimmich und Manuel Neuer sucht man diese Führungsspieler in der Elf von Jogi Löw bisher vergebens. Die Angst von Löw ist dabei wohl dennoch, dass eine erneute Nominierung die erst frisch entstandenen Hierarchien im Team durcheinander bringen könnte – weil er selber die Führung übernimmt.

Kraft erklärt dazu: "Müller verbindet die Mannschaftsteile miteinander, ist torgefährlich, spielt sensationelle Schnittstellenpässe und organisiert die ganze Offensive mit und gegen den Ball". Das sind zwar viele Vorzüge, aber aus Löws Sicht eben auch ein Risiko für die neuen Hierarchien im Team, die er als Coach gerade mühevoll versucht zu etablieren.

Denn Müller gilt auf und neben dem Platz als Lautsprecher. Eine Rolle, in die aber nun auch Spieler wie Mittelfeldspieler Leon Goretzka oder Gladbachs Neuhaus hineinwachsen sollen.

Musiala kann zwischen Deutschland und England wählen

Der Nationaltrainer soll sich laut "Bild"-Informationen nach dem Spiel gegen Hoffenheim auch mit Nachwuchsstar Jamal Musiala und dessen Mutter getroffen haben, um ihn zu überzeugen, für den deutschen Kader zu spielen.

Musiala beförderte sich beim Liga-Auftakt gegen Schalke mit 17 Jahren gleich mal zum jüngsten Torschützen der Bundesliga-Geschichte der Münchner. Aktuell kommt der offensive Mittelfeldspieler im Star-Ensemble immer wieder zu regelmäßigen Einsätzen. Diese Leistung bleibt auch vom Bundestrainer nicht unbemerkt, der ihn für die deutsche Nationalelf gewinnen will. Ganz einfach lässt sich der 17-Jährige aber nicht überzeugen, denn auch aus England kam Interesse an dem Youngster für die Nationalmannschaft.

Jamal Musiala (Mitte) gilt als größtes Talent des FC Bayern.
Jamal Musiala (Mitte) gilt als größtes Talent des FC Bayern.
Bild: MIS/Straubmeier/nordphoto GmbH / Bernd Feil/M.i.S./Pool / Straubmeier / nordphoto GmbH

Löw: "Musiala ist ein außergewöhnlich großes Talent"

Musiala hat zwar die englische Staatsbürgerschaft, wurde aber in Stuttgart geboren und kann sich deshalb frei entscheiden – zumindest, solange er noch kein Spiel für das A-Team absolviert hat. Im November 2020 absolvierte er seine ersten beiden Einsätze für Englands U-21-Nationalteam. Dabei lief er im Spiel gegen Albanien direkt in der Startelf auf und überzeugte schon nach 36 Minuten mit seinem Tor-Debüt. "Sein Gehirn und seine Füße beeindrucken am meisten. Er ist rasiermesserscharf", sagte der englische U21-Trainer Aidy Boothroyd über Musiala und fügte hinzu: "Wir wollen ihn behalten."

Bei so einem Talent ist es klar, dass sich der Chef persönlich um die Überzeugungsarbeit kümmert, deshalb traf sich Löw mit Musiala, um ihn zu überzeugen für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen. "Er ist ein außergewöhnlich großes Talent, absolut. Er hat eine besondere Wertschätzung in Deutschland und bei Bayern. Ich denke, er weiß so oder so, dass ich ihn nominieren will. Die Entscheidung liegt bei ihm", sagte Löw. Spätestens im März, wenn die ersten Nationalspiele bestritten werden, muss sich Musiala dann entscheiden.

(lfr/lgr)

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